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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Eine Ehefrau sieht ihrem Mann bei einem langen und qualvollen Sterben zu. Sie kann nicht begreifen, warum Gott nicht diese todbringende Krankheit aufhält. So viel wollte ihr Mann noch tun, so wichtig war er noch für sie und die Familie, das Leben war noch längst nicht abgeschlossen. "Herr, wo bist du gewesen?" Ein Familienvater wird von seiner Frau verlassen, die Kinder werden zum Zankapfel. Er begreift Gott nicht. Hatten sie nicht vor Jahren mit Gottes Segen ihre Ehe begonnen? Was ist schief gelaufen? Warum hat Gott nicht eingegriffen, bevor es zu spät war? Warum hat er ihm nicht gezeigt, wo Veränderung nötig war? So ist er einfach blind in die Krise gestolpert, und nun ist es vorbei. "Herr, wo bist du gewesen?" Auf diese Frage gibt es keine schnelle und allgemein gültige Antwort. Über die tiefe Anfechtung hinweg lässt es sich nicht springen. Die Enttäuschung muss ausgesprochen, vor Gott offen gelegt werden, nur so kann ein Weg in die Zukunft führen, den Gott neu weist. "Herr, wo bist du gewesen?" Diese Frage hat eine Frau Jesus gestellt, und Jesus antwortete ihr. Seine Antwort kann uns heute helfen, den Schritt aus der Dunkelheit unserer Zweifel ins Licht zu gehen, neue Orientierung und neuen Mut zu bekommen. Martha, Maria und Lazarus in Bethanien Lazarus Tod und Auferweckung stehen im großen Zusammenhang der Mission Jesu. Jesus liebt uns so, dass er sein Leben für uns gibt. Sein Tod geschieht, um uns Leben zu schenken und vor dem letzten Tod zu bewahren. Lazarus musste irgendwann wieder sterben, aber sein Leben mit Jesus konnte von keinem Tod mehr begrenzt werden. Johannes 11,20-27 Glaubensgespräch Doch Jesus veränderte ihren Glauben. Er sagte "Ich bin" und stellte damit klar, dass er selbst in göttlicher Autorität sprach und handelte. Er war nicht der Wünscheüberbringer mit besonders gutem Draht zu Gott, er war nicht der Kummerkasten, in dem die Kummerbriefe gesammelt wurden und der sie für die entsprechenden Leute bereit hielt. Er war Gott selbst. Wer Jesus vertraute, wer sein Leben mit Jesus verband, hatte Anteil an Gottes Leben, Lebendigkeit und Ewigkeit. Und wer in dieser engen Beziehung zu Jesus lebte, den konnte niemand und nichts mehr wegreißen, auch der Tod hatte seine Macht verloren. So lernte Martha in dieser kurzen Begegnung, dass Jesus ihr nicht in erster Linie Wünsche erfüllen, ihr nicht bessere Lebensbedingungen schaffen wollte, sondern dass Jesus sich mit Martha verbünden wollte, um ihr Anteil am Leben Gottes zu geben. An dieser Stelle könnte die Begegnung in Bethanien enden. Martha hatte den toten Lazarus betrauert. Jesus hob ihren Kopf empor und ließ sie ihn sehen. Sie suchte Lazarus und fand Jesus. Die Trauer über den toten Bruder blieb, der Verlust war groß, das Loch nicht zu stopfen, doch Martha war nicht länger vom Leben abgeschnitten. Jesus ließ sie die nächsten Schritte wagen. Sie konnte ihm vertrauen, auch wenn alle Sicherheiten mit dem Tod des Bruders eigentlich abgebrochen waren. Uns kann dieses Glaubensgespräch helfen. Wir kommen mit unserem Schmerz genauso zu Jesus wie Martha damals. Auch wir sind oftmals überzeugt davon, dass Jesus zu spät gekommen, nun nichts mehr zu ändern ist. Wir sehen in Jesus den Wünscheerfüller, den Wundertäter, der unser aus den Fugen geratenes Leben wieder zurecht bringt. Doch Jesus zeigt uns etwas ganz Anderes. Er möchte uns sein Leben schenken, möchte sich mit uns verbünden, will uns in seinen Einflussbereich ziehen. Nicht alle Wünsche werden erfüllt, nicht alle Krankheiten geheilt und auch das Sterben verhindert er nicht. Aber in allen Grenzsituationen und schrecklichen Herausforderungen bietet er sich uns an als der, der uns nicht loslässt, weil er uns liebt. Er hält uns fest und steht für Leben, das von keinem Tod mehr begrenzt wird, sondern nach der Todeslinie weitergeht. Auswirkungen nun
zweifelte sie doch an der göttlichen Vollmacht Jesu. Ihr Vertrauen
zu Jesus war offenbar eher theoretisch. Sie glaubte an ihn als Sohn Gottes,
aber nicht daran, dass er mit Gott Herr über den Tod war.
