Wenn
ich aus dem Fenster schaue, sehe ich auf den Dächern der Nachbarhäuser
viele Satellitenschüsseln. Die Satellitenschüssel verbindet mit
der Welt. Man kann im bequemen Fernsehsessel sitzen und doch mittendrin
sein in den Geschehnissen rund um den Globus. Ich sehe meine Nachbarn selten.
Sie gehen morgens zur Arbeit und abends nach Hause, sie kaufen im Einkaufszentrum
ein und schließen abends ihre Rollläden. Eigentlich schade,
nichts kommt bei mir an von dem, was sie via Satellitenschüssel Tag
für Tag empfangen. Vielleicht ist die Satellitenschüssel ein
gutes Bild für unsere Antenne zu Gott. In dieser Beziehung bin ich
auch mit einer Satellitenschüssel ausgestattet. Rund um die Uhr steht
Gott für mich bereit, versorgt mich mit aktuellem Wetter- und Straßenzustandsbericht
für mein Leben, bringt mir die spannendsten Geschichten ins Haus und
ist durchaus nicht aufdringlich. Wenn ich nicht auf Empfang bin, dann drängt
er mir sein Programm nicht auf. Andere können die Schüssel sogar
sehen, wenn ich mich Sonntag Morgen zu nachtschlafender Zeit auf den Weg
zur Kirche mache. Doch welche Auswirkungen hat diese Satellitenschüssel
auf meine Umgebung? Wirkt
sie so wie bei meinen Nachbarn, von denen ich nichts höre und sehe?
Bleibe ich allein mit der guten Nachricht von Jesus Christus, ohne davon
weiterzusagen? Mache ich meine Rollläden dicht, damit nur ja niemand
etwas von meinem Glauben merkt? Ich meine, dass Jesus das anders sieht.
Er ist Menschen auf seinen Wanderungen durch Galiläa und Judäa
sehr persönlich begegnet. Er war draußen bei ihnen und stand
bereit, jederzeit den Kontakt zu Gott herzustellen. So ist er uns auch
heute nahe, er gibt uns Hilfen für unser Leben, er stattet uns aus
mit Liebe, Zuversicht und Kraft. Das drängt nach außen, sprengt
unsere Mauern, öffnet verschlossene Türen und sucht sich Wege
zu den Menschen um uns herum. Auch als Gemeinde stehen wir in der Gefahr,
die Satellitenschüssel auf unserem Kirchendach nur für uns zu
nutzen und damit unter uns zu bleiben. Aber Jesus fordert uns auf, mit
dieser guten Nachricht hinauszugehen und uns sichtbar in unserer Umgebung
werden zu lassen. Dabei geht es nicht um die großen Open-Air-Festivals
mit viel Aufwand, wo wir doch wieder im sicheren Abstand von anderen auf
der Bühne stehen. Es geht um eine ganz persönliche Haltung, mit
der wir unseren Nächsten begegnen, eine Offenheit für sie und
ihr Leben, eine Anteilnahme an ihrem Ergehen, ihrer Freude und ihrer Not.
Vor Weihnachten organisierte ein Bläser unseres Posaunenchores ein
Ständchen bei seinem todkranken Freund. Es war ein kleines Zeichen
der Liebe, die diesen Mann tief berührt und gewiss gemacht hat, er
ist in den letzten Stunden nicht allein. Wir alle beteten für ihn
und mit ihm, dass er getrost sein Leben Gott anvertrauen und die Reise
in die Ewigkeit antreten konnte. Mit Jesus sind wir auf Empfang und gleichzeitig
auf Sendung. Kein bequemer Fernsehsessel sollte uns zum Verweilen einladen.
Besser wären sauber geputzte Fenster, die uns die Aufgaben vor Ort
sehen lassen und uns nach draußen rufen.
Cornelia
Trick
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