Jesus auf der Spur: Jona (Jona 2,3-10)
Gottesdienst am 19.11.2017 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
wir saßen als Geburtstagsgesellschaft beieinander. Es war ein runder Geburtstag, und die ganze Familie war beisammen. Da fragte eine: „Erzähle doch mal von deinen Wurzeln. Aus welcher Familie kommst du eigentlich?“ Ein lebhaftes Gespräch entspann sich. Nicht nur sie kam zu Wort, auch andere fingen an, über ihre Herkunft Erinnerungen auszutauschen.

Wir gehen mit großen Schritten auf den Geburtstag Jesu zu. Auch Jesus kam nicht aus dem Nichts, auch er hatte eine Vorgeschichte. Diesen Spuren aus der Vergangenheit folgen wir gerade und kommen heute zu einem Mann, nach dem ein biblisches Buch benannt ist, obwohl seine Geschichte nur 2 Seiten füllt, Jona.

Jona wird geschichtlich in das 8. Jahrhundert vor Christus eingeordnet. Die Assyrer waren die beherrschende Macht im Vorderen Orient und erklärte Feinde Israels. Hauptstadt war Ninive, das heutige Mosul im Irak. Doch neben dem geschichtlichen Interesse, das man vielleicht für die Figur des Jona haben kann, interessiert hier, wie Jona durchscheinend wird für Jesus und  sogar für uns heute. Jona, das Transparentpapier, das unser Leben in neuem Licht erscheinen lässt.

Kurz ist die Erzählung wiederzugeben:
Jona ist Berater des Königs Jerobeam im Nordreich Israel. Er ist Hofprediger und hat eine sichere Position. Aus diesem unbefristeten Arbeitsverhältnis ruft Gott Jona heraus. Er soll Ninive, der Stadt ohne Gott, Gericht ansagen. Ninive wird untergehen, wenn die Bewohner so weiter machen wie bisher. Jona reagiert mit einem natürlichen Fluchtinstinkt. Er rennt weg in die entgegengesetzte Richtung, besteigt ein Schiff nach Spanien und will um nichts in der Welt den Feinden Israels den Untergang voraussagen. Doch Gott holt ihn auf dem Mittelmeer ein, ein schwerer Seesturm bringt das Schiff in Bedrängnis, während Jona seelenruhig schläft. Die Seeleute sind verzweifelt und wecken schließlich Jona, bitten ihn, seinen Gott um Hilfe anzurufen. Jona allerdings weiß genau, was es mit dem Sturm auf sich hat. Er lässt sich über Bord werfen, und sofort ist das Meer ruhig. Statt zu sterben wird Jona von einem Fisch oder Wal gerettet, der ihm im Bauch Asyl gibt. 3 Tage verbringt er dort, von dieser Zeit ist uns ein Psalm übermittelt:

Jona 2,3-10
»In meiner Not rief ich zu dir, HERR,
und du hast mir geantwortet.
Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir
und du hast meinen Hilfeschrei vernommen.
Du hattest mich mitten ins Meer geworfen,
die Fluten umgaben mich;
alle deine Wellen und Wogen
schlugen über mir zusammen.
Ich dachte schon,
du hättest mich aus deiner Nähe verstoßen,
deinen heiligen Tempel würde ich nie mehr sehen.
Das Wasser ging mir bis an die Kehle.
Ich versank im abgrundtiefen Meer,
Schlingpflanzen wanden sich mir um den Kopf.
Ich sank hinunter bis zu den Fundamenten der Berge
und hinter mir schlossen sich die Riegel der Totenwelt.
Aber du, HERR, mein Gott,
hast mich lebendig aus der Grube gezogen.
Als mir die Sinne schwanden, dachte ich an dich
und mein Gebet drang zu dir in deinen heiligen Tempel.
Wer sich auf nichtige Götzen verlässt,
bricht dir die Treue.
Ich aber will dir danken
und dir die Opfer darbringen,
die ich dir versprochen habe;
denn du, HERR, bist mein Retter.«

