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Gottesdienst am 19.11.2017
in Brombach
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
wir saßen als Geburtstagsgesellschaft
beieinander. Es war ein runder Geburtstag, und die ganze Familie war beisammen.
Da fragte eine: „Erzähle doch mal von deinen Wurzeln. Aus welcher
Familie kommst du eigentlich?“ Ein lebhaftes Gespräch entspann sich.
Nicht nur sie kam zu Wort, auch andere fingen an, über ihre Herkunft
Erinnerungen auszutauschen.
Wir gehen mit großen
Schritten auf den Geburtstag Jesu zu. Auch Jesus kam nicht aus dem Nichts,
auch er hatte eine Vorgeschichte. Diesen Spuren aus der Vergangenheit folgen
wir gerade und kommen heute zu einem Mann, nach dem ein biblisches Buch
benannt ist, obwohl seine Geschichte nur 2 Seiten füllt, Jona.
Jona wird geschichtlich
in das 8. Jahrhundert vor Christus eingeordnet. Die Assyrer waren die beherrschende
Macht im Vorderen Orient und erklärte Feinde Israels. Hauptstadt war
Ninive, das heutige Mosul im Irak. Doch neben dem geschichtlichen Interesse,
das man vielleicht für die Figur des Jona haben kann, interessiert
hier, wie Jona durchscheinend wird für Jesus und sogar für
uns heute. Jona, das Transparentpapier, das unser Leben in neuem Licht
erscheinen lässt.
Kurz ist die Erzählung
wiederzugeben:
Jona ist Berater des Königs
Jerobeam im Nordreich Israel. Er ist Hofprediger und hat eine sichere Position.
Aus diesem unbefristeten Arbeitsverhältnis ruft Gott Jona heraus.
Er soll Ninive, der Stadt ohne Gott, Gericht ansagen. Ninive wird untergehen,
wenn die Bewohner so weiter machen wie bisher. Jona reagiert mit einem
natürlichen Fluchtinstinkt. Er rennt weg in die entgegengesetzte Richtung,
besteigt ein Schiff nach Spanien und will um nichts in der Welt den Feinden
Israels den Untergang voraussagen. Doch Gott holt ihn auf dem Mittelmeer
ein, ein schwerer Seesturm bringt das Schiff in Bedrängnis, während
Jona seelenruhig schläft. Die Seeleute sind verzweifelt und wecken
schließlich Jona, bitten ihn, seinen Gott um Hilfe anzurufen. Jona
allerdings weiß genau, was es mit dem Sturm auf sich hat. Er lässt
sich über Bord werfen, und sofort ist das Meer ruhig. Statt zu sterben
wird Jona von einem Fisch oder Wal gerettet, der ihm im Bauch Asyl gibt.
3 Tage verbringt er dort, von dieser Zeit ist uns ein Psalm übermittelt:
Jona 2,3-10
»In meiner Not rief
ich zu dir, HERR,
und du hast mir geantwortet.
Aus der Tiefe der Totenwelt
schrie ich zu dir
und du hast meinen Hilfeschrei
vernommen.
Du hattest mich mitten
ins Meer geworfen,
die Fluten umgaben mich;
alle deine Wellen und
Wogen
schlugen über mir
zusammen.
Ich dachte schon,
du hättest mich aus
deiner Nähe verstoßen,
deinen heiligen Tempel
würde ich nie mehr sehen.
Das Wasser ging mir bis
an die Kehle.
Ich versank im abgrundtiefen
Meer,
Schlingpflanzen wanden
sich mir um den Kopf.
Ich sank hinunter bis
zu den Fundamenten der Berge
und hinter mir schlossen
sich die Riegel der Totenwelt.
Aber du, HERR, mein Gott,
hast mich lebendig aus
der Grube gezogen.
Als mir die Sinne schwanden,
dachte ich an dich
und mein Gebet drang zu
dir in deinen heiligen Tempel.
Wer sich auf nichtige
Götzen verlässt,
bricht dir die Treue.
