|
Gottesdienst am 15.5.2016
in Brombach
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Pfingsten feiern wir Geburtstag.
Der Heilige Geist hat die Gemeinde ins Leben gerufen. Menschen aus unterschiedlichen
Familien und kulturellen Hintergründen sind nun an die Liebe Gottes
durch den Heiligen Geist angeschlossen. Sie sind mit Gott verbunden wie
mit einem Kabel, durch das Strom vom Kraftwerk in die Glühbirne fließt.
Beim ersten Pfingstfest
in Jerusalem wurden aus ängstlichen Jüngern mutige Zeugen für
Jesus. Mit ihnen wurden 3000 Leute berührt, die durch diesen Impuls
des Heiligen Geistes sich taufen ließen und ihrem Leben eine neue
Richtung gaben. Jerusalem war das Zentrum der Pfingstbewegung, und von
dort ging das Wirken des Geistes weiter zu anderen Menschen in anderen
Städten und Gegenden. Zunächst gingen die Apostel zu den jüdischen
Gemeinden. Dort erzählten sie von Jesus und luden Juden in die Gemeinschaft
mit Jesus ein. Die Mauer zu den Nichtjuden war hoch. Schließlich
durften Juden keinen engen Kontakt zu ihnen pflegen, auch nicht mit ihnen
essen. Die Sorge, sich bei Nichtjuden durch deren Kulte zu verunreinigen
und nicht mehr zum heiligen und reinen Gott Israels zu passen, war groß.
Die Bibel berichtet somit
von einem zweiten Pfingstfest, dem Pfingsten, als die Heiden an den Geist
Jesu angeschlossen wurden.
Kornelius in Cäsarea
Kornelius war Hauptmann der
römischen Besatzungsmacht. Er ist an seinem Stationierungsort mit
dem jüdischen Glauben in Kontakt gekommen und wurde davon angesprochen.
Er wuchs in die Gebetszeiten hinein und engagierte sich sozial in der jüdischen
Gemeinde. Anders als er es von den römischen Göttern kannte lernte
er Gott als einen sich den Menschen zuwendenden Gott kennen, der das Wohl
seiner Geschöpfe im Auge hatte und für sie da war. Für Kornelius
mag das bedeutet haben, hier Geborgenheit, Befreiung aus Lebensängsten
und einen Sinn für sein Leben zu finden.
Durch diese langsame Annährung
an den jüdischen Glauben wurde er vorbereitet für Gottes nächsten
Schritt. Ein Engel erschien ihm und forderte ihn auf, einen völlig
unbekannten Mann namens Petrus aus Joppe holen zu lassen, was eine Tagesreise
entfernt von Cäsarea war.
Petrus in Joppe
Petrus hatte Pfingsten schon
erlebt. Er wusste sich von Jesus zum Missionar berufen, der anderen die
Gute Nachricht von einem Leben mit Gott weitersagen sollte. Nun war er
zu Gast bei dem Gerber Simon, einem Mann, der schon wegen seines Handwerks
– dem Arbeiten mit Tierhäuten – eigentlich von Juden gemieden wurde,
die sich nicht verunreinigen wollten. Doch Petrus hatte diese Mauer schon
übersprungen, denn Jesus sagte einmal, nicht Tierhäute, sondern
was aus einem lieblosen Herzen kommt, macht unrein. Petrus saß bei
Simon auf der Dachterrasse und wartete aufs Mittagessen, da erschien plötzlich
ein Bild vor ihm:
Apostelgeschichte 10,11-16
Er sah den Himmel geöffnet
und es kam daraus etwas auf die Erde herab, das sah aus wie ein großes
Tuch, das an vier Ecken gehalten wird. Darin befanden sich alle Arten von
vierfüßigen Tieren, Kriechtieren und Vögeln. Eine Stimme
rief: »Auf, Petrus, schlachte und iss!« Aber Petrus antwortete:
»Auf keinen Fall, Herr! Noch nie habe ich etwas Verbotenes oder Unreines
gegessen.« Doch die Stimme forderte ihn ein zweites Mal auf und sagte:
»Was Gott für rein erklärt hat, das erkläre du nicht
für unrein!« Und noch ein drittes Mal erging an Petrus dieselbe
Aufforderung. Gleich danach wurde das Tuch samt Inhalt wieder in den Himmel
hinaufgehoben.
