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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Vor knapp drei Wochen sah
ich dann die ersten Entwürfe von Das Thema Trost scheint
auf ein Urbedürfnis von uns Menschen zu reagieren. Der Säugling
schreit in der Wiege, ein sterbender alter Mensch sucht nach der tröstenden
Hand, die ihn hält. Der zur Welt kommt und der aus der Welt geht,
braucht Trost. Und auch in der Zeit dazwischen können wir uns nicht
selbst trösten, werden wir immer wieder eine Hand brauchen, die zufasst
und uns festhält. Unsere Trostbedürftigkeit lässt uns offen
für Hilfe sein, offen für das Evangelium, für Jesus, den
Trost der ganzen Welt, wie es in dem Adventslied „O Heiland reiß
die Himmel auf“ heißt.
Jesaja 66,13 Im Zusammenhang des Jesajabuches spricht Jesaja seinen Leuten Mut zu. Sie sind aus der babylonischen Gefangenschaft heimgekehrt und hatten erwartet, dass nun Gottes Heilszeit anbräche, alles sich zum Guten wende und endlich Friede wäre. Doch schon bald wurden sie desillusioniert. Ihr Traum zerplatzte. Trümmer, Unlust, ein Gefühl der Gottverlassenheit und attraktivere Götter der Babylonier brachten sie ganz schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Jesaja nun erinnert an Gottes Zusagen. Heil und Heilung werden bestimmt kommen. Der Friede wird wie ein Strom fließen, Reichtum wie ein voller, reißender Bach. Gott tröstet sein Volk und streicht ihm liebevoll über den Kopf. Er flüstert ihm ins Ohr: „Alles wird wieder gut!“ Die Zusage des Trostes blieb nicht auf Jesaja beschränkt, immer wieder wird sie in der Bibel aufgegriffen, so auch von Paulus im 2. Korinther 1,3-5. Dort sagt Paulus, dass Gott sich über seine Menschen erbarmt und deshalb der Gott alles Trostes ist. Das Johannesevangelium bezeichnet den Heiligen Geist als den Tröster, der in der Zeit, in der Jesus wieder beim Vater ist, die Gemeinde trösten und ihr Jesu Nähe vermitteln wird. Genauso wie zur Zeit Jesajas und des Neuen Testaments ist auch heute Trost von Gott nötig. Gottes mütterlicher Trost In unserer Jahreslosung wird wohl ganz bewusst die weibliche Seite Gottes herausgestrichen, Gott tröstet wie eine Mutter. Wenn wir diesem Bild einen Augenblick nachhängen, werden uns Urbilder dieses mütterlichen Trostes kommen. Innig tröstet die Mutter, weil sie uns lebenslang kennt und genau beobachtet. Sie weiß um unsere seelische Not, bevor wir es selbst wissen. Wir müssen nicht viel sagen, brauchen uns nur an sie kuscheln, auf ihrem Schoß ist immer ein Platz für uns. Dieses Urbild stimmt nicht unbedingt mit der Realität, wie wir unsere Mütter erlebt haben, überein. Ich bin jedenfalls nicht so eine Mutter, die immer tröstet und genau weiß, was mein Kind fühlt. Ich kann auch einfach genervt die Tür zumachen, weil ich denke, nicht schon wieder! Als ich mit einer Bekannten über mütterlichen Trost sprach, erzählte sie: „Wenn ich mit blutenden Knien nach Hause kam, tröstete mich meine Mutter nicht, sondern schimpfte, dass meine Strumpfhose schon wieder kaputt war, wir hatten früher nicht viel Geld.“ Ja, da finde ich mich wieder. So ist das mit uns Müttern, unser Blick auf die Kinder ist durchaus beschränkt. In unserer Seele jedoch bewahren wir offenbar ein Bild auf, das über jede reale Mutter hinaus auf Gott weist. Die Mutter, wie wir sie in unserem Urbild sehen, hält die Familie zusammen. Wenn Kinder miteinander kämpfen oder streiten, wird sie eingreifen und schlichten. Sie hat einen Blick für jedes Kind und bemüht sich, dass nicht immer die Stärkeren siegen Die Mutter korrigiert. Sie wird nicht immer nur Pflaster auf die Seele kleben, sondern auch nachfragen, warum es zu der Not gekommen ist. Sie wird die Optik zurechtrücken, meinen Anteil am Leid thematisieren und auch die Beweggründe des Angreifers erklären. Sie wird unterscheiden können, ob ich mich in Selbstmitleid bade oder echtes Leid trage. Wenn sie mir die Perspektive wieder zurechtgerückt hat, wird mich die Mutter ermutigen, wieder aufzustehen. Sie zeigt auf Jesus. Er ist auferstanden und zieht mich mit ins Leben, weg vom mütterlichen Schoß. Das Leiden ist längst angezählt, es wird überwunden werden. Und bis dahin ist Jesus, der Sieger, an meiner Seite. Gottes Trost im Heiligen Geist Die Gemeinde ist Trostgemeinschaft, die vom Trost Gottes lebt und ihn weitergibt. Hier können wir den Tröster herbeirufen, ihm unser Leid klagen, unsere Bitten vorbringen, gemeinsam beten. Hier werden wir in besonderer Weise hingewiesen, Frieden zu halten und das Beste füreinander im Sinn zu haben. Hier werden wir korrigiert: Wir stehen nicht im Mittelpunkt des Universums, da sind noch andere, und auch sie haben Bedürfnisse. Hier ist der Ort der Ermutigung. Jesus zieht uns mit sich an die Aufgaben, die er uns aufgetragen hat. Gemeinsam können wir sie bewältigen. Das neue Jahr Als Trostgemeinschaft und Tröstende werden wir in unserem Umfeld auch an Grenzen stoßen. Da ist es gut zu wissen, dass der, der uns tröstet, auch da wirkt, wo wir es nicht mehr können. Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.(2. Korinther 1,3-4) Cornelia
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