Wieder hört Jona Gottes Ruf, und nun geht er nach Ninive und verkündet dort den Untergang innerhalb von 40 Tagen. Die Bevölkerung hört die Drohung und vom König bis zu den kleinen Leuten geschieht ein Ruck, sie bereuen ihren falschen Lebenswandel, bitten Gott um Vergebung und machen einen Neuanfang. Gott freut sich und verschont Ninive. Doch Jona ist sauer. Gott ist gnädig trotz des großen Unrechts der Feinde. Der Feind Israels bekehrt sich, wie steht Jona nun auch vor dem eigenen König da? Gott gibt Jona eine Lektion. Während Jona sich Ninive aus dem Abstand bei glühender Sonne anschaut, lässt Gott eine Pflanze wachsen, die Jona Schatten gibt. Jona freut sich und ist umso mehr aufgebracht, als die am nächsten Tag verdorrt ist. Gott gibt ihm zu verstehen: „Du trauerst um deine „Klimaanlage“, ich trauerte um Menschen, die ich ins Leben gerufen habe. Mir sollte die Stadt mit 120.000 Einwohnern nicht leidtun?“

Das Jonabuch endet mit diesem Fragezeichen und wird transparent für Jesus. Auch Jesus wurde von Gott gesandt, um Menschen in die Beziehung zu Gott zurückzurufen. Auch Jesus war drei Tage im Dunkeln, bevor er auferstand und seine Botschaft die ganze Welt erfüllte. In seiner Nachfolge sind wir immer noch wie Jona unterwegs, um anderen den Weg zu Gott zu zeigen. Jesus kam, weil Gott Sehnsucht nach seinen in sich selbst verstrickten Menschen hat und sie ihm leidtun.
Die Prophetenerzählung wird aber auch transparent für unser eigenes Leben.

Gott redet mit uns
Er tut es nicht immer direkt, oft indirekt durch Zeichen, Umstände und andere Menschen. Doch wenn er redet, dann verstehen wir es in der Regel auch sehr gut. Vielleicht spricht er heikle Punkte in unserem Leben an, Beziehungsfragen, wo wir für andere Partei ergreifen, wo wir Courage zeigen, wo wir anderen Wegbegleiter werden sollten. Instinktiv liegt dann Flucht nahe. „Ich habe mich sicher verhört – das kann keiner von mir verlangen – die anderen sind zuerst dran“. Aber Gott geht nach und holt ein. Wir müssen nicht immer über Bord gehen, aber manchmal empfinden wir es, als ob er uns an der Schulter packt.

Schlafen, während die Welt untergeht
Die Seeleute sind in heller Aufregung. Sie werfen ihre kostbare Ladung ab, das heißt, falls sie den Sturm überleben, werden sie bis ans Lebensende verschuldet sein. Und was macht Jona? Er schläft, scheint mit den Problemen nichts zu tun zu haben. Irgendwie erinnert mich dieses Verhalten durchaus an mich selbst. Der Klimagipfel hat gerade getagt. Wissenschaftler sind in großer Sorge um unsere Erde. Eine Rettung scheint so gut wie unmöglich. Und was mache ich? Ich höre die Nachrichten und bin in Gedanken schon beim nächsten Termin. Statt diesen Gipfel im Gebet intensiv zu begleiten, schüttele ich den Kopf über die Alternative Kohle-Atomkraft. Wartet Gott auf uns Christen und unsere Gebete? Wir trauen Gott „alles“ zu – vor allem, dass er uns ein sorgenfreies Leben schenkt, aber dass er unserer Erde eine zweite Chance gibt, das offenbar eher nicht.

Zeit im Bauch des Fisches
Jonas Verwandlung geschieht im Bauch des Meerestieres. Dort ist der Psalm platziert, der von jedem von uns in der je eigenen Lebenssituation auch außerhalb von Fischbäuchen gebetet werden kann. In der Tiefe hatte Jona eine Begegnung mit Gott: „Du hast mich lebendig aus der Grube gezogen.“ Not lehrt beten, gut, wenn man es schon vorher eingeübt hat. Wenn wir jemand, der mit einem Kummer zu uns kommt, ermutigen, das Gespräch mit Gott zu suchen, vertrösten wir ihn nicht, sondern geben ihm Hilfe zum Leben. Gott wird helfen, auch wenn wir es nicht können.

