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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Sind wir Leute, die auf ihre Oberfläche Wert legen, die durch und durch gebügelt aussehen wollen, aber oft die Ärmel beim Bügeln auslassen? Wie sieht es in unseren Schubladen aus? Sind sie so ordentlich wie die sichtbaren Orte der Wohnung, oder sammelt sich der Müll in ihnen, der die ordentliche Oberfläche stören würde? Wie sieht es in unserem Herzen aus? Lassen wir uns von Grund auf durch den Heiligen Geist verändern, oder ist die Veränderung mehr oberflächlich, an den nicht sichtbaren Stellen bleiben wir zerknittert und vermüllt? Paulus schrieb den Kolossern einen Mutmachbrief. Er kannte die Gemeinde nicht persönlich, aber sie stand auf seiner Gebetsliste. Er wollte den Leuten dort offenbar einen Anstoß geben, das neue Leben, das Jesus ihnen geschenkt hatte, auch bis ins Innerste ihres Lebens wirken zu lassen. Er wollte sie von der Sparvariante des geistlichen Lebens weglocken, als ob es beim Christsein nur auf das ankommt, was man sieht. Er wollte sie einladen, sich so verändern zu lassen, wie Jesus Christus es für sie vorgesehen hatte. Kolosser 3,12-15 Gott hat die Menschen, die er zu seinem Volk dazu genommen hat, neu angekleidet. Durch diese neue Kleidung wird klar, zu wem diese Menschen nun gehören. Die neuen Kleider erinnern mich an die Einkleidung von Diakonissen. Sie ziehen ihre Diakonissentracht an in dem Bewusstsein, dass ihr neues Kleid auch ein neues Eigentumsverhältnis ausdrückt. Sie wollen von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden als Frauen, die sich nicht selbst gehören, die nicht in eigenem Auftrag unterwegs sind und ihre selbst gewählten Ziele verfolgen. Sie wollen für alle sichtbar für den Herrn dasein und in seinem Auftrag leben. Wer eine Diakonisse sieht, soll wissen, hier ist eine Frau, die mich mit den Augen Jesu sehen will, die mir nachgehen will wie Jesus als der gute Hirte. Paulus beschreibt die neuen Kleidungsstücke, die uns der Heilige Geist anzieht.
Ein Buch, das ich in den letzten Wochen las, hat mich sehr stark daran erinnert, dass allein die neuen Kleider noch nicht den Unterschied machen. Dass es nötig ist, von innen heraus ganz neu zu werden, endlich anzufangen, auch die Dinge, die nicht offen zur Schau gestellt werden, von Jesus ordnen und verändern zu lassen. In ihrem Buch "Über den Neid hinauswachsen" beschreibt Beate M. Weingardt die Ursachen des Neides und ihre Auswirkungen. Klar wird, wer sich den eigenen Neidgefühlen nicht stellt, wer den Neid in sich verschließt wie ein ungebügeltes Hemd, wird nicht von innen heraus die Liebe Gottes weitergeben können. Die neuen Kleider des Christseins werden immer nur wie drübergehängt erscheinen. Der Neid ist ein urmenschliches Gefühl und uns schon in die Wiege gelegt. Niemand ist frei davon, ist der Neid doch die Kehrseite des Sich-Vergleichens mit anderen. Dabei unterscheidet die Autorin zwei Formen des Neides, die ungiftige und die giftige. Die ungiftige Form zeigt sich, wenn wir feststellen, ein anderer hat etwas, das wir nicht haben, aber wir gönnen es ihm von Herzen ohne das Gefühl, es auch haben zu müssen. Wir können offen darüber kommunizieren, was uns beim anderen besser gefällt, ohne im anderen den Eindruck zu erwecken: Hier ist jemand, der mich beneidet und vor dem ich mich in Acht nehmen muss. Die giftige Form des Neides tarnt sich gut. Wer will schon offen zugeben, dass er oder sie neidisch ist. So zeigt sie sich in schlechtem