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Gottesdienst am 20.01.2008
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
neue Mitarbeitende haben
wir gerade in unserem Gottesdienst gesegnet, langjährige Mitarbeitende
sind aus ihrem aktiven Arbeitsfeld ausgeschieden. Ein Einschnitt, der nicht
nur feierlich begangen wird, sondern der uns auch zum Nachdenken führt.
Was bedeutet es, in Jesu Gemeinde gebraucht zu werden? Wie hoch ist der
Einsatz? Was wird erwartet und wo liegt der Anreiz dafür? Diese Fragen
beschäftigen nicht nur im Blick auf die, die jetzt verabschiedet oder
willkommen geheißen wurden, sondern sind Fragen von jedem Christen,
der sich von Gott gerufen weiß. Denn Mitarbeit hängt ja nicht
an Ämtern und Posten, sondern ist Ausdruck eines lebendigen Miteinanders,
das sich im Geben und Nehmen äußert.
Dazu möchte ich Sie
einladen, ein anstößiges Gleichnis Jesu zu hören und zu
bedenken. Siebzig Tage vor Ostern, wie dieser Sonntag heißt, beginnen
wir, den Leidensweg Jesu zu begleiten. Zum heutigen Anfang dieses Pilgerweges
steht als große Überschrift über dem Start "Jesus hat alles
für uns getan."
Lukas 17,7-10
"Stellt euch vor, jemand von
euch hat einen Sklaven und der kommt vom Pflügen oder Schafehüten
nach Hause. Wird er wohl gleich als erstes zu ihm sagen: 'Bitte, komm und
setz dich zu Tisch'? Gewiss nicht! Er wird ihm sagen: 'Mach mir das Essen
fertig, binde dir die Schürze um, und bediene mich bei Tisch! Wenn
ich fertig bin, kannst du auch essen und trinken.' Wird er sich etwa bei
dem Sklaven bedanken, weil der getan hat, was ihm befohlen war? So ist
es auch mit euch. Wenn ihr alles getan habt, was Gott euch befohlen hat,
dann sagt: 'Wir sind Diener, weiter nichts; wir haben nur getan, was uns
aufgetragen war.'"
Auf den ersten Blick irritiert
dieses Gleichnis. Soll der Knecht bis zur Erschöpfung dienen? Bedient
sich der Arbeitgeber wie selbstverständlich seiner Sklaven? Ist jede
Form von Echo, also Dank, ausgeschlossen? Gibt es jemals einen Zeitpunkt,
an dem "alles getan" ist?
Diese Punkte können
den Blick leicht vom Wesentlichen ablenken, zumal dann, wenn wir an diesem
Bild vom Sklavenhalter und Sklaven festhalten, das für uns eindeutig
negativ besetzt ist. Doch halten wir uns vor Augen, dass Jesus mit diesem
Gleichnis eine ganz normale Arbeitssituation getroffen hatte, die zu seiner
Zeit üblich war. Jesus Knüpfte damals an den Alltag der Menschen
an. Wir haben daher die Aufgabe, dieses Arbeitsverhältnis mit unserem
Erfahrungshorizont auszudrücken. Die Volxbibel spricht von einer Putzhilfe
und einem Arbeitgeber, vielleicht ist das ein zutreffendes Bild für
heute.
So kommen wir zu den Kernaussagen
des Gleichnisses, die Jesus uns heute zu sagen hat:
-
Der Bauer ist Gott, der Sklave
ist Nachfolger Jesu, ein Christ in der Gemeinde.
-
Im Gleichnis geht es um die
Gottesbeziehung des Christen.
-
Die Hierarchie ist klar abgegrenzt:
Sklaven und Sklavinnen tun die aufgetragene Arbeit, die anfällt, über
Arbeitszeiten und Entlohnung wird nicht verhandelt
So lassen sich Schlussfolgerungen
für uns ziehen:
-
Die Beziehung zu Gott ist
immer da, Tag und Nacht. Je mehr wir ihn in unser Leben hineinlassen, desto
mehr wird er uns zu den Aufgaben schicken, die von ihm her dran sind. Das
kann zur Folge haben, dass sich unser Berufsleben, unser Beziehungsumfeld,
unsere Lebensausrichtung drastisch ändern.