Jona bekommt einen Auftrag
Nach seiner Auszeit fiel es Jona offenbar leicht, Gottes Rufen zu hören und danach zu handeln. Sein Herz war nun offen für Gottes Weg mit ihm. Aus der neuen Beziehung zu Gott schöpfte Jona Kraft für seinen Auftrag. Wir müssen nicht erst in einen Fischbauch fallen, um diese Beziehung zu Gott zu pflegen. Schon ein paar Minuten der Besinnung helfen, um wieder neu Mut zu fassen, die Lebensaufgaben anzupacken – mit Gottes Hilfe. Wer allerdings diese täglichen Minuten einspart, der kann auch mal in einen Fischbauch geraten, z.B. eine Krankheitszeit, die ihm vorkommt, als hätte Gott ihn für einen Privatunterricht beiseite genommen.

Der Ärger des Jona
Gott mutet uns eine lebenslange Charakterschule zu. Für mich persönlich vergleiche ich diese Schule mit meiner Zahnschiene. Über viele Jahre wurde die Zahnstellung in meinem Mund korrigiert, bis die Ärztin mit dem Ergebnis zufrieden war. Nun hätte ich eigentlich die Zahnspange gerne in den Müll geworfen, doch weit gefehlt. Schon ein Tag ohne die Halteschiene ist deutlich spürbar, am Abend zieht es an den Zähnen. So formt Gott unseren Charakter. Wenn wir den Schritt gemacht haben und Jesus in unser Leben eingeladen haben, ist alles gut, aber es bleibt nicht von sich aus gut. Wir brauchen Korrektur und Begleitung täglich. Sonst geht es uns wie Jona. Statt in Ninive Glaubenskurse zu halten und Gottesdienste zu feiern, wollte er die Stadt brennen sehen.

Charakterschule ist auch eine Gemeinde. Wir haben hier Gottes Auftrag, die „Babys“ im Glauben zu begleiten. Sie sollten uns am Herzen liegen, nicht zuerst unser eigenes Wohlfühlklima, unsere Klimaanlagen-Pflanzen. Das macht sich an verschiedenen Themen fest. In einer Gemeinde stand der Kicker zentral in der Garderobe. Natürlich waren die Jugendlichen sehr enthusiastisch beim Spielen nach dem Gottesdienst. Sollte das die Älteren nicht von Herzen freuen? Die jungen Leute waren zum Gottesdienst gekommen, das ist ja wirklich etwas Besonderes. Doch statt sich über ihre Lebensfreude zu freuen, waren sie aufgebracht, dass sie nicht ungestört mit der Freundin reden konnten. Da hätten sie einfach in einen anderen Raum gehen müssen, aber der Weg war zu weit. 

Keine Garantien
Wir lesen von Ninive und freuen uns von Herzen, die Feinde Israels haben Gott erlebt und sind nun mit ihm unterwegs. Ökumene ist möglich. Doch schon 140 Jahre später liegt die Stadt in Schutt und Asche. Die Begeisterung für Gott hatte nicht lange angehalten. Sie sind wieder ihren eigenen Beratern gefolgt und dem nächsten Weltreich zum Opfer gefallen.

Die Niniviten erinnern uns, die Schlummertaste am Wecker abzuschalten. Wir werden durch die Weltereignisse mehr als aufgerüttelt, wir werden durch persönliche Erfahrungen zum Nachdenken gebracht. Wenn wir die Schlummertaste drücken, bleibt alles beim Alten. Doch Jesus möchte uns Mut machen, die  Aufgaben anzupacken. Wir brauchen dafür Unterstützung, in der Gemeinde, in Teams, in unseren Kleingruppen erfahren wir sie. Und wir werden erleben, dass Gott handelt wie damals.

Jona und Jesus
Jona ist ein Hinweisschild auf Jesus. Aus eigener Kraft können wir uns nicht anders verhalten als Jona damals, doch mit Jesus kann es gelingen: Wir hören Gottes Rufen, wir reagieren darauf, wir freuen uns über jeden und jede, die Jesus begegnet ist und ihr Leben verändert.

In meiner Not rief ich zu dir, HERR,
und du hast mir geantwortet.“ (Jona 2,3)

Cornelia Trick


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