Pfingsten für uns (Apostelgeschichte 10,11-16+44-48)
Gottesdienst am 15.5.2016 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
Pfingsten feiern wir Geburtstag. Der Heilige Geist hat die Gemeinde ins Leben gerufen. Menschen aus unterschiedlichen Familien und kulturellen Hintergründen sind nun an die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist angeschlossen. Sie sind mit Gott verbunden wie mit einem Kabel, durch das Strom vom Kraftwerk in die Glühbirne fließt. 

Beim ersten Pfingstfest in Jerusalem wurden aus ängstlichen Jüngern mutige Zeugen für Jesus. Mit ihnen wurden 3000 Leute berührt, die durch diesen Impuls des Heiligen Geistes sich taufen ließen und ihrem Leben eine neue Richtung gaben. Jerusalem war das Zentrum der Pfingstbewegung, und von dort ging das Wirken des Geistes weiter zu anderen Menschen in anderen Städten und Gegenden. Zunächst gingen die Apostel zu den jüdischen Gemeinden. Dort erzählten sie von Jesus und luden Juden in die Gemeinschaft mit Jesus ein. Die Mauer zu den Nichtjuden war hoch. Schließlich durften Juden keinen engen Kontakt zu ihnen pflegen, auch nicht mit ihnen essen. Die Sorge, sich bei Nichtjuden durch deren Kulte zu verunreinigen und nicht mehr zum heiligen und reinen Gott Israels zu passen, war groß.

Die Bibel berichtet somit von einem zweiten Pfingstfest, dem Pfingsten, als die Heiden an den Geist Jesu angeschlossen wurden.

Kornelius in Cäsarea

Kornelius war Hauptmann der römischen Besatzungsmacht. Er ist an seinem Stationierungsort mit dem jüdischen Glauben in Kontakt gekommen und wurde davon angesprochen. Er wuchs in die Gebetszeiten hinein und engagierte sich sozial in der jüdischen Gemeinde. Anders als er es von den römischen Göttern kannte lernte er Gott als einen sich den Menschen zuwendenden Gott kennen, der das Wohl seiner Geschöpfe im Auge hatte und für sie da war. Für Kornelius mag das bedeutet haben, hier Geborgenheit, Befreiung aus Lebensängsten und einen Sinn für sein Leben zu finden.

Durch diese langsame Annährung an den jüdischen Glauben wurde er vorbereitet für Gottes nächsten Schritt. Ein Engel erschien ihm und  forderte ihn auf, einen völlig unbekannten Mann namens Petrus aus Joppe holen zu lassen, was eine Tagesreise entfernt von Cäsarea war.

Petrus in Joppe

Petrus hatte Pfingsten schon erlebt. Er wusste sich von Jesus zum Missionar berufen, der anderen die Gute Nachricht von einem Leben mit Gott weitersagen sollte. Nun war er zu Gast bei dem Gerber Simon, einem Mann, der schon wegen seines Handwerks – dem Arbeiten mit Tierhäuten – eigentlich von Juden gemieden wurde, die sich nicht verunreinigen wollten. Doch Petrus hatte diese Mauer schon übersprungen, denn Jesus sagte einmal, nicht Tierhäute, sondern was aus einem lieblosen Herzen kommt, macht unrein. Petrus saß bei Simon auf der Dachterrasse und wartete aufs Mittagessen, da erschien plötzlich ein Bild vor ihm:

Apostelgeschichte 10,11-16

Er sah den Himmel geöffnet und es kam daraus etwas auf die Erde herab, das sah aus wie ein großes Tuch, das an vier Ecken gehalten wird. Darin befanden sich alle Arten von vierfüßigen Tieren, Kriechtieren und Vögeln. Eine Stimme rief: »Auf, Petrus, schlachte und iss!« Aber Petrus antwortete: »Auf keinen Fall, Herr! Noch nie habe ich etwas Verbotenes oder Unreines gegessen.« Doch die Stimme forderte ihn ein zweites Mal auf und sagte: »Was Gott für rein erklärt hat, das erkläre du nicht für unrein!« Und noch ein drittes Mal erging an Petrus dieselbe Aufforderung. Gleich danach wurde das Tuch samt Inhalt wieder in den Himmel hinaufgehoben.

