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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Die Szene aus dem Restaurant spiegelt deutlich unseren Alltag wieder: Einer dient und einer wird bedient. In welcher Rolle wären wir lieber? Wären wir lieber der Kellner, der wie ein Hund herbeigeklatscht wird? Oder lieber der Gast, für den die Kellner tanzen? Welche Rolle spielen wir als Christen, und was will Jesus von uns? Lukas 22,24-30 Jesus sitzt mit seinen Jüngern beim letzten Abendmahl zusammen. Die Unterhaltung streift verschiedene Themen, die Jesus wichtig sind kurz vor seinem Tod. Auch für die nachösterliche Gemeinde behalten die Themen Gültigkeit, deshalb hat sie der Evangelist festgehalten und überliefert. Jesus hatte gerade das Abendmahl mit den Jüngern gefeiert und ihnen deutlich gemacht, dass er für sie sterben würde. Die Jünger verstehen nicht, dass Jesus hier auch eine Wahrheit über ihr Leben in der Nachfolge ausspricht. Auch sie sind herausgefordert, für andere ihr Leben einzusetzen. Statt sich über diese Konsequenzen Gedanken zu machen, beschäftigt die Jünger das nahe Liegende. Wenn Jesus stirbt, muss ein Anderer die Führung im Jüngerkreis übernehmen. Die Jünger wollen klären, wer zukünftig das Sagen bei ihnen hat. Jesus stellt die normale
Lebenswelt der kommenden christlichen Gemeinschaft gegenüber. Er verlangt
von den Jüngern, dass bei ihnen die normale Hierarchie durchbrochen
wird, wie Jesus sie selbst durchbrochen hat. In der Welt, so stellt er
fest, gibt es ein klares Machtgefüge. Demokratien wie die, in der
wir leben, gab es damals nicht. Wäre die Jüngerschar, wäre
die Gemeinde ein solches weltliches Machtgefüge, sähe sie so
aus:
In der Gemeinde hat Jesus die Macht. Er ist das Haupt der Gemeinde, ihr Zentrum und ihr Herz. Ohne ihn ist die Gemeinde tot, ohne Jesu Geist fällt die Gemeinde in sich zusammen wie ein Luftballon, der ein Loch hat. Nach weltlichen Maßstäben lässt der, der die Macht hat, die Puppen tanzen, klatscht die Kellner herbei, lässt andere dienen. Jesus aber verlässt seinen Herrschaftsbereich bei Tisch und wird selbst zum Kellner. Er lässt die Gemeinde nicht wie Marionetten der Augsburger Puppenkiste tanzen, sondern lädt sie ein, sich an den Tisch zu setzen und sich von ihm bedienen zu lassen. Er fragt jeden einzelnen Gast: Was kann ich dir bringen? Was kann ich für dich tun, damit du froh und voller Zuversicht leben kannst, wie Gott es für dich vorgesehen hat? Vordergründige Wünsche fallen uns vielleicht ein – endlich mal ausschlafen, eine Woche Urlaub, ein Lob am Arbeitsplatz, mit der Freundin essen gehen. Doch tief in uns stecken vielleicht noch andere Wünsche:
Jesus übt Herrschaft aus, indem er dient. Er ist darin Vorbild für die Gemeinde, die einander und dieser Welt dienen kann, um Heilung zu ermöglichen. Nicht ein Puppenspieler hat die Macht, die Fäden in der Hand und alle tanzen, sondern wir sind einander zugeordnet im Dienen füreinander. Dienst beginnt im Kopf Sehr unterschiedliche Auswirkungen haben die Motivationen. Geht es mir um meine eigenen Ziele, meinen Selbstwert, habe ich bei allem Dienst mich selbst im Blick. Der Andere ist Mittel zum Zweck. Ich diene nicht ihm, sondern er dient mir. Stellen wir uns eine Tischszene mit diesem Hintergrund vor. Wenn der Kellner sich selbst im Blick hat, wird er nicht wirklich auf die Bedürfnisse des Gastes eingehen können. Er wird sich ihm anbiedern, um zu gefallen, er wird schon beim Getränkeaufnehmen ans Trinkgeld denken und sich ärgern, wenn nur Mineralwasser bestellt wird, er wird ärgerlich werden, wenn ihm die Aufmerksamkeit versagt wird, weil die Gäste zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Ganz anders die Auswirkungen, wenn ich etwas tue, weil ich Jesu Dienst selbst erlebt habe: Ich habe den Anderen im Blick und will ihm dienen. Ich bin in meinem Dienst