-
Gott ist kein anonymer Arbeitgeber,
sondern wie der Bauer auf seinem Hof immer mit dabei. Von den Äußerungen
Jesu her wissen wir, dass es eine ganz besondere Ehre ist, in seinem Unternehmen
mitarbeiten zu dürfen. Jede Mitarbeit hat direkte Auswirkungen auf
uns selbst - wir wissen uns am genau richtigen Platz, an den wir hingehören.
-
Christen bekommen von Gott
Aufgaben, die er bestimmt. Wer diese Aufgaben tut, erwirbt sich bei Gott
keine Treuepunkte, kein Guthabenkonto. Denn niemals werden wir "alles getan"
haben, das hat allein Jesus für uns getan. Unser Guthabenkonto ist
Jesus, von dem wir leben und auf den wir angewiesen bleiben.
Der Dienst im Reich Gottes
trägt bestimmte Kennzeichen:
-
Wer für Gott da sein
möchte, wie Gott für uns da ist, ist angewiesen auf seine Anweisung
und seinen Auftrag. An erster Stelle ist hier das Gebetsleben zu nennen.
Als die ganze Gemeinde vor zwei Monaten befragt wurde, wie sie die Besetzung
des Leitungsgremiums unserer Gemeinde wünscht, kam eine Rückmeldung,
die uns im Auswertungsteam sehr nachdenklich machte: "Ich bin mit allen
Personen einverstanden, wenn sie sich aktiv und ausdauernd am Gemeindegebet
beteiligen und zuerst das Gebet vor dem Streit um Sachthemen suchen." Wer
mitarbeitet, braucht die Anweisung von Gott. Nicht die eigenen Wünsche
oder Defizite sollen uns antreiben, nicht das Starren auf einen Lohn im
Himmel, sondern Gottes Willen. Aus dem Gebet folgt die klare Prioritätensetzung,
dass der Blick zuerst auf die Gemeinschaft gerichtet ist. Was braucht die
Gemeinde von mir? Wo fehlt ihr mein konkreter Beitrag? Wo kann sie mit
meinem Beitrag wachsen? Wir reden hier nicht unbedingt über leitende
Funktionen, Soloposaunistinnen oder ausgebildete Sozialpädagogen.
Sondern wir reden über den Herrn A, der die Stühle schleppt,
Frau B, die jemand zur Kirche abholt und heimbringt, die Jugendliche C,
die sich nach dem Gottesdienst zu den Kindern setzt, weil sie merkt, dass
sie einen Draht zu ihnen hat.
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Jesus bevorzugt Mitarbeitende,
die treu sind. In diesem Gleichnis wie in manchen anderen geht es darum,
dass die Sklaven ihren Dienst treu, das heißt zuverlässig, vertrauenswürdig
und beständig tun. Ob sie dabei viel oder wenig Erfolg haben, ist
zweitrangig. Ob sie überhaupt den Hof des Bauern voranbringen, wird
auch nicht gesagt. Sie handeln einfach, der Bauer kann sich auf sie verlassen.
Treue ist ein Thema für Christen. Denn sie bauen auf Gott, der ihnen
ihre unverbrüchliche Treue durch Jesus zugesprochen hat. Gottes Treue
findet ihr Echo in der Treue des Lebenswandels jedes einzelnen Christen.
Dieser Lebenswandel ist umfassend wie der Tagesablauf des Sklaven auf dem
Hof des Bauern. Es gibt keine Auszeiten für Treue, Feierabende, an
denen die Treue Gottes und die Treue seiner Kinder außer Kraft gesetzt
werden. Als Vergleich ist mir dazu ein Sudoku-Rätsel eingefallen.
Das würde ich mit Ihnen jetzt gerne vervollständigen. Keine Angst,
es wird keine Mathe-Knobelei daraus, sondern eine Treueübung.