Petrus versteht die Vision
nicht sofort. Er soll unreine Tiere schlachten und essen? Er erhält
hier eine Unterrichtsstunde auf dem Dach. Seine Mission soll auch die nächste
Mauer überspringen und zu den Heiden gehen. Die unreinen Völker
erklärt Jesus für rein. Auch für sie ist er gestorben. So
gibt es keinen Grund mehr, warum Petrus sich von Nichtjuden fernhalten
soll.
Die Boten von Kornelius
Drei Leute hatte Kornelius
zu Petrus geschickt. Sie standen jetzt vor Simons Tür. Und Petrus
versteht: Gott hatte ihn mit der Vision vorbereitet auf diesen Besuch.
So setzt er das eben Gelernte sofort um und isst mit den Besuchern gemeinsam.
Am nächsten Tag bricht er, begleitet von sechs Leuten der dortigen
Gemeinde, mit den Boten auf und geht zu Kornelius.
Petrus und Kornelius
Kornelius hat unterdessen
seine Verwandten und Freunde eingeladen, weil er erwartet, dass Gott nun
etwas Umwälzendes tun wird. Er ist sich ganz sicher, dass auch für
die anderen etwas Wichtiges geschehen wird.
Petrus erreicht das Haus
des Kornelius, und beide erzählen sich, wie Gott sie auf den Weg zueinander
geschickt hat. Petrus sieht die vielen Menschen im Wohnzimmer und fängt
gleich an, von Jesus zu erzählen.
Apostelgeschichte 10,44-48
Petrus hatte noch nicht zu
Ende gesprochen, da kam der Heilige Geist auf alle herab, die bei Kornelius
versammelt waren und die Botschaft hörten. Die Christen jüdischer
Herkunft, die mit Petrus aus Joppe gekommen waren, gerieten außer
sich vor Staunen, dass Gott nun auch über die Nichtjuden seinen Geist
ausgegossen hatte. Sie hörten nämlich, wie die Versammelten in
unbekannten Sprachen redeten und Gott priesen. Darauf sagte Petrus zu seinen
Begleitern: »Diese Leute haben genau wie wir den Heiligen Geist
empfangen. Wer kann ihnen da noch die Taufe verweigern?« Und er befahl,
sie im Namen von Jesus Christus zu taufen. Danach baten sie ihn, noch ein
paar Tage bei ihnen zu bleiben.
Petrus handelt wie ein
Kabelträger, der hilft, dass das Kabel den Weg in die Steckdose findet,
um den Strom fließen zu lassen. Er kann in diesem Wohnzimmer nicht
machen, dass die Leute ihr Leben Jesus anvertrauen. Aber er kann ihnen
den Weg zu Jesus weisen. Dass sie Jesus dann wirklich erfahren und sich
taufen lassen, bewirkt der Heilige Geist selbst. So entsteht im Wohnzimmer
des Kornelius die erste nichtjüdische Gemeinde. Petrus darf Geburtshelfer
sein, der Heilige Geist ruft diese Menschen in ein Leben mit Jesus. Die
Auswirkungen sind sogleich spürbar. Eine große Freude durchdringt
die Gemeinde, und durch die Taufe lassen sich die Menschen in die große
Gemeinde Jesu eingliedern.
Epilog
Die Urgemeinde in Jerusalem
erfährt von der Gemeindeneugründung in Cäsarea. Man kann
nicht nachvollziehen, dass Petrus zu Heiden gegangen ist. Petrus wird herbeizitiert
und erzählt von seinen Erlebnissen. Gott, so berichtet er, hat den
Nichtjuden das gleiche Geschenk gegeben, das er zuvor den Juden gemacht
hatte. Petrus konnte sich dem Wirken des Heiligen Geistes doch nicht in
den Weg stellen. Er war Kabelträger und Geburtshelfer für diesen
Schritt Jesu hinaus in die Welt. Alle wussten um den Auftrag, den Jesus
ihnen bei seiner Himmelfahrt gegeben hatte: Geht hinaus in alle Welt! Aber
dieses Wissen war bis jetzt theoretisch gewesen, jetzt erst konnten sie
die Lektion richtig mit dem Herzen lernen.