verlässlich und verbindlich und schmeiße bei Enttäuschungen nicht gleich alles hin. Ich erfülle eine Aufgabe, egal, ob ich gelobt werde oder nicht, ob ich im Rampenlicht oder im Keller stehe. Ich habe bei meinem Dienst die Gemeinde im Blick. Was braucht die Gemeinde? Womit kann ich der Gemeinde dienen? Der Dienst gibt mir eine gewisse Erdung. Denn ich lerne meine Mitgeschwister in der Gemeinde und meine Mitmenschen in anderen Zusammenhängen aus verschiedenen Perspektiven kennen. Einmal serviere ich den Tee nach dem Gottesdienst, einmal dient ein Anderer mir. Einmal freue ich mich, ein Abendprogramm als Teilnehmer genießen zu dürfen, einmal bin ich für das Programm wieder selbst verantwortlich. Theoretisch ist das klar. In einer Dienstgemeinschaft hat keiner Macht über den Anderen. Alle haben das Beste füreinander im Sinn. Die Praxis sieht bisweilen anders aus. Anstatt einander liebevoll zu dienen und aufeinander zuzugehen, gibt es Streit um Richtig oder Falsch. Es geschehen Ausgrenzungen, Rechthaberei, Unversöhnlichkeit, Hintenrum-Gerede, man ist stur und nimmt einen Tunnelblick ein. Dass dies nicht nur in der eigenen Gemeinde vorkommt, sondern weit verbreitet ist, beweist eine Fülle von Literatur zum Thema. Warum scheitern wir so schnell am Dienst aneinander? In dem Arbeitsbuch zur Aktion 2012 „Glaube am Montag“ fand ich zwei interessante Gedanken.
Neue Freude zum Dienst Reinigung der Gedanken ist ein notwendiger Prozess. So schnell schleicht sich das sehr menschliche Vergleichen ein. Wir sehen die Anderen und messen uns mit ihnen. Wir werden sauer, wenn wir dreimal Teedienst machen, Andere nie. Wir zählen die Stühle ab, die wir tragen und die der Andere trägt. Das bringt uns nicht weiter. Wir kochen keinen Tee und tragen keinen Stuhl, weil wir im Wettbewerb sind. Wir tun es, weil wir Jesus eine Freude machen und seinen Kindern diese grenzenlose Liebe Jesu zeigen wollen. Was haben die Anderen damit zu tun? Kann ich sie durch mein Vergleichen erziehen? Bekommen sie ein schlechtes Gewissen, wenn ich sauer schaue und stöhne? Wohl eher nicht. Wie anders wirkt es, wenn jemand mich ohne Vorwurf fragt, ob ich ihm helfen kann – wer von uns würde denn nicht helfen, wenn er dazu in der Lage wäre? Die Gedanken des Vergleichens kommen, wir können sie nicht totschlagen, aber wir können unsere Gedanken reinigen, Jesus um Vergebung bitten, uns von ihm zeigen lassen, wo unser Dienen nötig ist, dass andere Liebe erfahren und ein Arbeitszweig Liebe verströmt. Die Gemeinde können wir bei unserem Dienen in den Blick bekommen. Sie hat einen Auftrag. Es wäre hilfreich, wir könnten uns darüber verständigen. Was fördert unseren Dienst aneinander und an der Welt? Was braucht unsere Umgebung von uns? Jesus sagte zu den Jüngern: „Ihr habt mit mir durchgehalten in allen Prüfungen, die ich zu bestehen hatte.“ Noch liegt das kapitale Scheitern der Jünger mit Verrat und Flucht noch vor ihnen, und doch sagt Jesus ihnen schon jetzt zu, dass sie durchhalten werden. Nicht, weil sie es schaffen könnten, sondern weil Jesus für seine Nachfolger und Nachfolgerinnen einsteht und ihnen immer wieder hilft, Neuanfänge zu wagen. Jesus weiß, wir werden scheitern, wir werden lieber die Ober herbeiklatschen, als selbst Ober sein, wir werden nach menschlicher Größe streben und nicht gerne die Kleinsten sein, wir werden unsere Interessen verfolgen, statt Jesu Auftrag ernst zu nehmen. Doch er lässt uns auch in unserer Schwäche nicht fallen. Er ermutigt uns, neue Verhaltensmuster auszuprobieren, zuzuhören, statt zu bestimmen, danach zu fragen was der Andere braucht. Wenn wir jetzt am Tisch des Herrn Abendmahl nehmen, so wollen wir uns anschließend den Friedensgruß weitergeben – als ein Zeichen, dass wir bereit sind, füreinander da zu sein und einzustehen. Cornelia
Trick
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