Ich aber will dir danken
und dir die Opfer darbringen,
die ich dir versprochen
habe;
denn du, HERR, bist mein
Retter.«
Wieder hört Jona Gottes
Ruf, und nun geht er nach Ninive und verkündet dort den Untergang
innerhalb von 40 Tagen. Die Bevölkerung hört die Drohung und
vom König bis zu den kleinen Leuten geschieht ein Ruck, sie bereuen
ihren falschen Lebenswandel, bitten Gott um Vergebung und machen einen
Neuanfang. Gott freut sich und verschont Ninive. Doch Jona ist sauer. Gott
ist gnädig trotz des großen Unrechts der Feinde. Der Feind Israels
bekehrt sich, wie steht Jona nun auch vor dem eigenen König da? Gott
gibt Jona eine Lektion. Während Jona sich Ninive aus dem Abstand bei
glühender Sonne anschaut, lässt Gott eine Pflanze wachsen, die
Jona Schatten gibt. Jona freut sich und ist umso mehr aufgebracht, als
die am nächsten Tag verdorrt ist. Gott gibt ihm zu verstehen: „Du
trauerst um deine „Klimaanlage“, ich trauerte um Menschen, die ich ins
Leben gerufen habe. Mir sollte die Stadt mit 120.000 Einwohnern nicht leidtun?“
Das Jonabuch endet mit
diesem Fragezeichen und wird transparent für Jesus. Auch Jesus wurde
von Gott gesandt, um Menschen in die Beziehung zu Gott zurückzurufen.
Auch Jesus war drei Tage im Dunkeln, bevor er auferstand und seine Botschaft
die ganze Welt erfüllte. In seiner Nachfolge sind wir immer noch wie
Jona unterwegs, um anderen den Weg zu Gott zu zeigen. Jesus kam, weil Gott
Sehnsucht nach seinen in sich selbst verstrickten Menschen hat und sie
ihm leidtun.
Die Prophetenerzählung
wird aber auch transparent für unser eigenes Leben.
Gott redet mit uns
Er tut es nicht immer
direkt, oft indirekt durch Zeichen, Umstände und andere Menschen.
Doch wenn er redet, dann verstehen wir es in der Regel auch sehr gut. Vielleicht
spricht er heikle Punkte in unserem Leben an, Beziehungsfragen, wo wir
für andere Partei ergreifen, wo wir Courage zeigen, wo wir anderen
Wegbegleiter werden sollten. Instinktiv liegt dann Flucht nahe. „Ich habe
mich sicher verhört – das kann keiner von mir verlangen – die anderen
sind zuerst dran“. Aber Gott geht nach und holt ein. Wir müssen nicht
immer über Bord gehen, aber manchmal empfinden wir es, als ob er uns
an der Schulter packt.
Schlafen, während
die Welt untergeht
Die Seeleute sind in heller
Aufregung. Sie werfen ihre kostbare Ladung ab, das heißt, falls sie
den Sturm überleben, werden sie bis ans Lebensende verschuldet sein.
Und was macht Jona? Er schläft, scheint mit den Problemen nichts zu
tun zu haben. Irgendwie erinnert mich dieses Verhalten durchaus an mich
selbst. Der Klimagipfel hat gerade getagt. Wissenschaftler sind in großer
Sorge um unsere Erde. Eine Rettung scheint so gut wie unmöglich. Und
was mache ich? Ich höre die Nachrichten und bin in Gedanken schon
beim nächsten Termin. Statt diesen Gipfel im Gebet intensiv zu begleiten,
schüttele ich den Kopf über die Alternative Kohle-Atomkraft.
Wartet Gott auf uns Christen und unsere Gebete? Wir trauen Gott „alles“
zu – vor allem, dass er uns ein sorgenfreies Leben schenkt, aber dass er
unserer Erde eine zweite Chance gibt, das offenbar eher nicht.
Zeit im Bauch des Fisches
Jonas Verwandlung geschieht
im Bauch des Meerestieres. Dort ist der Psalm platziert, der von jedem
von uns in der je eigenen Lebenssituation auch außerhalb von Fischbäuchen
gebetet werden kann. In der Tiefe hatte Jona eine Begegnung mit Gott: „Du
hast mich lebendig aus der Grube gezogen.“ Not lehrt beten, gut, wenn man
es schon vorher eingeübt hat. Wenn wir jemand, der mit einem Kummer
zu uns kommt, ermutigen, das Gespräch mit Gott zu suchen, vertrösten
wir ihn nicht, sondern geben ihm Hilfe zum Leben. Gott wird helfen, auch
wenn wir es nicht können.
