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Liebe Gemeinde,
John Wesley wirkte als Pfarrer unter Bergarbeitern und armen Menschen. Sie wurden im 18. Jahrhundert ausgebeutet, allein gelassen ohne Kirche, ohne Hoffnung, ohne soziale Betreuung. Ihnen sprach er eine biblische Grundaussage zu: „Gott sieht dich und liebt dich!“ Du bist nicht nur wertvoll als Arbeitsbiene, sondern du hast Wert, weil Gott dich will. Daneben kümmerte er sich intensiv darum, ihre Lebensbedingungen zu verändern, Bildung, menschenwürdige Arbeitsplätze und Auskommen zu ermöglichen. Die Menschen veränderten sich durch diese Botschaft und das spürbare Wirken des Heiligen Geistes. Sie entfalteten sich wie Blumenknospen, die von der Sonne berührt werden und sich öffnen. Sie wachten morgens auf mit dem Gedanken: „Gott ist mit mir, meine Arbeit hat Wert, mein Leben hat Sinn“, und sie gingen nach einem langen, entbehrungsreichen Arbeitstag zu Bett in dem Wissen: „Gott war bei mir, und er wacht über mir“. Doch wie sollten sie ihren Alltag gestalten? Wie konnten sie in ihrem Umfeld, unter den Bedingungen der Arbeitswelt des 18. Jahrhunderts, Gottes Willen gemäß leben? John Wesley verfasste deshalb für sie die Allgemeinen Regeln, heute hätte er wahrscheinlich Youtube- Filme ins Netz gestellt. Er fand drei einfache Überschriften:
Das Beispiel aus der Fußgängerzone zeigt, dass es so einfach sein kann, aber es ist nicht selbstverständlich, Anleitung kann hilfreich sein. So sah das auch Jakobus, der einen ganzen Brief an die ersten Gemeinden schickte, um ihnen klar zu machen, dass Glaube praktisch werden muss. Sonst ist es wie mit meinen lateinischen Vokabeln in der Schulzeit, die ich paukte, aber nie einen vollständigen Alltagssatz auf Latein sprechen konnte. Nun kommt es bei Latein meistens nicht darauf an, dass wir es fließend sprechen, beim Glauben aber schon. Den sollten wir umsetzen und in den Alltag bringen. Jakobus 2,14-20
Jakobus erlebte in christlichen Gemeinden offenbar, wie man unbarmherzig miteinander umging, es an Sensibilität füreinander fehlen ließ und sich ignorierte. Das geschah sogar zu einer Zeit, als Zusammenleben noch viel selbstverständlicher war und der Individualismus noch nicht modern war. Wieviel mehr werden wir heute den Aufruf des Jakobus brauchen. Er war der Überzeugung, das unsoziales, egoistisches Verhalten die Gemeinschaft zerstört. Einander Gutes zu tun, verstand er nicht als Bedingung des Glaubens, sondern als notwendigen Ausdruck. Liebe zu Gott wird sichtbar im Verhalten und zeigt sich am Umgang mit dem Nächsten. Allein das Bekenntnis reicht nicht. Ganz ähnlich ist das ja auch mit unseren Liebesbekundungen. Wenn ich lautstark verkünde, ich liebe Blumen, dann wird diese Liebe erst real, wenn sie sich in meinem Umgang mit Blumen ausdrückt. Wenn ich meine Zimmerpflanzen achtlos verdorren lasse, wird mir niemand dieses Bekenntnis abnehmen. Jakobus rüttelt an Kirchenbänken. Er ruft zu: „Seid euch nicht so sicher, dass ihr alles richtig macht. Wenn ihr wirklich zu Jesus gehört, lasst euch auf ihn ein, lasst euch seinen Blick für das Gute schenken.“ Dabei ist nicht Angst vor Gott die Motivation, Gott ist nicht ein Zitter-Gott, dem man es recht machen muss, um nicht gestraft zu werden, sondern Quelle der Liebe, er will uns füllen und so satt machen, dass die Liebe überfließt. Was bedeutet Gutes tun?