Petrus versteht die Vision nicht sofort. Er soll unreine Tiere schlachten und essen? Er erhält hier eine Unterrichtsstunde auf dem Dach. Seine Mission soll auch die nächste Mauer überspringen und zu den Heiden gehen. Die unreinen Völker erklärt Jesus für rein. Auch für sie ist er gestorben. So gibt es keinen Grund mehr, warum Petrus sich von Nichtjuden fernhalten soll.

Die Boten von Kornelius

Drei Leute hatte Kornelius zu Petrus geschickt. Sie standen jetzt vor Simons Tür. Und Petrus versteht: Gott hatte ihn mit der Vision vorbereitet auf diesen Besuch. So setzt er das eben Gelernte sofort um und isst mit den Besuchern gemeinsam. Am nächsten Tag bricht er, begleitet von sechs Leuten der dortigen Gemeinde, mit den Boten auf und geht zu Kornelius.

Petrus und Kornelius

Kornelius hat unterdessen seine Verwandten und Freunde eingeladen, weil er erwartet, dass Gott nun etwas Umwälzendes tun wird. Er ist sich ganz sicher, dass auch für die anderen etwas Wichtiges geschehen wird. 

Petrus erreicht das Haus des Kornelius, und beide erzählen sich, wie Gott sie auf den Weg zueinander geschickt hat. Petrus sieht die vielen Menschen im Wohnzimmer und fängt gleich an, von Jesus zu erzählen. 

Apostelgeschichte 10,44-48

Petrus hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da kam der Heilige Geist auf alle herab, die bei Kornelius versammelt waren und die Botschaft hörten. Die Christen jüdischer Herkunft, die mit Petrus aus Joppe gekommen waren, gerieten außer sich vor Staunen, dass Gott nun auch über die Nichtjuden seinen Geist ausgegossen hatte. Sie hörten nämlich, wie die Versammelten in unbekannten Sprachen redeten und Gott priesen. Darauf sagte Petrus zu seinen Begleitern:  »Diese Leute haben genau wie wir den Heiligen Geist empfangen. Wer kann ihnen da noch die Taufe verweigern?« Und er befahl, sie im Namen von Jesus Christus zu taufen. Danach baten sie ihn, noch ein paar Tage bei ihnen zu bleiben.

Petrus handelt wie ein Kabelträger, der hilft, dass das Kabel den Weg in die Steckdose findet, um den Strom fließen zu lassen. Er kann in diesem Wohnzimmer nicht machen, dass die Leute ihr Leben Jesus anvertrauen. Aber er kann ihnen den Weg zu Jesus weisen. Dass sie Jesus dann wirklich erfahren und sich taufen lassen, bewirkt der Heilige Geist selbst. So entsteht im Wohnzimmer des Kornelius die erste nichtjüdische Gemeinde. Petrus darf Geburtshelfer sein, der Heilige Geist ruft diese Menschen in ein Leben mit Jesus. Die Auswirkungen sind sogleich spürbar. Eine große Freude durchdringt die Gemeinde, und durch die Taufe lassen sich die Menschen in die große Gemeinde Jesu eingliedern.

Epilog

Die Urgemeinde in Jerusalem erfährt von der Gemeindeneugründung in Cäsarea. Man kann nicht nachvollziehen, dass Petrus zu Heiden gegangen ist. Petrus wird herbeizitiert und erzählt von seinen Erlebnissen. Gott, so berichtet er, hat den Nichtjuden das gleiche Geschenk gegeben, das er zuvor den Juden gemacht hatte. Petrus konnte sich dem Wirken des Heiligen Geistes doch nicht in den Weg stellen. Er war Kabelträger und Geburtshelfer für diesen Schritt Jesu hinaus in die Welt. Alle wussten um den Auftrag, den Jesus ihnen bei seiner Himmelfahrt gegeben hatte: Geht hinaus in alle Welt! Aber dieses Wissen war bis jetzt theoretisch gewesen, jetzt erst konnten sie die Lektion richtig mit dem Herzen lernen.