Pfingsten für uns
Petrus und Kornelius stehen
nicht nur für Juden und Heiden damals. Sie stehen auch für Jesus-Nachfolger
und -Nachfolgerinnen und Mitmenschen ohne persönliche Gottesbeziehung.
Oft ist eine Mauer zwischen diesen beiden Gruppen. Ich rede nicht über
meinen Glauben, und die andere fragt mich auch nichts zu meinem Glauben.
Wir bleiben unverbunden und sprachlos nebeneinander stehen. Der Heilige
Geist wirkt aber heute noch genauso wie damals beim ersten und zweiten
Pfingstfest. Er schickt mich zu jemand, der Interesse hat und offen dafür
ist, seinem Leben eine neue Tiefe zu geben. Der Geist öffnet ihm das
Herz, dass meine stammelnden Worte ihn zu Jesus führen. Pfingsten
will uns neu motivieren, „aufs Dach zu steigen“, einen offenen 360-Grad-Blick
auf unsere Umgebung zu bekommen. Heraus aus der Komfortzone des Bekannten
werden wir zu denen geführt, die Jesus noch nicht kennen.
Petrus war in Begleitung
von 6 Brüdern seiner Gemeinde. Die hatten keine Vision gehabt und
kein Tischtuch mit Krabbeltieren gesehen, aber sie unterstützten Petrus
bei seiner Reise ins Unbekannte. Wir müssen nicht selbst Petrus oder
Petra sein, aber können Unterstützende werden, die einen anderen
in der Fürbitte begleiten, der im direkten Kontakt ist. Sollten wir
nicht unsere Kinderkirchen-Mitarbeitenden darin unterstützen, wie
sie zum Glauben einladen? Sollten wir nicht für die beten, die jemand
zur Gemeinde mitbringen und ihn damit Jesus ans Herz legen?
Kornelius hatte für
diese Pfingsterfahrung schon einen gewissen Vorlauf. Er hatte sich schon
dem Glauben an Gott genährt. Wenn wir in der Jungschar mit dem großen
Seil seilspringen, geben wir den Kindern immer den Tipp, sich schon in
den Rhythmus des Seils einzuspringen, bevor man hineinläuft. So machte
es Kornelius, er schwang sich in den Glauben ein. Welche Gelegenheiten
geben wir unseren Freunden, sich in den Glauben an Jesus einzuschwingen,
sich zum persönlichen Pfingstfest auf den Weg zu machen? Vielleicht
dienen der Stammtisch dazu oder auch unsere Stille-Andachten im Advent.
Angebote ohne Verpflichtung, um sich langsam auf den Weg zu machen.
Die Wohnzimmergemeinde
des Kornelius erfuhr Pfingsten, nicht ganz Cäsarea. Es werden immer
Einzelne sein, die der Heilige Geist ruft, aber auf die kommt es an. Zum
Beispiel auf unsere Familienangehörigen und unsere Freunde.
Der Heilige Geist zielt
auf Gemeinschaft. So kommt Kornelius zusammen mit seinen Leuten zum Glauben
an Jesus. Das ist ein spannendes Thema in unserer Gesellschaft heute, wo
jeder und jede doch ganz individuell ihren Weg finden und gehen will. Wie
können wir als Individualisten noch Gemeinde leben und das Gemeinsame
in den Mittelpunkt stellen? Da braucht es wohl die Erfahrung des Heiligen
Geistes, der uns diese Einheit nur schenken kann.
Pfingsten für uns,
wir werden angeschlossen an die Kraft Gottes. Lob, Freude und Gemeinschaft
sind die unmittelbaren Auswirkungen. Wenn wir jetzt Abendmahl feiern, werden
wir spürbar in die Gemeinschaft mit Jesus als Tischgemeinschaft hineingerufen.
Und wir können unser Herz öffnen mit der Bitte: Heiliger Geist,
schließe mich an an die Liebe Gottes und die Gemeinschaft mit Jesus.
Cornelia
Trick
|