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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Die Begebenheit wirkt wie eine moderne Fassung eines Gleichnisses Jesu. Offenbar erzählte Jesus die Beispielgeschichte mit realem Hintergrund, der bis heute noch gegeben ist. Eine der ehemaligen Haupthandelsstraßen zwischen Afrika und Asien führte von Jerusalem nach Jericho. 1000m Höhenunterschied hinab ins Jordantal mussten auf einer Strecke von 27km überwunden werden, vorbei an Schluchten, Felsen und Wüste. Die Strecke war unübersichtlich, wurde von Geschäftsleuten mit wertvollen Gütern begangen und zog Räuberbanden an. Lukas 10,30-35 »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinab. Unterwegs überfielen ihn Räuber. Sie nahmen ihm alles weg, schlugen ihn zusammen und ließen ihn halb tot liegen. Nun kam zufällig ein Priester denselben Weg. Er sah den Mann liegen und ging vorbei. Genauso machte es ein Levit, als er an die Stelle kam: Er sah ihn liegen und ging vorbei. Schließlich kam ein Reisender aus Samarien. Als er den Überfallenen sah, ergriff ihn das Mitleid. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier und brachte ihn in das nächste Gasthaus, wo er sich weiter um ihn kümmerte. Am anderen Tag zog er seinen Geldbeutel heraus, gab dem Wirt zwei Silberstücke und sagte: 'Pflege ihn! Wenn du noch mehr brauchst, will ich es dir bezahlen, wenn ich zurückkomme.'« Jesus berichtet von zwei angesehenen religiösen Funktionären, die genau wissen, was Gott von ihnen will: „Gott lieben und den Nächsten wie sich selbst“. In der aktuellen Situation versagen sie trotz ihres Wissens. Einer, der von den Zuhörern verachtet wird, handelt dagegen besonnen und angemessen. Bei welchem der drei wären wir zu finden? Ernüchterung Erkenntnisse
Wir können uns als Praktikanten von Jesus verstehen, die an ihm studieren, wie Nächstenliebe wachsen kann. Beginnen wir mit der Zeit. Jesus hatte Zeit für Unvorhergesehenes. An keiner Stelle wird berichtet, dass er jemand stehen ließ, weil er keine Zeit hatte. Ob das nur an den damaligen Zuständen lag, einer gelasseneren Lebensweise? Die zwei Frommen aus dem Gleichnis zeigen, dass es auch damals schon Sachzwänge gab, die in Stress brachten. An einem Sonntagmorgen vor einem halben Jahr fuhren wir zum Gottesdienst, der Posaunenchor probte eine Stunde vorher, und wir waren schon ein wenig knapp dran. Da hielt uns in unserer Straße ein Autofahrer an. Er bat uns um Starthilfe. Zu unserem Pech hatte er auch Startkabel, eine Ausrede war eigentlich nicht möglich. Ich sagte ihm: Tut mir Leid, wir müssen leider ganz schnell weiter. Doch an der Kreuzung fiel mir noch gerade rechtzeitig ein, dass Jesus das wohl anders sehen würde. Wir drehten um, um dem Mann zu helfen. In dem Moment fuhr unser Nachbar vorbei, keine Ahnung, was er vorhatte. Jedenfalls stieg er sofort aus dem Auto und übernahm die Startkabel. Wir kamen noch rechtzeitig zur Posaunenprobe. Für mich eine super wichtige Lektion: In den wirklichen Herausforderungen werden wir nie Zeit haben. Doch lassen wir uns ein auf die Überfallenen und in Not Geratenen, wird Gott uns nicht im Stich lassen. Er schickt uns Verstärkung. Es ist ein Vertrauensakt, sich darauf einzulassen. Von Jesus können wir Großzügigkeit lernen. Er hat nie gesagt, mit dir teile ich das Brot nicht, weil ich sonst selbst zu wenig habe. Unter seiner Hand wurde das Brot mehr. Der Samariter setzte nicht nur Zeit, sondern auch Esel und Öl ein, um dem Mann zu helfen. Er rechnete nicht aus, ob er sich die Hilfe leisten konnte, sondern handelte. Hilfe war nicht beschränkt auf Verbinden. Der Samariter spann ein Netz von Helfenden. Der Wirt der Herberge wurde einbezogen. Der Samariter überließ den Verwundeten seiner Obhut. Wir müssen nicht alles allein stemmen. Einer sammelt auf, eine hat Herberge, einer kocht und eine zahlt. Dafür wird Gemeinde gebraucht. Unsere Aufgaben, die Gott uns vor die Tür legt, können wir nicht immer allein schaffen, wir brauchen einander dazu. Wir müssen unsere Vorurteile hinterfragen. Vielleicht haben die beiden Frommen bei sich gedacht: Der ist ja selbst schuld. Hätte er nicht so viel Geld bei sich gehabt, wäre ihm das nicht passiert. Das Geld hätte er mal lieber im Tempel spenden sollen. Mag sein, sie sind auch deshalb weitergegangen. Mag sein, uns entgehen unsere Nächsten, weil wir insgeheim denken: Selber schuld! Jesus hat nie so gedacht. Im Gegenteil, Leute, die selbst schuld waren, hieß er besonders willkommen. Nächstenliebe kann auch böse enden. Jesus, der 1.Barmherzige Samariter, wurde ans Kreuz gehängt. Für unsere Liebe zu den Nächsten bekommen wir selten einen Bürgerpreis, oft bleiben unsere Hilfen im Verborgenen, und manch einer landete nach einer Hilfsaktion selbst im Krankenhaus. Aber im Helfen sind wir Jesus in ganz besonderer Weise nahe, das ist unsere Auszeichnung. Wir haben zutiefst die Gewissheit, sein Licht in eine dunkle Welt gebracht zu haben. Man hat sich allerdings immer gefragt, ob es Sinn macht, an dieser Strecke ständig die Überfallenen zu versorgen. Ob es nicht viel besser wäre, die Räubernester auszuheben und dem Unwesen schon im Ansatz ein Ende zu bereiten. So hat Dietrich Bonhoeffer dieses Gleichnis verstanden als eine Aufforderung, dem Terrorregime Hitlers in die Speichen zu fassen, um noch mehr Unheil zu verhindern. Wir sind heute ähnlich herausgefordert. Flüchtlinge in Liebe anzunehmen und ihnen das Einleben zu erleichtern, ist unsere Aufgabe. Aber gleichzeitig sollten wir nicht müde werden, für gerechte Verhältnisse und Frieden in dieser Welt einzutreten und dafür zu beten, damit Menschen gar nicht mehr fliehen müssen. Ein Beispiel Die Quelle Die Quelle ist auch unsere
Begrenzung. Wir treffen andere bei der Quelle, lernen, nicht die einzigen
zu sein, die Gottes Liebe in die Welt tragen. Wir können uns im Gebet
unterstützen.
Cornelia
Trick
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