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Gottesdienst am 12.3.2017
in Brombach
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
in der Jungschar spielen
wir immer mal wieder das Spiel „Zuzwinkern“, durch Zwinkern versucht jemand,
einen neuen Partner herbeizuholen. Während des Spiels gibt es einzelne
Kinder, denen immer wieder zugezwinkert wird. Sie sind beliebt und jeder
will sie gerne als Partner haben. Andere wieder warten lange, bis ihnen
zugezwinkert wird. In der Jungschar können wir Mitarbeitende natürlich
regelnd eingreifen, damit alle drankommen. Im wirklichen Leben ist das
schon schwieriger. Da kennen manche von uns wahrscheinlich das Gefühl
noch aus Kindertagen, außen vor zu sein. Wenn Teams gebildet wurden,
waren sie immer die Letzten, die dazu geholt wurden. Bei Geburtstagen waren
alle eingeladen, nur sie nicht. Im Schulbus bekamen sie nie einen Sitzplatz.
Wir haben gelernt, dass es oft ein harter Kampf ist, anerkannt zu werden
und dabei zu sein.
Jesus war unterwegs von
Galiläa nach Jerusalem. Das Lukasevangelium beschreibt diesen Weg
sehr ausführlich als eine Lehrzeit für die Jünger, in der
sie auf Karfreitag vorbereitet wurden. Auf dem Weg begegnete Jesus auch
einem, der das Gefühl, außen vor zu sein, wohl auch kannte.
Er fragte Jesus: „Bin ich dabei, wenn du die neue Welt schaffst?“ Er wollte
keine Prozentpunkte abfragen, mit welcher Wahrscheinlichkeit er wohl dabei
sein würde, er wollte ganz persönlich Gewissheit haben. Vielleicht
befand er sich gerade in einer Krise und suchte einen Strohhalm der Hoffnung.
Vielleicht wollte er bestätigt werden, dass er kein hoffnungsloser
Fall war und es Rettung für ihn gab. Aber Jesus antwortete ihm anders
als erwartet:
Lukas 13,22-30
Jesus zog weiter auf dem
Weg nach Jerusalem. Unterwegs sprach er in Städten und Dörfern.
Einmal fragte ihn jemand: »Herr, werden nur wenige gerettet?«
Jesus antwortete: »Die Tür zu Gottes neuer Welt ist eng; kämpft
darum, dass ihr Einlass findet! Denn viele, sage ich euch, werden sich
am Ende darum bemühen, aber es nicht mehr schaffen. Wenn der Hausherr
aufsteht und die Tür abschließt, werdet ihr draußen stehen
und klopfen und rufen: 'Herr, mach uns auf!' Doch er wird euch antworten:
'Ich weiß nicht, wo ihr herkommt!' Dann werdet ihr sagen: 'Wir haben
doch mit dir zusammen gegessen und getrunken und du hast auf den Straßen
unserer Stadt gelehrt.' Aber er wird euch antworten: 'Ich weiß nicht,
wo ihr herkommt. Ihr habt es allesamt versäumt, das Rechte zu tun,
geht mir aus den Augen!' Da werdet ihr dann jammern und mit den Zähnen
knirschen, wenn ihr Abraham, Isaak, Jakob und alle Propheten in Gottes
neuer WeltC seht, doch ihr selbst seid ausgeschlossen. Aus Ost und West,
aus Nord und Süd werden die Menschen kommen und in Gottes neuer Welt
zu Tisch sitzen. Seid darauf gefasst: Es gibt solche, die jetzt noch zu
den Letzten zählen; die werden dann die Ersten sein. Und andere zählen
jetzt zu den Ersten, die werden dann die Letzten sein.«
Marktplatz
Jesus war in einer Art
und Weise unterwegs, die wir mit den beiden folgenden Bildern beschreiben
können. Eines der Bilder, ich nenne es "Marktplatz", beschreibt die
Gegenwart. Das andere beschreibt die Zukunft, ich nenne es "Bauernhof".
Denn die Gegenwart entscheidet über die Zukunft.
Das Bild der Gegenwart
zeigt einen Tisch im Außenbereich eines Restaurants an einem Marktplatz.
Leute sitzen um den Tisch, essen und trinken, auch Jesus ist dabei. Vielleicht
sitzen wir am Nachbartisch und hören zu, wie Jesus seinen Tischnachbarn
die neue Welt Gottes beschreibt. Auf dem Tisch stehen Früchte,
ein Krug mit Wein wird herumgereicht, frisches Brot macht die Runde. Jesus
nutzte wohl oft solche Tischgemeinschaften und Marktplätze, um von
Gott zu erzählen, aber auch umgekehrt um Menschen kennenzulernen und
ihre Lebensgeschichten zu hören. Die Frommen der damaligen Zeit waren
skeptisch, oft auch ablehnend. Die Armen, Beladenen und Bedürftigen
hingegen wurden froh, ließen sich begeistern und erfuhren Entlastung.
Zu welcher Gruppe da am
Tisch gehörte der Mann? Jesu Antwort richtete sich an alle. Die Tischgemeinschaft
sollte tiefer gehen als ein Restaurantbesuch, wo man Jesus vom Nachbartisch
aus beobachtet. Jesus wollte nicht nur ab und zu eine Begegnung, sondern
eine dauerhafte Lebensgemeinschaft, eine Beziehung, die bleibt. Nicht eine
flüchtige Bekanntschaft, sondern eine Freundschaft fürs Leben.
Der Bauernhof
Das zweite Bild beschreibt
einen Bauernhof, wie sie vielleicht vor 100 Jahren hier zu finden waren.