Treue im Kleinen
Das klassische Sudoku-Rätsel
besteht aus 9 Kästchen, die wiederum in 9 kleine Kästchen aufgegliedert
sind. In allen 9 großen Kästchen müssen die Zahlen 1-9
vorkommen. Auch
die Quer- und Längszeilen müssen die Ziffern 1-9 enthalten. Um
ein Sudoku fertig zu stellen, müssen die vorgegebenen Zahlen so vervollständigt
werden, dass sowohl in den 9 großen Kästchen als auch bei jeder
Längs- und Querzeile 1-9 auftauchen. Das Sudoku-Rätsel ist für
mich ein Bild für Treue, weil es eben nicht reicht, nur in einem Kästchen
alle Zahlen vollständig zu haben. Es reicht nicht, Treue nur in einem
Lebenssektor zu leben und die anderen unvollständig zu lassen. Ein
Christ kann nicht sagen: Ja, in der Gemeinde bin ich zuverlässig,
aber in meiner Ehe mache ich, was ich will. Genauso wenig wie er sagen
kann: In meiner Ehe bin ich vertrauenswürdig, aber am Arbeitsplatz
lasse ich alles mitgehen, was nicht angebunden ist. Treue erweist sich
im Kleinen und ist in allen Lebensgebieten nötig, wie die Sklaven
auf dem Hof des Bauern im Stall zuverlässig arbeiteten, aber auch
bei Tisch das Essen servierten. Ich habe 9 Schwerpunkte gefunden, wo es
gilt, Treue ganzheitlich zu leben.
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Versprechen halten: Versprechen
zu halten erfordert Ehrlichkeit. Unser Problem ist oft nicht, dass wir
wirklich unzuverlässig sind und Absprachen vergessen, sondern dass
wir uns darum herum winden, klar und deutlich nein zu sagen. Ein Nein tut
weh, es markiert Grenzen und kann vor den Kopf stoßen. Aber es bewahrt
uns davor, Versprechen abzugeben, die wir sowieso nie halten werden. Die
Redewendung "Ich lass mal was von mir hören", nehmen wir sie noch
ernst? Ist es nicht eher ein galanter Abgang, wenn wir ein Gespräch
beenden wollen? Und werden auch manche Zusagen zur Mitarbeit auf diesem
Niveau gemacht? "Ja, ich kümmere mich drum", aber eigentlich geschieht
gar nichts? Nehmen wir uns selbst ernst, wenn wir so etwas sagen? Nehmen
wir einander noch ernst? Es lohnt sich sicher, einen Tag wachsam zu sein,
wie wir mit Versprechen umgehen, ob hinter ihnen die Treue Gottes zu uns
durchleuchten kann.
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Die Ehe wertschätzen:
Bei Treue denken wir vielleicht sofort an die eheliche Treue. Zeichen der
Untreue ist der Seitensprung. Aber beginnt er nicht schon viel früher,
wo ich für meinen Ehemann nicht mehr zuverlässig da bin? Wo er
mit seinen Themen bei mir nicht landen kann? Wo ich ihm meine Solidarität
zusichere, sie aber nicht halte? Wo ich ihn wieder und wieder warten lasse
vor Kaufhäusern, zu Hause und wo immer? Ist das nicht schon Untreue,
die beweist: Du bist mir nicht so wichtig wie ...?
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Begabungen einsetzen: Begabungen
sind wunderbar, noch wunderbarer sind sie, wenn sie mit Treue verbunden
sind. Ein Solotrompeter ist für jeden Posaunenchor ein umschwärmtes
Mitglied. Ab sofort werden nur noch Stücke mit Solotrompetenstimme
geübt, die über allen schwebt. Wenn aber das Mitglied nur unregelmäßig
im Chor auftaucht, vielleicht sogar nur zur Übungsstunde kommt, nicht
aber beim Auftritt, wird der Posaunenchor leider "nicht zum Fliegen kommen".
Wenn alle übrigen Mitglieder nur unregelmäßig kommen, unregelmäßig
üben und keine Verbindlichkeit füreinander haben, ist der Chor
bald schon zum Scheitern verurteilt. Die Begabungen der einzelnen mögen
da sein, aber durch fehlende Treue wird kein Gemeinsames entstehen, stattdessen
viel Frust und Ärger. Wie anders, wenn alle ihre Begabungen zuverlässig
leben, verbindlich üben, jede Woche weiterkommen. Ein Chor wird bald
über sich selbst hinauswachsen können.
