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Familiengottesdienst zum Erntedankfest
am 05.10.2003
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
das Passafest stand kurz bevor und viele Juden
strömten nach Jerusalem. Auch Jesus machte sich langsam auf den Weg
dorthin. Unterwegs besuchte er noch einige Orte in Galiläa an der
Grenze zu Samarien. Am Eingang eines Dorfes traf er auf zehn aussätzige
Männer. Sie lärmten mit ihren Schellen und Rasseln, damit jeder
gleich wusste, dass von ihnen Abstand zu halten war. Sie blieben in einiger
Entfernung stehen und riefen: "Jesus! Jesus, hab doch bitte Mitleid mit
uns! Bitte hilf uns! Kannst du uns bitte gesund machen?"
Jesus ging auf sie zu und forderte sie auf: "Geht
zu den Priestern und lasst euch untersuchen!" Die Männer zweifelten
nicht. Obwohl sie noch keinen Beweis dafür hatten, dass sie gesund
geworden waren, marschierten sie los. Auf einmal sagte einer zum anderen:
"Du, deine weißen Flecken sind weg!" "Wirklich?" Er blieb stehen
und betrachtete seine Arme. "Ja, du hast Recht. Und dein Gesicht sieht
auch wieder ganz gesund aus." "Deine Beine auch!" staunte ein Dritter.
Nun betrachteten sie sich gegenseitig und entdeckten,
dass die schlimmen weißen Aussatzflecken tatsächlich verschwunden
waren. Sie konnten es kaum fassen! Jetzt mussten sie nur noch von den Priestern
untersucht werden. Erst wenn die Priester anerkannten, dass die Männer
wieder gesund waren, wurden sie für rein erklärt. Dann durften
die Geheilten wieder am Leben und an Gottesdiensten teilnehmen und ein
ganz normales Leben mit ihrer Familie führen. Nach Lukas 17,11-14
Soweit haben wir diese merkwürdige Begegnung
zwischen Jesus und 10 kranken Menschen jetzt miterlebt. Offensichtlich
erwarteten diese kranken Leute sehr viel von Jesus. Sie sprachen ihn mit
Namen an und dieser Name hatte für sie eine Bedeutung, die sie in
ihrer Sprache verstehen konnten: "Gott hilft". Sie wollten Gott um sein
Erbarmen anrufen. Sie spürten, dass mit Jesus nicht einfach ein neuer
Wunderheiler durch ihre Gegend zog, sondern dass Gott selbst sie aufsuchte
und ihr Leben verändern konnte. Sie selbst waren durch ihre Krankheit
ja von allem abgeschnitten. Sie durften nicht mehr in den Tempel oder zu
gesunden Leuten. Man fürchtete sich anzustecken und ihre Krankheit
galt als Zeichen, dass auch Gott nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollte.
Doch jetzt war die entscheidende Stunde ihres
Lebens gekommen. Sie riefen Jesus herbei und damit Gott, der sich zu ihnen
auf den Weg gemacht hatte. Sie hörten Jesu Weisung und handelten danach.
Sie ließen es sich nicht zweimal sagen und zogen los, ohne Garantie,
dass sich etwas ändern würde. Ja, würde alles beim Alten
bleiben, mussten sie mit gehörigen Schwierigkeiten rechnen. Schließlich
war es ihnen als Aussätzigen ja verboten, mit gesunden Menschen in
Kontakt zu treten.
Aber die zehn Leute vertrauten Jesus - sie hatten
einfach auch keine Wahl mehr. Das Wunder passierte, sie wurden vom Aussatz
befreit und gesund. Hier könnte die Jesus-Begegnung enden. Jesus hatte
mal wieder geheilt, er hatte Gottes Willen für unser Leben durch diese
Heilung zum Ausdruck gebracht. Doch nach diesem Einschnitt ging das Leben
der 10 ja noch weiter. Was haben sie wohl nach diesem wunderbaren Ereignis
als nächstes getan? Ein paar Möglichkeiten möchte ich aufzeigen.
-
Sie organisieren spontan ein gewaltiges Fest. Einer
hat vielleicht Familie und einen großen Bauernhof. Da treffen sie
sich und lassen ein gemästetes Kalb schlachten, füllen die Becher
mit Wein aus den Vorratskellern und laden alle Nachbarn dazu ein. Doch
als die Begeisterung gegen Mitternacht abebbt, denken die 10 an ihren Alltag,
der jetzt auf sie zukommt. Sie müssen sich eine Arbeit suchen. Das
wird nicht einfach, weiß doch jeder von ihrem Karriereknick durch
die Krankheit. Manche kehren in ihre Familien zurück, die Kinder erkennen
sie nach so langen Jahren fast nicht mehr. Der eine hat durch die Krankheit
seine Freundin verloren, er hört jetzt, dass sie inzwischen einen
anderen geheiratet hat. Er wird sehr traurig. Einer ist Witwer geworden.