Das Gehöft war im Quadrat mit Wohnhaus auf der einen Seite und Stallungen
auf den anderen beiden Seiten angeordnet. Zur Straße hin gab es ein
großes Hoftor, durch das die Tiere und die Wagen fuhren. Wenn es
Abend wurde, alles Vieh wieder im Stall war, wurde das große Tor
geschlossen. Wer jetzt noch anklopfte, wurde durch eine kleine Seitentür
hineingelassen. An diesem Abend, von dem das Bild Zeugnis gibt, war ein
großer Andrang vor der kleinen Tür. Vielleicht war die Nacht
überraschend gekommen? Wir wissen es nicht. Die Leute klopften, der
Bauer kam und öffnete. Aus Sicherheitsgründen schaute er genau,
wer da Einlass wollte. Da es Nacht war, ließ er nur die herein, die
er persönlich kannte. Einige versuchten wohl, ihm auf die Sprünge
zu helfen: „Sie kennen mich doch. Als Sie neulich auf dem Marktplatz mit
Ihren Freunden gegessen haben und von Gott erzählten, saßen
wir am Nachbartisch.“ Oder einer rief: „Wir gingen gerade vorbei, als Sie
dort saßen, wir hatten rote Jacken an, erinnern Sie sich nicht?“
Der Bauer hatte offenbar ein so schlechtes Gesichtsgedächtnis wie
ich. Er erkannte die Laufkundschaft nicht wieder und wies diese ihm unbekannten
Leute ab. Sie hatten ja keine Verbindung zu ihm aufgebaut, ihre Lebensgeschichte
hatten sie ihm nicht erzählt und ihren Namen nicht genannt. Wie sollte
er sich im Dunkeln an sie erinnern können? Einige blieben also draußen
vor der Tür. Wir sehen auf dem Bild, wie sie sehnsüchtig durch
ein erleuchtetes Fenster ins Innere schauten. Da stieg die Party. Alle
waren dabei, die Pioniere Israels aus der Frühzeit, Leute aus der
ganzen Welt, die den Bauern viel später getroffen hatten, als die
Leute draußen. Wir können uns vielleicht in diese Leute da draußen
einfühlen – wie damals, als wir nicht in die Sportmannschaft gewählt
wurden und nicht zur Geburtstagsfeier der Schulkameradin eingeladen waren.
Jesus bringt diese beiden
unterschiedlichen Bilder vom Marktplatz und dem Bauernhof zusammen. Der
Marktplatz ist die Gegenwart. Der Mann, der Jesus fragt, hat es in der
Hand, was er mit seinem Leben macht, distanziert im Abstand oder mit Jesus
in enger Verbindung.
Wir haben es in der Hand.
Mit Jesus am Tisch zu sitzen, bedeutet, mit ihm zu reden, ihm von uns zu
erzählen und etwas von ihm zu erwarten. Das ist nicht immer leicht.
Da gibt es schon an jedem Tag Momente, wo wir spüren können,
dass Jesus mit uns ist und uns im Blick hat. Aber die Momente gehen so
schnell vorbei, und schon haben wir sie vergessen. Wie wenn wir nachts
eine Idee von einem Traum bewahren wollen, und morgens können wir
uns einfach nicht mehr erinnern. Mir hilft seit einigen Wochen ein Glas,
in dem ich „Jesus-Momente“ sammele. Immer, wenn ich etwas mit Jesus erlebe,
schreibe ich einen Notizzettel mit Datum und werfe ihn ins Glas. Wenn das
kleine Glas voll ist, werde ich die Zettel wieder lesen und mich erinnern.
So wandern Momente ins Langzeitgedächtnis und stärken Vertrauen.
Jesus sagt, dass er die
kennt und herein lässt, die das Richtige nicht nur glauben, sondern
auch tun. Wie kann ich das Richtige tun, und was ist das Richtige? Wenn
ich mich an Jesus orientiere, gehe ich mit wachen Augen durch den Alltag
und lasse mich ein auf Menschen und Situationen, die meine Hilfe brauchen.
Jesus ist kurz vorher einer Frau mit einer ganz gekrümmten Wirbelsäule
begegnet. Er hat sie gesehen und sie berührt, hat eine Beziehung zu
ihr aufgebaut und sie mit Gott in Verbindung gebracht. Das ist eine gute
Orientierung für unser Tun. Nicht krampfhaft und nicht überaktiv,
aber wer uns begegnet und Hilfe braucht, den sollten wir sehen, mit dem
sollten wir eine Beziehung aufbauen, für ihn beten und für ihn
eintreten.
Mit Jesus in Beziehung
zu sein, bedeutet auch, uns immer wieder aus der Bequemlichkeit herauslocken
und uns korrigieren zu lassen. Wir sind nicht perfekt und brauchen Hilfe,
um die Tür zum Vaterhaus auch im Dunkeln zu finden.
Jesus ist die Tür
An anderer Stelle führte
Jesus aus, dass er die Tür ist und sie aufhält (Johannes
10,7). Er sitzt nicht drinnen und wartet tatenlos, bis wir irgendwann
vor der geschlossenen Tür landen. Er tut alles, um schon im Vorfeld
mit uns unterwegs zu sein und uns in seine Gemeinschaft zu rufen. Und wenn
wir ihn schon jetzt kennen und bei ihm sind, werden wir als seine Sandwich-Werbeplakate,
die auf die offene Tür, die zum Vaterhaus führt, hinweisen und
dafür werben, dort Frieden und Gastfreundschaft zu erleben.
Die Gemeinde kann jetzt
schon Vorgeschmack auf die Party im Vaterhaus sein, denn hier sind wir
ein Team, das Jesus kennt und von ihm in die Mannschaft berufen wurde.
Der Alptraum der Kindheit, nicht ins Team gewählt zu werden, muss
sich nicht bis in alle Ewigkeit fortsetzen.
Cornelia
Trick
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