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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Zwar ist das Gesamtziel klar. Auch das neue Jahr soll dazu dienen, mit Gott eine tiefere Gemeinschaft zu erfahren. Doch es gibt einige Dinge, die unterwegs beachtet sein wollen. Wir müssen aufpassen bei den Kreuzungen und Einmündungen, wir müssen immer wieder in den Rückspiegel schauen, wir müssen die Leitplanken und den Mittelstreifen beachten und ein kurzer Sekundenschlaf könnte tödlich enden. Wie beim Autofahren sollte unser Gang durch das neue Jahr aufmerksam sein, verantwortungsbewusst und ohne Scheuklappen. Ein falsches Gefühl der Sicherheit und Unverletzbarkeit sollte Vorsicht und Demut Platz machen. Die Jahreslosung für 2001 ist als Zielvorgabe
formuliert. Die Jahreslosung ist in die Geschichte der Gemeinde in Kolossä eingebetet. Die Worte des Briefes, die von einem Mitarbeiter des Paulus formuliert wurden, erinnern an einen Film. Die Kamera nimmt den Ausgangspunkt ins Bild, Jesus Christus. Von dort aus schwenkt sie weiter, zeigt üppige Landschaften, zeigt reiche Felder und ruht auf manchen Baustellen in einer Siedlung. Schließlich kommt sie wieder zum Ausgangspunkt, zu Jesus Christus zurück. Wenn wir den Briefabschnitt bedenken, der die Jahreslosung umgibt, können wir den Film nachempfinden, einzelne Aussagen betrachten, dann wieder weitergehen und schließlich zum Ausgangspunkt zurückkehren. Kolosser 2,1-7
Paulus beschreibt seine Mühe mit der Gemeinde. Vor ein paar Wochen hörten wir den vorausgehenden Briefabschnitt in der Predigt. Da sagte Paulus von sich "ich kämpfe, ich mühe mich ab". Das Evangelium zu verkünden, es einer Gemeinde nahe zu bringen, es den neu dazu Kommenden zu sagen, verlangt ganze Hingabe und ist nicht so nebenbei zu erledigen. Erstaunlich ist, dass Paulus hier in eine Gemeinde investiert, die er gar nicht persönlich kennt. Und doch ist sie ihm ans Herz gewachsen und er will nichts lieber für sie, als dass sie den Schatz hebt und Christus erfasst. Er möchte erreichen, dass die Gemeinde sich wieder neu ihres Ausgangspunktes gewiss wird und von da her Orientierung gewinnt. So lässt er buchstäblich die Kamera über die blühenden Landschaften schweifen. In überfließenden Worten beschreibt er, was die Gemeindeleute durch Jesus Christus gewonnen haben: Reichtum, Fülle, Schätze, Verständnis, Einsicht, Weisheit, Erkenntnis. Vergegenwärtigen wir uns diese Worte, so können sie auch uns packen und hineinstellen in die wunderschöne Landschaft, die sich mit Jesus erschließt. Wir werden neu überwältigt von der Fülle, die Jesus uns verheißt und die sich im Leben mit ihm erschließt. Vielleicht wächst auch unsere Sehnsucht, dass sich unsere persönliche Situation noch mehr der Fülle in Jesus annähren könnte. Solche Sehnsucht könnte die nächsten Schritte anstoßen, sich auf die Suche zu machen nach erfüllter Gemeinschaft, liebender Nähe, inspirierender Kraft. Wir können die blühenden Landschaften in unsere Erfahrungswelt übersetzen. Da wird in der Gemeinschaft mit Jesus Christus ein Zuhause sein, Boden unter den Füßen, wenn wir eigentlich keinen Boden mehr unter den Füßen haben. Da ist jemand, der uns bedingungslos lieb hat, er lädt uns in die neue Familie der Kinder Gottes ein und wir dürfen gewiss sein, dass Jesus auch in unserem Leben siegt. Diese Fülle an Geschenken kann kein Randthema in unserem Leben bleiben, sondern ist Basis für alles. Jesus Christus ist vor allem und in allem. Es gibt auch im neuen Jahr nichts, das mit ihm nichts zu tun hat. So werden sich unsere "Schätze" nicht an ihm vorbei finden lassen. Und die eigentlichen Schätze, an Gottes Weisheit und seiner Erkenntnis teilzuhaben, eröffnet Jesus selbst. Weil Jesus so zentral Ausgangspunkt und Zielpunkt unseres Lebens sein will, werden wir hinterfragt. Welche Bereiche klammern wir aus unserem Glauben aus? Wo meinen wir, hat Jesus in unserem Leben etwas zu suchen und wo nicht? Ich möchte nur ein paar Bereiche aufzeigen,
wo es für mich immer wieder nötig ist, Jesus hinein zu lassen.