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Zeit für Gott einsetzen:
Verbindlich für Gott da sein, hat mit Zeit zu tun. Es ist die Viertel-
oder Halbestunde täglich, der Sonntag Vormittag, ein Hauskreis, eine
Gemeindegruppe, ein Dienst an den Menschen in Jesu Namen. Zeit für
Gott einzusetzen ist nichts Zusätzliches, das auch noch Raum braucht,
sondern ein Konto, das sich vermehrt. Jede Minute in Gottes Gegenwart macht
uns stark für den Alltag und lässt uns den Weg finden, den wir
an diesem Tag gehen sollen.
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Geld: Gerade auch das Themenfeld
Geld leidet ein bisschen darunter, dass es oft nicht so angebunden ist
an unser Gottesverhältnis. Manche leben in der Illusion, dass sie
viel geben. Sie sind Spontan-Geber. Wenn sie etwas Tolles erlebt haben,
geben sich Gott eine Belohnung dafür. In der Erinnerung ist das viel,
im Verhältnis zu den vielen normalen Erfahrungen, für die sie
Gott nicht belohnen, ist es oft eher wenig. Treue im Geld bedeutet, ihm
geplant und regelmäßig den zehnten Teil des Einkommens zur Verfügung
zu stellen. Denn Gott gehört unser Geld ganz, er ist unser Chef, er
kann den Geldhahn auch sehr schnell für uns zudrehen. Er wartet nicht
auf Belohnungen von uns, sondern auf unser Echo auf seine Güte.
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Treue in Freundschaften: Haben
Sie fünf Freunde, denen sie zutrauen, dass sie Ihnen zuverlässig
in jeder Lebenslage helfen? Wen würden Sie in Katastrophen bitten?
Vielleicht fallen Ihnen die fünf Leute schnell ein. Aber fallen Ihnen
auch 5 Leute ein, die bei Ihnen fragen würden, wenn sie akut Hilfe
brauchen? Sind Sie selbst für Ihre Freunde zuverlässig und treu?
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Treue am Arbeitsplatz: Wie
verhält es sich mit dem Arbeitsplatz? Wie gehen Sie mit den Büromaterialien
um, die Ihrem Arbeitgeber gehören? Wie gehen Sie mit den Päuschen
um, können Ihre Kollegen erkennen, dass Sie ein durch und durch zuverlässiger
Mensch sind?
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Treue in der Gemeinde: Natürlich
ist das heute ein Schwerpunktthema. Theoretisch wissen die meisten, was
es mit Zuverlässigkeit in der Gemeinde auf sich hat. Dass es Sinn
macht, sich verbindlich einer Gemeinde anzuschließen, in ihr zu leben,
mit ihr durch Höhen und Tiefen zu gehen. Nur so kann Lernen geschehen,
Wachstum und Veränderung. Stellen wir uns mal einen Schüler vor,
der zwar auf eine bestimmte Schule gehen möchte, aber sich in keine
konkrete Klasse eingliedern lässt. Er wird immer nur die Freistunden
der einzelnen Klassen besuchen, um sich dem Lerndruck möglichst zu
entziehen. Oder der Lehrer, der zwar Lehrer sein will, sich aber keiner
Schule zuordnen lässt, weil er es situativ selbst entscheiden will.
Er kann 20008 durch Deutschland ziehen und sich nacheinander in jedem Bundesland
die Ferientermine aussuchen, dann braucht er fast nicht mehr zu unterrichten.
Ist das Treue zu seiner Berufung als Lehrer?
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Das letzte Kästchen ist
ohne Überschrift. Es ist das persönliche Kästchen, in das
jede und jeder das Thema eintragen kann, wo es bei ihr oder ihm noch nachzubessern
gibt. Denn nur wenn alle Kästchen von Treue durchdrungen sind, ist
ein Leben so, wie Jesus es will.
Wir sind treue Diener unseres
Herrn - sonst nichts. Ist das nicht sehr viel? Jesus, der alles für
uns getan hat, der für uns gestorben ist, damit wir aus dem Lohnverhältnis
zu Gott herauskommen, wird uns die Kraft geben, in unserem ganzen Leben
Gott treu zu sein. Wir allein schaffen es nicht, aber er wird uns dazu
anleiten. Er wird sich über seine Gemeinde freuen, wo wir auf den
himmlischen Vater hören und das tun, was er wirklich von uns will.
Seine Freude wird auch unsere Freude sein.
Cornelia
Trick
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