Dass seine Frau gestorben ist, hat er fernab der Stadt gar nicht mitbekommen.
Auch er ist traurig und weint, am liebsten würde er jetzt auch tot
sein, von Festfreude keine Spur mehr. Bald ist die Luft aus dem fröhlichen
Fest raus, der Morgen tagt und die zehn gehen in den neuen Lebensabschnitt
voller Sorgen und trauriger Gedanken.
-
Die 10 Geheilten rennen sofort auseinander. Sie
waren jetzt lange genug in einer Zwangsgemeinschaft. Sie sind sich in der
Zeit gründlich auf den Wecker gegangen. Sie nutzen die Chance und
drehen einander den Rücken, so schnell es geht. Nach fünf Jahren
treffen sich zwei von ihnen zufällig und beschließen, ein 5-Jahres-Treffen
zu organisieren. Als alle 10 zusammen kommen, erzählen sie sich von
ihren 5 Jahren. Da wurde Ähnliches erzählt wie bei unseren Klassentreffen:
zwei haben eine gescheiterte Ehe hinter sich, einer ist inzwischen beruflich
ganz oben gelandet, zwei haben Familie gegründet und sind ganz zufrieden,
2 haben einfach keine Arbeit mehr gefunden, ihre Krankengeschichte stellte
sie ins Abseits, einer pflegte seine alten Eltern und kümmerte sich
um deren Haus und Hof, zwei wollten einen alternativen Lebensstil beginnen,
gründeten einen Verein für ehemalige Aussätzige und kümmerten
sich um deren Probleme und einer war inzwischen verstorben. Einer von den
noch übrigen 9 fing dann sehr nachdenklich an von damals zu reden,
dem Tag, der eine Lebenswende bedeutete. Alle schauten betreten zu Boden,
sie wollten sich an die grausame Zeit damals lieber nicht erinnern.
-
Nachdem die Geheilten merkten, dass sie beruflich
keine Chance zum Wiedereinstieg hatten, kam ihnen die Idee, eine Werbeagentur
in Sachen "Jesusheilungen" aufzumachen. Sie entwarfen wunderbare Broschüren,
Plakate und Flugblätter, auf denen sie Bilder vorher - nachher zeigten
und Jesu heilende Kräfte priesen. Die Leute nahmen ihnen das Werbematerial
gerne ab. Sie lasen die Heilungsgeschichten der 10 und wollten dann diesen
Jesus auch aufsuchen. Weil der aber irgendwie nicht mehr lange greifbar
war, nahmen sie auch mit seinen Schülern vorlieb. Die Werbefachleute
verdienten gut an diesen Prospekten. Nie kamen sie allerdings auf die Idee,
selbst noch mal zu Jesus zu gehen, wozu auch, sie waren gesund und wollten
seine wertvolle Zeit nicht unnötig beanspruchen.
So ganz weit her geholt sind diese Fortsetzungsgeschichten
sicher nicht, wenn ich mir mein eigenes Leben anschaue. Da erlebe ich Jesus,
wie er sich über meine Not erbarmt, bin glücklich, rufe meine
Freunde zu einem schönen Fest zusammen und schon kommen die dunklen
Schatten der nächsten Herausforderungen. Die Freude währt viel
zu kurz und der Absturz in den Alltag ist umso schmerzlicher.
Manchmal möchte ich aber an die Not auch
gar nicht mehr erinnert werden. Ich gehe gleich zur Tagesordnung über
und will nur vergessen. Jesus hat mir geholfen, o.k., dafür bin ich
natürlich dankbar, aber warum hat er das ganze Elend nicht von vornherein
verhindert?
Ich kann mich auch gut in die Werbefachleute
versetzen. So groß von Gottes Wundern erzählen, das macht Spaß
und es gibt immer dankbare Abnehmer für Wunder aller Art. Nur peinlich,
wenn mich jemand genau kennt, dann sieht er, dass meine Werbekampagne schon
ziemlich alt ist und von meinem Leben nicht gedeckt wird.
Weil alle diese Alternativen nicht befriedigen,
sie letztlich sehr wenig von der eigentlichen Jesus-Begegnung übrig
lassen, möchte ich genau hinschauen, wie es damals in Galiläa
weiterging.
Lukas 17,15-19
Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund
geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder
auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war
ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein
geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder
umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach
zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.