Auch für unsere Partnerschaften möchte uns Jesus Weisheit und Erkenntnis schenken. Am verletzbarsten sind wir in der engen Lebensgemeinschaft, wo uns kein Schutzmantel mehr umgibt. Jesus möchte uns hier ganz konkret helfen, dass unsere Beziehungen den blühenden Landschaften entsprechen, die seine Gegenwart schafft. Nach Jesu Art zu leben heißt einander anzunehmen und im andern Gottes Ebenbild zu entdecken. Jesus geht ja so auf uns zu. Er akzeptiert unsere Grenzen, hilft sie zu weiten und gibt nicht auf, wenn wir Rückschritt um Rückschritt machen. Es wäre doch ganz unvorstellbar, dass Jesus zu mir sagt: Cornelia, ich habe es jetzt 38 Jahre mit dir ausgehalten, du machst immer den gleichen Mist, du langweilst mich, du kümmerst dich viel mehr um dich als um mich, du hörst nicht auf meine Meinung und ich muss dir sagen, die 38 Jahre waren eine einzige Enttäuschung, denn du bist immer noch nicht so, wie ich mir dich erträumt habe. Ich suche mir jetzt eine andere. Ist doch unvorstellbar, dass Jesus so zu uns redet. Wir danken ihm ja gerade dafür, dass er uns nicht aufgibt, dass er uns immer wieder vergibt und dass er uns mit seinem Geist verändert auch wenn das immer nur bruchstückhaft geschieht. Nach Jesu Art zu leben – ich möchte auch meinen Mann als einzigartiges Geschenk annehmen, möchte nicht bei ihm die Fehler suchen, die ich selbst mache. Möchte Jesus bitten, dass er mich verändert und mir die Kraft zur Selbsterkenntnis schenkt. Und ich möchte ihn um seine Liebe bitten, die niemals mit einem Menschen fertig ist. Den Schatz der Weisheit und Erkenntnis zu heben, gilt auch für unseren beruflichen Alltag. Einige von uns können in ihrer Arbeitssituation Weisheit und Erkenntnis nicht entdecken. Sie sind getrieben von sehr menschlichen Zwängen und Abhängigkeiten, sehen für sich selbst sehr wenig Einflussmöglichkeit und haben keine Perspektive, wie Gottes Weisheit sich da entfalten kann. Aber hier möchte Jesus nicht ausgeklammert werden. Auch in unsere Klage, unsere Ohnmacht, unser Schuldigwerden spricht er hinein. Wir können ihn an jedem Tag darum bitten, dass er uns seine Gegenwart bezeugt, dass er uns Signale zum Aufbrechen gibt, auch Signale zum Abbrechen, wenn es dran ist. Wir unterstehen im Letzten der Weisheit unseres lebendigen Gottes und nicht der Weisheit von Konzernführungen und Sachzwängen. Am Sonntag dürfen wir auch dafür Kraft tanken, uns von den Ohnmachtserfahrungen des Alltags nicht unterkriegen zu lassen. Der wahre Schatz ist Jesus Christus und mit ihm kann sich auch ein öder Bürotag in eine blühende Landschaft verwandeln. Die Jahreslosung ist eine Aufforderung zum Dranbleiben an Jesus Christus. Er ist der Schlüssel für unseren Alltag und Sonntag. Paulus wollte die Gemeinde vor Verführung und Überredung warnen. Irrlehrer standen vor der Tür. Noch hielt die Gemeinde fest zusammen, hatte unerschütterliches Vertrauen. Doch würde sie den Leuten vor der Tür standhalten? Genauso fragt uns Paulus an, halten wir den Verführungen stand, die vor unseren Türen stehen? In drei Gestalten kommen sie oft einher.
Paulus schließt mit ein paar deutlichen Hinweisen. Er appelliert an unser Verhalten, er weist uns hin auf die Gemeinde, in der wir unsere Wurzeln zu Jesus ausbilden können. Er möchte uns unseres Glaubens vergewissern und ruft uns auf zu Dankbarkeit. Wir können diesen Stichworten vielfältig Leben geben und dabei erfahren, dass Jesus wirklich unser ganzes Leben umfasst. Kommen wir noch einmal zurück zum Straßenverkehr. Wir haben das Ziel vor Augen, mit Christus zu leben. Aber wir müssen darauf achten, dass jemand von rechts kommt und Vorfahrt hat. Zeit zum Innehalten, zum Danken. Dann wieder nimmt uns jemand die Vorfahrt und wir müssen voll auf die Bremse gehen. Unser Lebenswandel ist gefragt, ob wir einander in der Liebe Jesu begegnen oder uns lieber überfahren. Dann gibt es Straßen mit Tempo 30, sie lassen uns gewiss werden, dass Jesus wirklich da ist in ganz intensiv erfahrenen Begegnungen. Und der Rückspiegel erinnert uns, dass wir in eine Gemeinschaft eingebunden sind und Rücksicht nehmen müssen. Ich wünsche mir, dass Paulus uns am Ende
des Jahres 2001 einen Brief schreibt und es so ausdrückt wie im Kolosserbrief:
Cornelia
Trick
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