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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Jesus gab seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern eine ganz ähnliche Lebenshilfe mit. Er riet ihnen, das Leben zu vereinfachen, indem sie sich auf das konzentrieren sollten, was wirklich wichtig ist. Bevor er ihnen etwas von den konkreten Hilfen zum Leben weitergab, stellte er ihnen eine Art von Programm vor, das ihnen Mut und Appetit auf das Folgende machen sollte. Er erzählte ihnen, wer in Gottes und seinen Augen glücklich zu nennen ist. Glücklich ist, wer alles von Gott erwartet, weil er selbst nichts vorzuweisen hat oder nichts vorweisen will. Glücklich ist, wer Trost von Gott und seinem Geist empfängt. Und Jesus fährt fort: Matthäus 5,5+8-9 Sanftmütig zu sein hat verschiedene Bedeutungsvarianten. Ursprünglich sind im alten Israel damit die Armen, Elenden gemeint gewesen, die auf Grund ihres Glaubens sich nicht auf Kosten anderer bereicherten, aber ihrerseits unter den Großgrundbesitzern leiden mussten. Sie wehrten sich nicht, sondern ertrugen ihr Leid in der Hoffnung, dass Gott selbst Recht sprechen würde und sie von ihm ihren Lohn bekämen. Jesus selbst nannte sich sanftmütig. Er lud die Verzweifelten, Mühseligen und Beladenen zu sich ein, um ihnen Hoffnung zu geben. Als einer, der ohne Gewalt und in der Demut vor Gott sein eigenes Leid auf sich nahm, war er qualifiziert, das Leid der anderen zu tragen. Jesus nennt die Sanftmütigen glücklich, weil sie auf Gewalt verzichten. Er bestimmt die Sanftmütigen in der 7. Glücklich-Preisung näher als die, die ein reines Herz haben und Frieden aktiv voran bringen. Sanftmut als eine Eigenschaft, die hilft, das Leid zu tragen, hat ihre Quelle in einem reinen Herzen und findet ihre Entfaltung im aktiven Friedenstiften, den Schritten hin zu einem Frieden, der Gewalt überwindet. Die zwei Ventile: Krieg und Frieden Bestechend ist dieser Gedanke schon. Mit unserem Willen beeinflussen wir diese Ventile und damit unsere Gedankenwelt und unser Handeln. Dem Krieg wird die Grundlage entzogen, wenn wir nur noch zum Frieden beitragen. Doch können wir das auch nur einen Tag durchhalten? Ist es nicht eher so, dass das Ventil "Krieg" zwar zu ist, aber sich dahinter jede Menge kriegerisches Material aufstaut? Wenn der Druck sich ständig erhöht, wird es unweigerlich zu einer Explosion kommen. Die Gedanken der Rache, des Hasses, der Vergeltung werden wie eine Flut aus uns herausströmen. Da hat sich die Mutter vorgenommen, in dieser Woche ihren Kindern wirklich gewaltlos zu begegnen. Sie sperrt ihr Kriegsventil zu. Doch die kleinen Provokationen häufen sich. Bald ist sie an dem Punkt, wieder einmal die Beherrschung zu verlieren. Sie erhebt ihre Stimme, wird viel lauter als bei diesem kleinen Zwischenfall nötig, verweist das Kind in sein Zimmer. Nun, die Hand ist ihr nicht ausgerutscht. Aber den Zwangsaufenthalt im Kinderzimmer erlebt das Kind auch als Gewalt. Die Mutter ärgert sich. Statt ihr Leben zu vereinfachen, muss sie sich jetzt wieder mit ihrem Kind aussöhnen, zerstörtes Vertrauen zurück gewinnen. Und das Friedensventil? Das war die ganze Zeit offen. Aber so viel Friedliches war eben gerade nicht in der Frau. Der Frieden floss am Anfang der Woche noch recht reichlich, doch der Strom wurde zum Rinnsal und verebbte schließlich ganz. So einfach kann also Glücklichsein doch nicht sein. Nur durch Zu- und Aufdrehen der entsprechenden Ventile ist das Leben nicht zu meistern. Im Depot selbst muss etwas anders werden, von dem her die Ventile den Saft bekommen. Und genau an diesem Depot setzt Jesus an. Er ist der Sanftmütige, der zu uns sagt, dass wir uns ihm anvertrauen können. Er will in unserem Inneren wirken, dass die Ursache für den inneren Unfrieden behoben wird. Er will uns seinen Heiligen Geist schenken, dass der Zustrom an Gedanken des Friedens nicht aufhört und wir von ihm Nachschub bekommen. 