1. Menschen in Not beistehen
Es waren immer Einzelne, die um seine Hilfe baten oder die zu ihm gebracht wurden. Bartimäus, der Kranke am Teich Bethesda, der Blinde am Teich Siloah, die Frau, die jahrelang Blutungen hatte, Eltern mit ihren Kindern. Jesus reagierte spontan auf das, was vor seinen Füßen lag. Er wusste sich von Gott berufen zu handeln. Er lief nicht in den Ortschaften herum und suchte sich Kranke zusammen, um tolle Wunder an ihnen zu tun. Er ließ sich ein auf das, was gerade um ihn geschah und handelte. Wenn ich das auf mich übertrage, so stelle ich fest, dass meine Verbindung zu Gott nicht mit der Jesu vergleichbar ist. Ich lebe nicht jeden Atemzug mit Gott, es gibt auch viele Atemzüge, in denen ich mein eigenes Ding mache. Doch mir wird bewusst, dass es mit dieser Verbindung anfängt. Da werde ich nämlich aufmerksam auf die Situation, wo ich mit Gottes Kraft helfen kann. Manchmal sind es Einzelschicksale, bestimmte einmalige Gelegenheiten. Manche beruft er auch im großen Stil, Hilfe zu organisieren, Häuser der Hilfe zu bauen, Rettungsstationen ins Leben zu rufen. Aber immer läuft es ähnlich wie in folgenden Schritten:
Bei konkreter Not ist oft Soforthilfe nötig. Bei diesem Punkt hier geht es eher um längerfristige Weggemeinschaft, einen Weg, wie ihn Jesus mit seinen Jüngern zurücklegte. Das setzt voraus, dass ich bereit bin, für den anderen Verantwortung zu übernehmen.
Wenn wir Menschen an die Hand nehmen, für sie da sind, uns um sie kümmern, dann werden auch wir davon verändert und zu Lernenden. Wir haben die Chance, im Gutes Tun selbst zu wachsen und uns zu verändern. Die, denen wir Gutes tun, tun auch uns Gutes. 3. Glaubensgeschwister
im Alltag unterstützen bei der Arbeit und bei Geschäften
Heute wirkt dieser Hinweis ein bisschen merkwürdig. So direkt können wir eher selten Glaubensgeschwister durch unseren Einkauf unterstützen. Doch wenn es möglich ist, sollten wir es tun. Ein befreundeter Handwerker erzählte mir mal, wie es ihn verletzt hat, als in seiner Gemeinde eine Baumaßnahme durchgeführt wurde, und man ihn bei der Ausschreibung überging. Er war der Gemeinde zu teuer. Doch fast jeden Sonntag kam jemand auf ihn zu, um nachzufragen, ob sein Geschäft denn noch laufe und dass er dafür bete, dass er wieder mehr Aufträge bekam. Das war ein gewisser Widerspruch, den unser Freund sehr wohl registrierte. Und sollten wir nicht den Radius noch größer ziehen? Geht es nur um Christen, die sich gegenseitig unterstützen? Ist nicht damit auch gemeint, faire Arbeitsbedingungen im Blick zu haben, die Händler zu sehen, die unmittelbar in unserer Nachbarschaft leben, und ihnen Gutes zu tun durch unser Kaufverhalten? Sollten nicht auch sie an uns erkennen, dass wir von Gottes Liebe leben und die weitergeben, auch wenn es einen Euro mehr kostet? 4. Fleißig und sparsam
sein
Besonders auf den dritten Punkt, das Geben, kommt es an. Die Liebe fließt über auch aus unserem Portemonnaie. Oft wird eine solche Lebenseinstellung belächelt. Und tatsächlich las ich vor Kurzem eine Studie, die feststellte, dass freigiebige Menschen weniger reich werden als geizige. Das ist ja eigentlich logisch. Doch wer großzügig sein kann, weiß auch, dass Gott für ihn auf andere Weise sorgt. Wer mit Gott im Bunde ist, wird immer an seiner Güte Anteil haben und darf sich aus seiner Vorratskammer bedienen. Dort lagern keine Goldbarren, aber dort lagern Werte wie glückliche Beziehungen, Freundschaften, sinnstiftende Projekte und genug zum Leben, dass es meistens noch für andere reicht. 5. Täglich die Entscheidung
treffen, für Jesus zu leben
Manchmal werden wir auch von denen betrogen, denen wir geholfen haben. Und nicht jeder Euro, den wir jemand in den Hut geworfen haben, wurde in sinnvolle Lebensmittel umgesetzt. Die Gleichung: „Wir tun Gutes, damit wir und die anderen glücklich werden“ geht nicht immer auf. Deshalb brauchen wir die Verbindung zu Gott, der uns auch im Scheitern tröstet, ermutigt und hilft. Der uns Kraft schenkt, auch in aussichtslosen Fällen weiter Gottes Liebe zu investieren, und der uns schützt, dass wir selbst uns in allem Gutes-Tun nicht verlieren, sondern auch uns Gutes tun lassen. Und wir brauchen die Gemeinschaft von Christen, die einsteht, wo wir nicht mehr weiterkommen, die übernimmt, wo wir am Ende sind. Gott ist der, der uns zuerst Gutes tut, davon können wir leben und davon können wir nehmen und das weitergeben. Matthäus 5,14+16
Cornelia
Trick
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