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in unserer Kirchenzeitschrift gibt es eine Rubrik, die "Was mich beschäftigt" überschrieben ist. Als ich dieser Tage wieder diese Überschrift las, gingen meine Gedanken zu Gesprächen über die Arbeitssituation von vielen meiner Bekannten. Am liebsten hätte ich mich gleich an den PC gesetzt, um einen Artikel zu diesem Thema zu schreiben, denn es beschäftigt mich wirklich. So bin ich heute hier und möchte mit Ihnen darüber nachdenken, was von Gott her dazu zu sagen ist. In den persönlichen Gesprächen in der Gemeinde und außerhalb der Gemeinde kristallisieren sich für mich vor allem drei Aspekte heraus:
Johannes 3,1-8 Nikodemus kommt mit einer sehr konkreten Frage zu Jesus, die hier gar nicht ausformuliert ist: "Was muss ich tun, dass mein Leben sich in Gottes neuer Welt erfüllt?" An anderer Stelle kommt ein anderer Mann zu Jesus, der die gleiche Frage stellt. Ihm gibt Jesus zur Antwort, dass er seinen ganzen Besitz - alles, woran sein Herz hängt - drangeben und mit Jesus leben soll. Hier verweist Jesus auf das, was Gott an Nikodemus tun muss. Er sagt: "Du kannst nicht so weitermachen wie bisher. Es gibt keine Strategie, wie du dir das Leben bei Gott erarbeiten kannst. Denn es ist eine neue Geburt nötig. Eine neue Geburt, die nur "von oben" - von Gott her geschehen kann. Diese neue Geburt muss sein, sonst kannst du dich nicht im Sinne Gottes entfalten." Nikodemus versteht das ganz wörtlich. Er überlegt, wie es biologisch angehen kann, dass ein alter Mensch wieder in den Mutterschoß zurückkehrt. Jesus greift das Bild von der Geburt auf, deutet es aber bildhaft auf die Beziehung Gottes zu den Menschen um. Die natürliche Geburt ist ein entscheidender Einschnitt und markiert zwei Entwicklungsphasen. Die erste vor der Geburt ist unbewusst. Das Kind sieht noch nichts und hört noch nichts - so war jedenfalls damals das Verständnis. Es ist umgeben von einer Welt, die es noch nicht wahrnehmen kann. Erst nach der Geburt sieht, hört und fühlt es die Umgebung. So ist das auch mit der Neugeburt durch Gott. Man lebt umgeben von Gottes Liebe und seiner Kraft, aber man kann sie nicht wahrnehmen, die Augen sind für Gott noch geschlossen. Erst mit der Neugeburt durch den Heiligen Geist kann man Gottes Liebe wahrnehmen. Man spürt den Heiligen Geist, man ist an die Kraft Gottes angeschlossen und wird durch sie verändert. Diese Geburt von oben ist ein Geschenk Gottes, das er allen macht, die darauf vertrauen, dass Jesus für sie die Konsequenzen der Gottesferne getragen hat und ausgeräumt hat. Nun kann der Heilige Geist umgestalten und verändern, wie Gott uns gemeint hat. Kehren wir noch einmal zu unserem Segelschiff zurück. Mit der neuen Geburt bekommt unser Segelschiff einen neuen Kapitän. Es ist Jesus Christus, der unser Schiff auf den Wind des Heiligen Geistes ausrichtet. Wir müssen nicht länger den täglich wechselnden Tageskursen hinterhersegeln und uns von den Böen über Bord werfen lassen. Jesus Christus sitzt im Boot und hat unser Leben im Griff. Die neue Geburt ist ein einschneidendes Ereignis. Sie hat ganz offensichtliche Auswirkungen. So wissen wir ab diesem Zeitpunkt, dass wir Gottes Kinder sind und nichts uns von seiner Liebe scheiden kann. So können wir mit Gewissheit sagen, dass unser Leben ein Ziel hat, mit Gott in Ewigkeit vereint zu sein. So werden wir auch immer klarer die Wirkungen des Heiligen Geistes in unserem Leben erkennen können - Lebenswege, die er uns führt und die wir uns nicht selbst gewählt haben. Die neue Geburt geschieht nicht so nebenbei, sie ist auf jeden Fall eine Zeitenwende, nicht immer auf einen bestimmten Termin festlegbar, auch über einen längeren Zeitraum hinweg eingeleitet. Was bewirkt nun diese neue
Geburt im Leben? Wir werden erinnert an den biblischen Dreiklang, Glaube,
Hoffnung, Liebe. In diesen drei Aspekten lässt sich die Veränderung
beschreiben, die die neue Geburt auslöst. Im Verhältnis zu Gott
wird der Glaube zu einer festen Gewissheit. Das Lebensschiff ist auf seinem
Kurs - von Gott her und zu Gott hin. Jesus Christus ist dabei im täglichen
Manövrieren und Kurs Halten. Für die Zwischenzeit zwischen Abfahrt
und Ankunft ergibt sich eine klare Aufgabenstellung.
