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Gottesdienst am 06.06.2004
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
ein Gespräch im Auto: Die junge Frau, die
neben mir sitzt, kenne ich schon eine Weile. Sie macht ein freiwilliges
soziales Jahr in einem Altersheim. Über ihre Arbeit dort haben wir
Kontakt bekommen. Immer wieder versucht sie, mir ihren Glauben der Zeugen
Jehovas nahe zu bringen. Ich wiederum möchte ihr von Jesus Christus
erzählen und sie einladen, ihre komplizierten Gedankengebäude
zu verlassen und Jesus mal eine Chance in ihrem Leben zu geben. An diesem
Mittag nehme ich sie ein Stück mit dem Auto mit. Wieder führen
wir eine Glaubensdebatte. Ich bin am Zug und erwähne Gottes Dreieinigkeit.
Abrupt bricht unser Gespräch ab. Nein, eine Lehre vom dreieinigen
Gott lehnt sie strickt ab, dass ist für sie, die an den einen Gott
glaubt, reine Irrlehre. Von da ab verebben unsere Gespräche ...
Geht das nur einer Zeugin Jehovas so, dass sie
die Dreieinigkeit Gottes nicht verstehen kann? Ich fürchte, dass diese
Aussage des Glaubens für viele Zeitgenossen ein echtes Problem darstellt.
Denn wie soll man sich einen Gott in drei Personen vorstellen? Entweder
er ist das eine oder das andere, aber alle drei Personen gleichzeitig?
Und redet man da nicht ehrlicherweise von einem Götterstaat mit drei
Göttern? Angenommen, der Heilige Geist ist auch noch weiblich, wäre
das ja perfekt: Vater, Mutter und Sohn, ganz so, wie Gottesvorstellungen
auf der ganzen Welt zu allen Zeiten verbreitet waren.
Heute, am Sonntag Trinitatis, an dem diese Dreieinigkeit
Gottes in besonderer Weise im Mittelpunkt steht, möchte ich mit Ihnen
darüber nachdenken, wie Gott sich uns in drei Personen zeigt, wie
er dabei der eine bleibt und was diese Grundaussage des christlichen Glaubensbekenntnisses
für uns bedeutet. Als Grundlage der Auslegung habe ich einen Abschnitt
aus den Abschiedsreden des Johannesevangeliums ausgewählt, in dem
Jesus die Rolle des Heiligen Geistes nach Pfingsten beschreibt:
Johannes 16,13-15
Wenn der Helfer kommt, der Geist der Wahrheit, wird
er euch anleiten, in der vollen Wahrheit zu leben. Was er euch sagen wird,
hat er nicht von sich selbst, sondern er wird euch nur sagen, was er hört.
Er wird euch jeweils vorbereiten auf das, was auf euch zukommt. Er wird
meine Herrlichkeit sichtbar machen; denn was er an euch weitergibt, hat
er von mir. Alles, was der Vater hat, gehört auch mir. Darum habe
ich gesagt: Was der Geist an euch weitergibt, hat er von mir.
Gott, der dreieinige
Wenn wir heute von drei Personen reden, meinen wir
drei individuelle Menschen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben.
Aber jeder Mensch ist für sich allein lebensfähig und selbständig.
Als Theologen im 4. Jahrhundert nach Christus Gott versuchten in Lehrformeln
und Bekenntnisformulierungen auszudrücken, hatte das Wort "Person"
für sie eine ganz andere Bedeutung. Angelehnt an das griechische Schauspiel
bedeutete "Person" für sie, dass jemand eine bestimmte Maske trug,
die ihn zu einer neuen Person werden ließ. Der gleiche Schauspieler
konnte viele Personen spielen, indem er die entsprechenden Masken aufsetzte.
Den Theologen erschien dieses Maskenspiel ein geeignetes Ausdrucksmittel,
um Gottes unterschiedliche Zuwendungsweisen zu uns Menschen zu beschreiben.
Er bleibt dabei derselbe, tritt uns Menschen aber in unterschiedlicher
Weise gegenüber, als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Abgeleitet ist
die Lehre aus der Bibel. In der Abschiedsrede fasst Jesus Gottes Wirken
an uns Menschen zusammen.
Gott ist der Vater Jesu. Der Vater hat dem Sohn
alles übergeben. Der Sohn verdankt alles, was er ist und hat, dem
Vater. Die Bereiche des Vaters und des Sohnes durchdringen sich gegenseitig,
Vater und Sohn sind eine Einheit.
Jesus wendet uns Gottes Gesicht zu. Er ist die
menschliche Seite Gottes. An Jesus können wir erkennen, wer Gott ist.
Wir sehen, dass Gott uns in Liebe begegnet, weil Jesus sich den Schwachen
in besonderer Weise annimmt. Wir erfahren, wie er uns zum Leben fördert.
Er befreit uns von Schuld und den Folgen der Schuld. Wir werden durch sein
Vorbild angeleitet zur Gewaltlosigkeit, zur Konsequenz in unserem Lebensstil
und zur Treue. Diese Eigenschaften sind Gottes Eigenschaften. Doch mit
Jesus werden sie in unser Leben geerdet, gewinnen sie Gestalt und werden
zu Anleitungen für gelingendes Leben.