Pfingsten für uns

Petrus und Kornelius stehen nicht nur für Juden und Heiden damals. Sie stehen auch für Jesus-Nachfolger und -Nachfolgerinnen und Mitmenschen ohne persönliche Gottesbeziehung. Oft ist eine Mauer zwischen diesen beiden Gruppen. Ich rede nicht über meinen Glauben, und die andere fragt mich auch nichts zu meinem Glauben. Wir bleiben unverbunden und sprachlos nebeneinander stehen. Der Heilige Geist wirkt aber heute noch genauso wie damals beim ersten und zweiten Pfingstfest. Er schickt mich zu jemand, der Interesse hat und offen dafür ist, seinem Leben eine neue Tiefe zu geben. Der Geist öffnet ihm das Herz, dass meine stammelnden Worte ihn zu Jesus führen. Pfingsten will uns neu motivieren, „aufs Dach zu steigen“, einen offenen 360-Grad-Blick auf unsere Umgebung zu bekommen. Heraus aus der Komfortzone des Bekannten werden wir zu denen geführt, die Jesus noch nicht kennen.

Petrus war in Begleitung von 6 Brüdern seiner Gemeinde. Die hatten keine Vision gehabt und kein Tischtuch mit Krabbeltieren gesehen, aber sie unterstützten Petrus bei seiner Reise ins Unbekannte. Wir müssen nicht selbst Petrus oder Petra sein, aber können Unterstützende werden, die einen anderen in der Fürbitte begleiten, der im direkten Kontakt ist. Sollten wir nicht unsere Kinderkirchen-Mitarbeitenden darin unterstützen, wie sie zum Glauben einladen? Sollten wir nicht für die beten, die jemand zur Gemeinde mitbringen und ihn damit Jesus ans Herz legen?

Kornelius hatte für diese Pfingsterfahrung schon einen gewissen Vorlauf. Er hatte sich schon dem Glauben an Gott genährt. Wenn wir in der Jungschar mit dem großen Seil seilspringen, geben wir den Kindern immer den Tipp, sich schon in den Rhythmus des Seils einzuspringen, bevor man hineinläuft. So machte es Kornelius, er schwang sich in den Glauben ein. Welche Gelegenheiten geben wir unseren Freunden, sich in den Glauben an Jesus einzuschwingen, sich zum persönlichen Pfingstfest auf den Weg zu machen? Vielleicht dienen der Stammtisch dazu oder auch unsere Stille-Andachten im Advent. Angebote ohne Verpflichtung, um sich langsam auf den Weg zu machen.

Die Wohnzimmergemeinde des Kornelius erfuhr Pfingsten, nicht ganz Cäsarea. Es werden immer Einzelne sein, die der Heilige Geist ruft, aber auf die kommt es an. Zum Beispiel auf unsere Familienangehörigen und unsere Freunde.

Der Heilige Geist zielt auf Gemeinschaft. So kommt Kornelius zusammen mit seinen Leuten zum Glauben an Jesus. Das ist ein spannendes Thema in unserer Gesellschaft heute, wo jeder und jede doch ganz individuell ihren Weg finden und gehen will. Wie können wir als Individualisten noch Gemeinde leben und das Gemeinsame in den Mittelpunkt stellen? Da braucht es wohl die Erfahrung des Heiligen Geistes, der uns diese Einheit nur schenken kann.

Pfingsten für uns, wir werden angeschlossen an die Kraft Gottes. Lob, Freude und Gemeinschaft sind die unmittelbaren Auswirkungen. Wenn wir jetzt Abendmahl feiern, werden wir spürbar in die Gemeinschaft mit Jesus als Tischgemeinschaft hineingerufen. Und wir können unser Herz öffnen mit der Bitte: Heiliger Geist, schließe mich an an die Liebe Gottes und die Gemeinschaft mit Jesus.

Cornelia Trick


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