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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Es entspann sich ein lebhaftes Gespräch, was wir als Christen dazu zu sagen haben. Dabei wurden uns schnell klar, dass wir in der Gemeinde die politischen Themen eher umschiffen. Wir wollen Streit vermeiden. Christen sind friedlich und sollten sich im Frieden begegnen. Bei politischen Streitpunkten kann es leicht passieren, dass jeder auf seinem Standpunkt beharrt und man sich dabei entzweit. Wir fühlen uns in der Gemeinde wie auf einer Insel mitten im Getriebe dieser Zeit. Bei uns ist doch alles gut, was sollen wir uns die Probleme von draußen hereinholen. Wir reden in der Kirche über den Glauben an Gott, nicht über Dieselabgase, Flüchtlingsschicksale oder deutsche Außenpolitik. Doch spätestens, wenn wir wieder in unseren Alltag eintauchen, begegnen uns Menschen, die diese Fragen umtreiben, und sie wollen wissen, wie wir auch gerade als Christen dazu stehen. Da ist es gut, wenn wir uns mit dem Thema schon vorher beschäftigt haben, schauen, was in der Bibel dazu steht und was Jesus dazu zu sagen hat. Unsere 4-er Crew im Auto jedenfalls stellte fest: Wir brauchen mal einen Gottesdienst zu diesem Thema, wollen mehr darüber wissen und unsere Standpunkte teilen, nicht weil wir Recht haben wollen, sondern weil wir Gott lieben und er will, dass wir Salz und Licht in dieser Welt sind. Für mich waren es spannende Entdeckungen, zu denen mich das Thema geführt hat. Die politische Haltung der Bibel lässt sich nur als ein langer Prozess begreifen. Im Alten Testament wird uns vor Augen geführt, wie Glaube und Politik nur gemeinsam gedacht werden konnten. Der Gott Israels war auch für die Politik zuständig. Gottes Segen ließ sich an Frieden und Gebietserweiterung ablesen. Sind die Israeliten von Gott abgefallen und anderen Göttern hinterher gelaufen, folgten Krieg und Vertreibung als Konsequenz. Hin zum Neuen Testament wuchs eine große Friedenssehnsucht. Man war das ewige Hin und Her zwischen wechselnden Besatzungsmächten und aussichtslosen Aufständen dagegen leid. Es wuchs die Einsicht, dass Menschen von sich aus nicht zum Frieden fähig sind. Es brauchte Veränderung der Herzen von Gott. Die späteren Propheten sprachen von einem neuen Geist, von neuen Herzen und von einem göttlichen König, der befrieden und Wohlstand bringen würde. So ist es nicht verwunderlich, dass sich nach einem anfänglichen Hype um Jesus Enttäuschung breit machte. Jesus trat den Römern nicht entgegen, er vertrieb sie nicht und machte Israel nicht wieder groß. Eine Kampagne „Make Israel great again“ hätte viele Anhänger gefunden, aber darum ging es Jesus nicht. Er knüpfte an die Sehnsucht nach Frieden an und nahm die Worte der Propheten auf. Dieser Friede konnte nur von innen wachsen, aus einem von Gott geliebten Herzen. Veränderte Menschen würden automatisch veränderte Zustände schaffen. So führt dieser Weg durch die Bibel zu der These: Jesus war kein Politiker, aber er machte Politik. Matthäus 22,15-22
Die Politker der damaligen Zeit waren zugleich führende Theologen der Religionsbehörde. Sie wollten Jesus loswerden. Er bedrohte ihre Existenz, indem er den Tempelkult infrage stellte. Er wirkte wie ein Gotteslästerer und band viel zu viele Menschen an sich. Das Eleganteste wäre gewesen, die Römer auf ihn aufmerksam zu machen, dass sie ihn aus dem Weg schafften. So stellten sie Jesus eine Fangfrage. Würde er Ja zu Steuern sagen, wäre er bei den Juden enttarnt. Ein Sohn Gottes würde doch niemals mit Besatzern zusammenarbeiten. Würde er Nein sagen, könnte man ihn direkt den Römern ausliefern. Doch sie rechneten nicht mit Jesu auf den ersten Blick für alle korrekte Antwort: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ Was wie ein Ausgleich nach beiden Seiten aussieht, hat seinen Schwerpunkt eindeutig auf dem 2.Teilsatz. Gebt Gott, was ihm gehört, heißt ja, gebt Gott alles, denn ihm gehört als Schöpfer der Welt alles. Gott ist dem Kaiser vorgeordnet, Gottes Wille ist entscheidend. So lebten es die ersten Christen der Urgemeinde, Petrus wird in einem Prozess vor den Römern zitiert mit den Worten: „Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen.“ (Apostelgeschichte 5,29) Wie äußert sich nun der Wille Gottes im politischen Geschehen? Jesus verkündete das
Reich Gottes, eine Utopie des Staates
Jesus machte Politik im Kleinen
Den Halt in Gott zu haben, ist ein starkes Gegengewicht gegen diese Ängste. Gott liebt uns, kein Mensch kann uns das aus der Hand schlagen und aus dem Herzen reißen. Auch wenn wir gesellschaftlich abstürzen, wird Gott uns immer halten.
So ist es wohl an der Zeit, die Bedeutung der Wahrhaftigkeit wieder groß zu schreiben, in unserem Leben beginnt es. Wir sollten die unterstützen, die sich trauen, ehrlich zu sein, auch wenn es erst mal Nachteile mit sich bringen kann. Wir müssen uns verabschieden von Werbefotos von der schönen, heilen Welt. Wer ehrlich ist, wird auch die Schattenseiten dieser Welt benennen müssen. Unter „Klare Ansage“ gehören Stichworte wie
Jesus war kein Politiker, aber seine Aussagen hat er uns in politische Stammbücher geschrieben. Sie umzusetzen, ist nicht nur Aufgaben „der“ Politiker, sondern unser aller Aufgabe, im Kleinen, in den Einflussbereichen, die wir durchdringen können und für manche auch in der großen Politik. Diese Menschen brauchen unsere Unterstützung und Fürbitte, dass sie den Halt in Gott besonders stark erfahren, wenn die Stürme sie umzuwerfen drohen. Jesus predigte Reich Gottes, eine Utopie, die in unsere Welt wirkt. Wir werden keine ideale Gemeinschaft hier auf Erden gestalten können, aber eine geheilte Gemeinschaft, die von Gott berührt und verändert wird. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns nicht wegducken, wenn die Politik uns zur Stellungnahme herausfordert, sondern uns mit unserem Leitbild Jesus und unserem Glauben einmischen als Salz und Licht für diese Welt. Cornelia
Trick
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