Der Heilige Geist ist die Kraft, die Jesus und
durch ihn Gott, den Vater, in unser Leben transportiert. Er ist der Mittler,
der uns Jesus direkt in unser Leben transportiert und den historischen
Abstand von 2000 Jahren überbrückt. Der Heilige Geist dichtet
nichts hinzu und lässt nichts weg. Er sagt die Wahrheit über
Jesus und tröstet mit Jesus, wenn wir Sehnsucht nach der engen Verbindung
zu Gott haben.
Die drei Erscheinungsweisen Gottes sind miteinander
verbunden durch Liebe. Einer zeigt von sich weg auf den anderen. So können
wir uns vorstellen, wie Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist
miteinander in Beziehung sind. Sie weisen jeweils von sich weg zum andern.
Der Vater hat alles dem Sohn übergeben. Der Sohn deutet auf den Heiligen
Geist, der trösten und in alle Wahrheit führen wird und der Heilige
Geist deutet auf Jesus, weil er nur weitergibt, was Jesus ihm vom Vater
her anvertraut hat. Alle drei Erscheinungen Gottes sind eins und drücken
durch die vollkommene hingegebene Liebe zueinander aus, was Einheit im
Sinne Gottes bedeutet.
Im Paradies gab es für diese Einheit Gottes
die Entsprechung in der Einheit von Mann und Frau. Als Gott nach dem 2.
Schöpfungsbericht, der die Erschaffung des Menschen zum Zentrum hat,
den Mann erschuf, stellte er fest, dass es nicht gut war, dass der Mann
allein war. Und das, so müssen wir es uns vor Augen halten, obwohl
das Verhältnis zwischen Gott und Mensch noch ungetrübt war und
Gott den Menschen abends in seinem Garten aufsuchte und mit ihm redete.
Die Gemeinschaft mit Gott reichte für den Mann noch nicht aus. Gott
wollte ihm diese Liebesgemeinschaft schenken, in der er selbst als der
Dreieinige lebte. Mann und Frau, so können wir es ableiten, waren
im Paradies eine Einheit, in der es darum ging, von sich auf den Partner
oder die Partnerin zu zeigen, alles gemeinsam zu haben und sich durch Liebe
und Gemeinsamkeit auszuzeichnen, nicht durch Individualität und Machtkampf.
Hier gibt es viel zum Nachdenken für unsere
modernen Partnerschaften im 21. Jahrhundert. Wie kommt die Einheit der
Liebe und Hingabe zum Ausdruck und wo können wir uns durch die Gemeinschaft
mit Gott weiterentwickeln, um als Ebenbilder Gottes, seine Einheit und
seine Freude an der Gemeinschaft zu leben? Vielleicht ist das eine Anregung
für den Frauenkreis, den Männerkreis, manchen Hauskreis.
Vielleicht ist es auch eine Anregung für
uns als Gemeinde. Denn mit Pfingsten sind ja nicht die Ehen neu gestiftet
worden, sondern eine neue Gemeinschaftsform ist ins Leben gerufen worden,
die Gemeinde Gottes mit Jesus als Mitte und dem Heiligen Geist als Kraft.
Sollte nicht für sie gelten, die hingebungsvolle Einheit zu leben
und damit ein Stück Paradies und ewige Herrlichkeit vorweg zu nehmen?
Gott, der dreieinige, wendet
sich uns zu
Wir nehmen Gott als Einheit wahr, erst im genaueren
Studieren und Erfahren Gottes begegnet er uns in seinen drei Erscheinungsweisen.
Er
tritt uns gegenüber als Gott Vater, der uns erschaffen hat. Dieser
Aussage liegt ein Bekenntnis zu Grunde, dass wir nicht einer Laune der
Natur entspringen, keinem zufälligen Urknall oder Gottes Lust zum
Ausprobieren. Wir sind Ausdruck seiner Liebe in Gemeinschaft. Gott ist
nicht in sich selbstgenügsam und abgeschlossen. Seine Liebe ist schöpferisch
und ruft ins Leben. Er hat Freude, Menschen als Beziehungswesen zu schaffen,
die ihrerseits schöpferisch und fruchtbar sind, deren Liebe weitergeht
und ein großes Netzwerk spannt. Das Besondere an seiner Schöpfungstat
ist, dass er mit uns verbunden bleibt. Er legt seine Verantwortung für
uns nicht ab, auch nicht nach den herbsten Enttäuschungen. Wenn er
uns begegnet wie ein Vater und eine Mutter, dann auch in dieser Hinsicht,
dass er mit uns verbunden bleibt, egal, wie wir uns zu ihm verhalten. Das
geschah zurzeit vor Jesus durch sein Gesetz, das er dem Volk Israel als
Lebensordnung gegeben hatte. Sie konnten seinen Willen für ihr Leben
darin erkennen und sich daran halten. Zudem begabte er einzelne Gestalten
mit seinem Heiligen Geist, die so in bestimmten Situationen Geist geleitet
nach Gottes Anordnung handeln oder reden konnten.