In verschiedenen typischen
Situationen möchte ich diesen biblischen Dreiklang im Berufsalltag
durchbuchstabieren.
Ein Mann hat Angst. Er
hat Angst von den Veränderungen mitgerissen zu werden und unterzugehen.
Er fragt sich, worauf es in seinem Leben ankommt. Er setzt für sich
Prioritäten und räumt damit der Zeit mit Gott einen hohen Stellenwert
ein. Der Beruf und die Überstunden dürfen ihn nicht davon abhalten,
seine Beziehung zu Gott zu pflegen, der ihm alle Kraft zum Leben schenkt.
Er bittet seine Freunde, für ihn zu beten. Und er erfährt, dass
Gott ihn bereit macht zu Veränderungen, die zwar auch Unruhe mit sich
bringen und doch einen Weg in die Zukunft markieren.
Der Freund, die Freundin kann in eine schwierige Lage geraten und gerade auf Sie warten. Da ist es nötig ein wirklich offenes Ohr zu haben und voller Anteilnahme zu fragen, wie es wirklich geht. Auch hier können wir Fürbitte anbieten und da sein, wenn es darum geht, einen neuen Weg zu finden. Der Kollege, der sich einsetzt für seinen Mitkollegen, dessen Arbeitsplatz rettet und selbst abgebaut wird, findet Trost nur in Jesus Christus selbst. Denn Jesus hat es uns vorgelebt, nicht nur für die Freunde, sondern sogar für die Feinde sein Leben zu lassen. Um in einer solchen Situation nicht an der Ungerechtigkeit dieser Welt kaputt zu gehen, brauchen wir Jesus an unserer Seite, der uns in seine Arme schließt und unser Lebensschiff auf Kurs hält. Wer wie Nikodemus nachts
schlaflos eine Antwort nach Sinn und Ziel seines Lebens sucht, ist eingeladen,
mit Nikodemus Jesus aufzusuchen. Er oder sie kann Jesus vertrauensvoll
bitten, ihm oder ihr auch die zweite Geburt zu schenken, den Neubeginn
des Lebens mit Jesus als Kapitän im Lebensboot. Und wir, die wir vielleicht
schon vor vielen Jahren den Geist Gottes geschenkt bekommen haben, werden
aufgefordert eine Zwischenbilanz zu ziehen. Was ist daraus geworden? Sind
wir lebendige glaubensfrohe, hoffnungsvolle, liebende Christen oder ist
nur die Geburtsurkunde von damals übriggeblieben? Sind unsere Segel
in den Wind des Heiligen Geistes gehisst oder längst gut verwahrt
oder irgendwo verloren? Dann ist es an der Zeit, diese neue Geburt wieder
bewusst aus der Erinnerung in die Gegenwart zu holen. Gott hat begonnen
und er will weitermachen. Er will unser Herz, unser Denken und Fühlen
umgestalten, uns die Angst vor morgen nehmen. Er ist dabei und keine noch
so entscheidende Umstrukturierung, Kündigung oder Versetzung kann
uns aus seiner Liebe und von seinem Kurs wegreißen. Das lässt
uns in dieser Welt zwar nicht schwerelos werden, aber erfüllt und
dankbar, gelassen und motiviert den Veränderungen, die der Heilige
Geist schafft, nachzuspüren.
In einem Lied Charles Wesleys kommt die vertrauensvolle Bitte um die Neugeburt von Gott her zum Ausdruck. Wir sind eingeladen, in diese Bitte mit einzustimmen. Liebe, komm herab zur Erde!
Die du nicht von dieser Welt,
Noch ist unser Herz gefangen,
Angst und Trauer hält es fest,
Komm, o Gott, uns zur Erlösung,
schaffe unser Leben neu!
Dann vollende deine Werke,
lass uns rein und heilig sein.
Nach Charles Wesley 1707-1788 Cornelia
Trick
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