1. Schritt: Den Tank reinigen Zuerst widmet er sich unserem Verhältnis zu Gott. Und er fragt: "Bist du ein Fassadenchrist? Hältst du dich äußerlich an die christliche Lebensweise, aber innerlich bist du weit davon entfernt? Redest du gerne über andere, wie sie sich deiner Meinung nach verhalten sollten, aber selbst willst du lieber nicht über dein Verhalten nachdenken? Bist du sehr bestrebt, dein wahres Ich vor den anderen zu verbergen, weil sie dann sehen würden, dass du selbst sehr verzweifelt und hoffnungslos bist? Ertappst du dich dabei, vor den Konsequenzen des Glaubens auszuweichen? In der Not hältst du dich an Strohhalmen lieber fest als an einer Verheißung Gottes?" "Oder bist du ein enttäuschter Christ? Du hattest dir von deinem Glauben so viel versprochen. Alles sollte anders werden. Doch daraus ist nichts geworden. Die Verhältnisse, in denen du lebst, sind dieselben geblieben. Schwerwiegende Probleme kamen sogar noch dazu. Nein, der Glaube hat sich nicht ausgezahlt. Du bist mit Gott nicht im Reinen. Statt Glück staut sich Frust in dir auf." "Oder bist du ein enttäuschender Christ, der immer und immer wieder andere verletzt, in seine Fehler zurückfällt und einfach nicht die Kurve zur Veränderung bekommt? Bist du einer oder eine von der Sorte, die ständig Geschenke aus Wiedergutmachungsgründen macht, und genau weiß, dass Gott von ihr anderes erwartet?" "Dann", so könnte Jesus mit uns reden, "widme dich nicht länger dem Fassadenbau, sondern tue etwas für dich selbst. Bring dein Verhältnis mit Gott in Ordnung, lass ihn an dich heran und wirken." An dieser Stelle setzt Jesus an, er will uns helfen, die Quelle für Sanftmut und Frieden zu reinigen, damit sie wieder wie neu sprudeln kann. Er ermutigt uns, mit Gott ins Reine zu kommen. Das geschieht bei den einen ganz plötzlich, doch ich behaupte, bei den meisten ist es ein lebenslanger Prozess. Wege dazu sind das persönliche Gebet, eine Auszeit vom normalen Alltag, ein guter Freund oder eine Freundin, die zuhört und Erfahrung hat, eine Beichte abzunehmen. 2. Schritt: Mich selbst in neuem Licht sehen Und nun zeigt Gott mir, wer ich mit seinen Augen sein kann, wie er mich geschaffen hat und welche Aufgaben er mir hier auf der Erde zugedacht hat. Ich lerne, dass ich mit seinem Blick viel barmherziger auf mich schauen kann. Ich muss nicht die Superschülerin, die Vorzeigetochter, die ständig bereite Freundin sein. Aber ich kann die sein, zu der Gott mich berufen hat. Viele innere Spannungen fallen dadurch weg. Ich werde zufrieden mit mir, darf mich versöhnen mit meinen Schwächen und die Stärken ausprobieren. Ich muss nicht der Liebe anderer hinterher rennen, denn Gottes Liebe ist mir sicher. 3. Schritt: Meine Umgebung neu wahrnehmen Für mich persönlich bedeutet dabei Frieden zu stiften, Verletzungen heilen zu lassen und Beziehungen zu ermöglichen. Ich erlebe wirklich das größte Glücksgefühl, wenn jemand diesen tiefen Frieden Gottes wieder neu empfinden kann und sein Inneres mit allen Wunden heilt. Jesus selbst hat uns klare Anweisungen gegeben, wie wir als Sanftmütige leben sollen: die andere Wange hinhalten, wenn mein Gegenüber mich geschlagen hat, statt dem erzwungenen einen Kilometer den nächsten freiwillig mitgehen und das Gepäck auf dem Weg schleppen, das Nachtquartier hergeben, wenn der andere nur einen Stuhl zum Ausruhen verlangt. Solche Haltungen sind nur möglich, wenn Gottes Geist uns die Kraft dazu schenkt. 4. Schritt: Der Verheißung trauen Die voller Wut, Rache, Hass ihr Kriegsventil nicht abstellen können, werden nicht überleben. Sie werden an den Folgen ihres Hasses zu Grunde gehen. Die aus Gottes Frieden leben, werden ein Stück Himmelreich schon auf dieser Erde gestalten können. Dieses Stück Himmelreich auf Erden hat Jesus für seine Gemeinde reserviert. Sie ist der Ort, wo Glücklich-Sein eingeübt und praktiziert werden kann. Im Gottesdienst will Jesus uns begegnen und seine Diagnose stellen, uns helfen, dass wir wieder Klarheit bekommen und die Quelle sprudeln kann. In unseren Gruppen und Hauskreisen stellen wir uns gegenseitig Fragen, die hinter die Fassade schauen lassen. Wir ermutigen uns, in den Aufs und Abs des Alltags alles von Gott zu erwarten und ihm Platz zum Wirken einzuräumen. Auch in den Konflikten ist die Gemeinde Übungsfeld der Sanftmütigen. Stellen wir uns verletzt ins Abseits oder finden wir einen kreativen Weg der Versöhnung? Halten wir in der Gemeinschaft der Söhne und Töchter unsere Wange hin, wenn wir geschlagen werden? Gemeinde als Ort der Gegenwart Jesu muss sich auch darin bewähren, in den Meinungsverschiedenheiten und Verletzungen zusammen zu bleiben und sich der heilenden Kraft des Heiligen Geistes anzuvertrauen. Jesus ist der Sanftmütige und Friedensstifter, der unsere Seele reinigt. Nur mit ihm haben wir eine Chance, unser Leben wirklich zu vereinfachen. Denn er heilt unser Innenleben, dass der Druck auf das Ventil "Krieg" nachlässt und der Friede auf lange Sicht Nachschub bekommt. Matthäus 5,8
Cornelia
Trick
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