Jesus ist für uns als die anschaulichste
Seite Gottes auf die Erde gekommen. Er hat uns vorgelebt, wie Gott sich
unser Verhältnis zu ihm und untereinander vorgestellt hatte. Bis heute
ist Jesus so anschaulich und die Berichte von ihm in den Evangelien scheinen
oft aus der Bibel herauszuspringen und uns unmittelbar einzubeziehen. Es
geht darum, die verloren gegangenen Einheit mit Gott wieder zu finden und
in der Gemeinde zu leben.
Der Heilige Geist bewegt uns in Gottes Richtung.
Wie einen Strohhalm, der in die Richtung gedreht wird, aus der der Wind
kommt. Er kann den Wind weiterleiten. So verhält es sich mit dem Heiligen
Geist. Er wirkt durch uns in diese Welt, wenn wir uns von ihm auf Gott
ausrichten lassen. Für uns ist der Heilige Geist ein wahrer Segen,
er bringt uns Jesus nahe und führt uns zum Vertrauen in ihn.
Alle drei Aspekte Gottes brauchen wir, um den
Reichtum Gottes auch nur ansatzweise zu erfassen. Dass
wir manchmal mehr von einem Aspekt berührt werden, ändert nichts
daran, dass Gott sich uns als Schöpfer, Erlöser und Befreier
zeigt. Er ist der Schöpfer, der Ja zu uns sagt, der uns zur Gemeinschaft
ruft und uns nach unserem Du, unserem Bruder und unserer Schwester fragt.
Gott ist Jesus, der mich lieb hat trotz meiner Fehler und meines mangelnden
Vertrauens. Er vergibt mir meine Schuld und ermutigt mich zu neuen Schritten
weg von der Schuld. Die Orientierung zu dem neuen Weg gibt er mir, die
Kraft ihn auch wirklich zu gehen, schenkt mir der Heilige Geist. Er lässt
nicht locker mich immer wieder zu erinnern, dass es für mich um ein
Leben geht, dass ich vertun oder zu Gottes Ehre einsetzen kann.
Unser Auftrag aus der Dreieinigkeit
Gottes
An dieser Stelle sollten wir noch einmal innehalten
und Gottes Wirken in unser Leben genauer betrachten. Gott setzt mit seiner
Liebe und seinem Willen, uns in seine Gemeinschaft zu rufen, direkt an
den Schwachstellen an. Vielleicht betrachten wir uns selbst wie einen Eisberg.
Wir schauen uns unsere Schauseite an, die schöne, imposante Spitze,
die sichtbar aus dem Wasser ragt. Doch wir spüren ganz genau, dass
da noch ganz Anderes unter der Wasseroberfläche lauert. Neun Zehntel
von uns sind unseren Mitmenschen verborgen. Und sie gehören eindeutig
nicht alle zu unseren Schokoladenseiten. Gott, der uns geschaffen hat,
kennt sich mit den neun Zehnteln unter der Oberfläche aus. Er weiß
um unsere Macken, unser Wollen und nicht Können, unsere Ungeduld,
unser Temperament, unsere große Klappe oder unser Zaudern. Er sagt
Ja auch zu den neun Zehnteln, aber er will uns aus dem Wasser herausheben.
Seine Werkstatt für unsere Macken ist der Heilige Geist. Der arbeitet
an uns und mit uns. Der will unsere Verletzungen, die aus Zusammenstößen
mit anderen Eisbergen resultieren, heilen, der will uns auf den Kurs Jesu
bringen. Der lässt uns in der Gemeinde gelingende Ich-Du-Beziehungen
erfahren und einüben. Der schenkt uns Gaben, die uns befähigen,
eins zu sein und uns hinzugeben in der Gemeinschaft. Der verleiht unserem
kleinen Eisberg Ausstrahlung, dass andere sich von Gott heilen lassen.
Der macht uns gewiss, dass wir gerettet sind und in Ewigkeit in der Gemeinschaft
mit dem liebenden Gott leben dürfen.
Gott bleibt nicht im Abstand, er ist Liebe und
Liebe ist schöpferisch. Dass wir seine Schöpfung sind, ist Ausdruck
der Freude Gottes und für uns Auftrag, der Freude zu entsprechen und
uns nach ihm auszurichten. Lassen wir Gott an uns wirken, wird er uns in
seinen drei Erscheinungsformen nahe kommen. Da brauchen wir die Lehren
der Kirchenväter gar nicht so genau zu kennen, Gottes Liebe als Schöpfer,
Erlöser in Jesus und Befreier durch seinen Geist wird erfahrbare Realität,
sobald Gott an uns wirkt.
Preis sei Gott, denn Gott hat uns erschaffen
und erschafft uns neu.
Preis sei Gott, denn Gott zeigt uns in Jesus,
was Vaterschaft bedeutet.
Preis sei Gott, denn Gott ruft uns in die Freundschaft
mit sich.
Preis sei Gott, denn Gott hat unzählige
Namen.
Preis sei Gott, denn Gott sagt immer wieder
zu unserem Herzen: "Hab keine Angst!"
(Roberta C. Bondi, Gesangbuch der
EmK S. 119)
Cornelia
Trick
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