Ich behaupte, dass Martha uns sehr ähnlich ist. Viele von uns glauben, dass Jesus ewiges Leben schenkt und wir an diesem Leben schon heute und hier teilnehmen. Doch wenn die Sorgen, Probleme und Ängste kommen, dann geben wir doch schnell auf und erklären Jesus für nicht zuständig. Wir finden uns ab mit der unmöglichen beruflichen Situation, den schwierigen Familienverhältnissen, der Krankheit, die jeden Lebensmut nimmt. Zweimal berichtet das Johannesevangelium an dieser Stelle, wie Jesus zornig über das mangelnde Vertrauen wurde. Ist Jesus auch zornig über mich, weil ich ihm nur theoretisch vertraue, aber mein Leben gar nicht seinem Einfluss unterstelle, nichts von ihm erwarte? Jesus rief Lazarus ins Leben als ein Zeichen für uns. Für ihn ist nichts unmöglich. Es besteht kein Grund, ihm nicht auch Großes zuzutrauen. Doch nicht der wiederbelebte Lazarus und nicht unsere gelösten Probleme sind für Jesus die Hauptsache, sondern seine Beziehung zu uns, dass wir ihm vertrauen mit allem, was wir sind und haben. Lazarus Dieser Lazarus ist eine Aufgabe für Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu. Bevor wir unsere Mitmenschen herausrufen aus ihren Gräbern der Gottesferne brauchen wir Jesu Liebe, um sie so ins Herz zu schließen, wie Jesus Lazarus liebte. Sie müssen uns soviel wert sein, dass auch wir bereit sind, uns für sie einzusetzen, auch wenn es für uns negative Folgen haben kann. Sie sind nicht "Objekte", die wir zu Jesus führen wollen, sondern Menschen, die wir lieben. Dann wird aber auch der Ruf zu Jesus folgen. Beides gehört zusammen, nur lieben weckt niemand von den Toten auf und nur rufen wird zur lieblosen Methode über die Gräber hinweg. Sind wir bereit, uns auf einen oder zwei Personen einzulassen, sie zu lieben, wie Jesus es uns vorgemacht hat? Sind wir bereit, seinen Ruf weiterzugeben und uns nicht davor zu drücken? Wie sieht der Weg in die Zukunft aus? Nicht alle Lazarusse werden aufgeweckt. Wir werden immer wieder an Gräbern stehen, die endgültig für uns hier Lebende verschlossen bleiben. Doch Jesus ist da, er hat Vollmacht und verändert unseren Blick. Auch wenn uns das Liebste genommen wird, sind wir nicht von Gottes Leben abgeschnitten, sein Geist lässt uns den Weg aus der Dunkelheit finden. Jesus, der dem Tod die Macht genommen hat, geht mit. Wir sind gesandt zu den Grabeshöhlen unserer Mitmenschen, um sie mit Jesus bekannt zu machen, der sie liebt, deshalb für sie gestorben ist und ihnen Leben schenken will, das den Tod überdauert. Martha spricht zu Jesus: "Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist." (Johannes 11,27 Monatsspruch März 2006) Cornelia
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