Jona bekommt einen Auftrag
Nach seiner Auszeit fiel
es Jona offenbar leicht, Gottes Rufen zu hören und danach zu handeln.
Sein Herz war nun offen für Gottes Weg mit ihm. Aus der neuen Beziehung
zu Gott schöpfte Jona Kraft für seinen Auftrag. Wir müssen
nicht erst in einen Fischbauch fallen, um diese Beziehung zu Gott zu pflegen.
Schon ein paar Minuten der Besinnung helfen, um wieder neu Mut zu fassen,
die Lebensaufgaben anzupacken – mit Gottes Hilfe. Wer allerdings diese
täglichen Minuten einspart, der kann auch mal in einen Fischbauch
geraten, z.B. eine Krankheitszeit, die ihm vorkommt, als hätte Gott
ihn für einen Privatunterricht beiseite genommen.
Der Ärger des Jona
Gott mutet uns eine lebenslange
Charakterschule zu. Für mich persönlich vergleiche ich diese
Schule mit meiner Zahnschiene. Über viele Jahre wurde die Zahnstellung
in meinem Mund korrigiert, bis die Ärztin mit dem Ergebnis zufrieden
war. Nun hätte ich eigentlich die Zahnspange gerne in den Müll
geworfen, doch weit gefehlt. Schon ein Tag ohne die Halteschiene ist deutlich
spürbar, am Abend zieht es an den Zähnen. So formt Gott unseren
Charakter. Wenn wir den Schritt gemacht haben und Jesus in unser Leben
eingeladen haben, ist alles gut, aber es bleibt nicht von sich aus gut.
Wir brauchen Korrektur und Begleitung täglich. Sonst geht es uns wie
Jona. Statt in Ninive Glaubenskurse zu halten und Gottesdienste zu feiern,
wollte er die Stadt brennen sehen.
Charakterschule ist auch
eine Gemeinde. Wir haben hier Gottes Auftrag, die „Babys“ im Glauben zu
begleiten. Sie sollten uns am Herzen liegen, nicht zuerst unser eigenes
Wohlfühlklima, unsere Klimaanlagen-Pflanzen. Das macht sich an verschiedenen
Themen fest. In einer Gemeinde stand der Kicker zentral in der Garderobe.
Natürlich waren die Jugendlichen sehr enthusiastisch beim Spielen
nach dem Gottesdienst. Sollte das die Älteren nicht von Herzen freuen?
Die jungen Leute waren zum Gottesdienst gekommen, das ist ja wirklich etwas
Besonderes. Doch statt sich über ihre Lebensfreude zu freuen, waren
sie aufgebracht, dass sie nicht ungestört mit der Freundin reden konnten.
Da hätten sie einfach in einen anderen Raum gehen müssen, aber
der Weg war zu weit.
Keine Garantien
Wir lesen von Ninive und
freuen uns von Herzen, die Feinde Israels haben Gott erlebt und sind nun
mit ihm unterwegs. Ökumene ist möglich. Doch schon 140 Jahre
später liegt die Stadt in Schutt und Asche. Die Begeisterung für
Gott hatte nicht lange angehalten. Sie sind wieder ihren eigenen Beratern
gefolgt und dem nächsten Weltreich zum Opfer gefallen.
Die Niniviten erinnern
uns, die Schlummertaste am Wecker abzuschalten. Wir werden durch die Weltereignisse
mehr als aufgerüttelt, wir werden durch persönliche Erfahrungen
zum Nachdenken gebracht. Wenn wir die Schlummertaste drücken, bleibt
alles beim Alten. Doch Jesus möchte uns Mut machen, die Aufgaben
anzupacken. Wir brauchen dafür Unterstützung, in der Gemeinde,
in Teams, in unseren Kleingruppen erfahren wir sie. Und wir werden erleben,
dass Gott handelt wie damals.
Jona und Jesus
Jona ist ein Hinweisschild
auf Jesus. Aus eigener Kraft können wir uns nicht anders verhalten
als Jona damals, doch mit Jesus kann es gelingen: Wir hören Gottes
Rufen, wir reagieren darauf, wir freuen uns über jeden und jede, die
Jesus begegnet ist und ihr Leben verändert.
„In
meiner Not rief ich zu dir, HERR,
und du hast mir geantwortet.“
(Jona
2,3)
Cornelia
Trick
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