Reden über den andern, man weißt es weit von sich, das Beneidete selbst zu wollen, man freut sich, wenn der andere Schiffbruch erleidet, man streicht seine eigenen Vorzüge deutlicher heraus und wertet die des anderen ab, man schweigt das Beneidete tot oder geht auf Abstand zur beneideten Person. Giftigen Neid gesteht sich niemand gerne freiwillig ein. Er widerspricht unserem perfekten Selbstportrait eines Christen mit fünf Kleidern des Heiligen Geistes, wir wollen nicht wirklich neidisch sein und nehmen den Neid an uns selbst selten wahr. Doch der Neid gärt unter der Oberfläche und zerstört alle Beziehungen. Zum anderen empfinden wir kein herzliches Erbarmen, keine Freundlichkeit, Bescheidenheit, Milde oder Geduld. Wir müssen ständig heucheln, um unsere Neidgefühle zu tarnen. Das wird so anstrengend, dass wir uns mehr und mehr zurückziehen werden. Wir können uns bald selbst nicht mehr in die Augen schauen. Wo die Liebe Jesu aus uns leuchten sollte, spüren wir giftige Gefühle in uns wallen. Wo wir Vergebung Jesu bräuchten, lassen wir Jesus mit diesem Angebot stehen, weil wir ja nicht neidisch sein wollen. Um Jesus, der uns tagtäglich mit seinem Angebot konfrontiert, machen wir einen Bogen. Vor allem ist die Beziehung zu Gott gestört. Wir sollten Jesus vertrauen, stattdessen misstrauen wir ihm, weil er ja offensichtlich den Beneideten bevorzugt. Gott wird für uns zur Quelle des Ärgers über die Ungerechtigkeit der Welt, und statt über uns nachzudenken und an uns zu arbeiten, schieben wir unseren Frust auf Gott. Paulus ermutigt uns, dieses zerknitterte Neid-Hemd bügeln zu lassen und den Neid zu überwinden. Sein Heiliger Geist will uns nicht einfach Jacketts überhängen, die äußerlich für den neuen Menschen sorgen. Er will uns ganz tief innen heilen. Er sagt uns zu, dass wir von ihm geliebt sind, dass er sich nach uns sehnt und dass uns nichts fehlt, um in seinen Augen der Mensch zu sein, mit dem er seine Welt bauen will. Wir können seinem Blick auf unser Innerstes standhalten. Er sieht unsere Unzufriedenheit, unsere Leere und unsere Sehnsucht nach Anerkennung. Aber diesen Mangel wird kein neues Haus, Auto, kein neuer Lebenspartner und kein dickes Bankkonto füllen. Diese Leere kann nur seine Liebe füllen, das Band, mit dem er uns mit sich für immer verbinden will. Werden wir uns dieser neuen Annahme durch Jesus bewusst, können wir das Glück in unserem Leben wieder neu spüren, es kommt von Gott und seinem Blick auf uns. Wir werden uns für den anderen engagieren, statt immer neidvoll auf ihn zu starren. So werden wir auch Verantwortung für ihn übernehmen und feststellen: Er mag ein neues Auto haben, aber deshalb ist er nicht frei von Sorgen. Auch der ursprünglich Beneidete braucht eine Schulter zum Weinen und tatkräftige Hände, um sich helfen zu lassen. Wer Jesus bis in die Tiefe Zutritt gewährt, wird weniger neidanfällig werden. Die Prioritäten werden sich verschieben, was wirklich erstrebenswert ist. Paulus nennt den Idealzustand einer Gemeinde Friede. Es ist der Friede, der entsteht, wenn wir uns von innen heraus verändern lassen und die Gaben des Heiligen Geistes nicht nur über unser altes Ich drüberziehen. Es kostet Mut, Jesus bis in die verborgenen Winkel des Herzens hineinzulassen. Aber es lohnt sich. Wir sparen die Kraft des Vertuschens unserer Neidgefühle und können die Kraft investieren, um miteinander unseren Auftrag zu leben, das Evangelium in die Welt zu tragen. Johannes 10,10 Cornelia
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