Aus der Menge der 10 löst sich einer, der
einen ganz eigenen Weg geht. Es wird von ihm berichtet, dass er "sah,
dass er gesund geworden war". Dieses Sehen markierte nicht nur ein äußerliches
Feststellen, sondern ein Erkennen mit dem Herzen. Er merkte, hier ist etwas
grundlegend Neues mit mir geschehen, hier hat Gott in mein Leben eingegriffen.
Und deshalb schloss er sich den anderen 9 nicht an, sondern kehrte um zu
Jesus, in dem er Gott erkannte. Jesus zog ihn an, er wusste, wo er jetzt
hingehörte. Der Weg zurück mag für die Passanten eindrücklich
gewesen sein, ein Mann, noch in Lumpen gekleidet, singt und jubelt laut
Lobeslieder auf Gott. Er strahlt Lebensfreude und Glück aus, das ansteckend
wird. Bei Jesus angekommen wirft er sich zu Boden. Er gibt damit zu verstehen,
dass sein ganzes Leben nun Jesus gehört und er sich Jesus hingibt.
Er dankt Jesus, weil er heil geworden ist. Gott ist nicht länger sein
strafendes Gegenüber geblieben, das ihn in die Finsternis und Gottferne
verstoßen hatte, sondern hat ihm die Hand gegeben und ihn als sein
Kind aufgenommen.
Ich möchte von dem einen lernen. Dazu gehört
-
Jesus in meiner Not anzurufen,
-
zu Erkennen, dass er mir geholfen hat,
-
Umzukehren zu ihm,
-
Gott loben und ihm die Ehre geben, ihm damit mein
Leben zur Verfügung stellen.
-
Aus Dankbarkeit für ihn 100% da sein.
-
Heilung erfahren, weil ich Gott vertrauen und mit
ihm in die Zukunft gehen kann.
Besonders wichtig ist mir, dass Gott zu loben nicht
nur ein kurzes Fest am Wege ist, ein Feuerwerk, in das sich schon wieder
die Sorgen von morgen schleichen. Gott zu loben, das ist Lebensaufgabe.
An anderer Stelle sagt Jesus zu einem, er soll nun überall die Gute
Nachricht verkünden, er soll nicht Werbefachmann, sondern Missionar
werden, der mit dem ganzen Sein hinter seiner Mission steht. Ein anderer
wurde in ähnlicher Situation von Jesus aufgefordert, ihm nachzufolgen,
das heißt, immer von seiner Anleitung zu leben und die nächsten
Schritte mit Jesu Hilfe zu gehen. Einer führte ab diesem Zeitpunkt
ein ehrliches Leben und eine stellte Jesus ihr ganzes Vermögen zur
Verfügung und versorgte die Jüngergruppe. Schon in der Bibel
finden sich viele Beispiele, wie 100% Hingabe im einzelnen aussehen konnte.
Viel spannender heute ist die Frage, ob ich bereit
bin, mich aus Freude und Dankbarkeit über meine Heilung Gott ganz
anzuvertrauen und mein Leben von ihm gestalten zu lassen. Und wenn ich
diesen einen dankbaren Mann, der zudem noch ein für die Juden verhasster
Samaritaner war, auf mich wirken lasse, dann merke ich, dass es da noch
ungeahnte Möglichkeiten gibt. Meine Sorgen, die ich bis hierher mitgeschleppt
habe, möchte ich Jesus bearbeiten lassen und gehorsam warten, wann
von ihm her das Signal kommt, die Probleme anzugehen. Mein Geld möchte
ihm vor die Füße legen und unabhängig werden von so vielen
materiellen Wünschen, die doch eigentlich nicht glücklich machen.
Mein Engagement in der Gemeinde möchte ich in dieser Hingabe an Jesus
gestalten, als Ausdruck meines Lobes und meiner Dankbarkeit für seine
vielfältige Heilung, als Zeichen der Freude, dass ich zu ihm gehöre.
Wir feiern heute das Erntedankfest. Natürlich
gilt wie beim Muttertag, dass man nicht nur an einem Tag im Jahr dankbar
sein sollte. Aber das Fest gibt Anlass uns noch einmal zu erinnern, umzukehren
zu den Orten, Stunden und Menschen, an denen und durch die uns Heilung
widerfahren ist. Unser Lob und unsere Bereitschaft, uns Gott zur Verfügung
zu stellen und ihn mit dem ganzen Leben zu ehren, ist die Zielvorgabe,
die uns die Jesus-Begegnung damals an der Grenze zwischen Galiläa
und Samaria macht.
Der letzte Vers des Lukasevangeliums fasst es
so zusammen:
"Sie aber beteten Jesus an, waren allezeit im Haus
Gottes beisammen und priesen Gott."
Cornelia
Trick
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