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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Dabei ist mir eine Szene
in Erinnerung gekommen. Eine Kindergruppe saß auf dem Boden, jedes
Kind hatte einen Stapel Eisenbahnschienen vor sich und sollte einen Streckenabschnitt
bauen. Die Kinder waren noch klein, so war die Streckenführung eher
spontan und zufällig, nicht durchdacht und zusammen abgesprochen.
Die einzelnen Schienengebilde Menschengeschichte hat viel gemeinsam mit solchen wirren Streckenabschnitten. Manche von uns überschätzen sich und meinen, sie könnten mit ihren paar Schienen schon zum Ziel kommen. Andere kapitulieren gleich und sagen sich, dass sie sowieso nichts Sinnvolles mit ihren paar Schienen zur Gesamtstrecke beitragen können. Wieder andere legen gelangweilt und gleichgültig zwei, drei Schienen hin und kümmern sich nicht weiter um die Aufgabe. Doch Gott hat die ganze Zeit Anfangs- und Zielpunkt im Auge. Er fügt jeden einzelnen Streckenabschnitt so ins Ganze, dass er zum Ziel führt. Er lässt Umwege und Schleifen zu, aber zeigt immer einen Ausweg an, der weiterführt. Oft erst im Nachhinein können wir seine ordnende und kreative Hand entdecken, die die Menschengeschichte nicht abwertet, sondern einbaut und umbaut, um seine Geschichte auch auf krummen Wegen gerade zu schreiben. Besonders spannend wird es, wenn Gottes- und Menschengeschichte unmittelbar aufeinander treffen, Gottes Hand sichtbar die Schienen verlegt und versetzt, um seine Streckenführung voranzubringen. Jesus als Sohn Gottes steht für dieses sichtbare Eingreifen. Ich bin auf eine Szene gestoßen, die sich in Jerusalem kurz vor Jesu Tod abspielte. Nicht eine Kindergruppe baute Schienen, sondern der Hohe Rat überlegte, was er mit Jesus machen sollte. Johannes 11,47-53 Wie es zur Sitzung des Hohen Rates gekommen war ... Nach zwei Tagen kehrte er um und lief wieder nach Bethanien in Richtung Jerusalem, wo sie ihn steinigen wollten. Jesus wurde für Lazarus zu einem Todgeweihten. Er riskierte für Lazarus sein Leben, warf es in die Waagschale, um Lazarus zu retten. Wenn die Schwestern ihn auch mit dem Vorwurf empfingen "Wärst du hier gewesen ...!", so machte er durch seine Umkehr deutlich, dass er die ganze Zeit bei ihnen gewesen ist, dass ihn das Leid und der Tod des Lazarus so berührten, dass er sich selbst für Lazarus in Todesgefahr brachte. Die Auferweckung des toten Lazarus ließ den Blick frei werden für Gottes Bauplan des Schienennetzes. Jesus begab sich in Todesgefahr, um die zu retten, die er liebte. Jesus würde sterben und auferstehen, um über dieses Leben hinaus ewiges Leben zu schenken, das durch keinen Tod mehr begrenzt sein würde. ... Die Sitzung des Hohen Rates ... So war der Rat des Kaiphas nur folgerichtig: "Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe." Der Hohe Rat legte die Schienen nach seinen menschlichen Gesichtspunkten. Gottes Planung und Geschichtsschreibung waren nicht im Blick. Obwohl man von religiös Gelehrten hätte erwarten können, dass sie die Propheten kannten, die voraussagten, dass der Knecht Gottes die Sünde der Welt tragen sollte, um Heilung in die Welt zu tragen, waren die Pharisäer und Schriftgelehrten für diese Sicht blind. Anders Gottes Perspektive. Das menschliche Urteil Kaiphas wurde zu einer prophetischen Ansage. Jesus sollte sterben, um nicht nur das Volk Israel zu retten, sondern alle Kinder Gottes in seine Gemeinschaft zu rufen. Kaiphas hatte politisch kalkuliert und abgewogen, aber Gott hatte sein Urteil genau in seinen Plan eingepasst und mit dem Urteil des Hohen Rates seine Geschichte weiter geschrieben. Jesu Tod war kein menschliches (Fehl-) Urteil, sondern Gottes Wille. Lazarus war Initiator des Todesurteils auf menschlicher Ebene, aber er hatte nicht Schuld an Jesu Tod. Lazarus wurde zum Urbild des Menschen, über den sich Gott in Jesus Christus erbarmt, krank zum Tode, getrennt von Jesus, sehnsüchtig wartend auf dessen Hilfe. Jesus erbarmt sich über den Lazarus-Menschen, er stirbt für ihn, um ihn zu retten und heil werden zu lassen. ... Befiehl du deine Wege ... Ich möchte mich an dem Bauplan Gottes orientieren, den Jesus seinen Jüngern offen gelegt hat. Ich entdecke, dass Jesus davon sprach, wie sich Kriege, Naturkatastrophen mehren werden, wie wir unfähig sein werden, auf Dauer dem etwas entgegen zu setzen. Ich höre, dass Jesus versprochen hat, wieder zu kommen, um Gericht über diese Welt zu halten und die Seinen zu sich zu nehmen. Ich erfahre auch, dass ich in der Zwischenzeit die Aufgabe habe, mich fest an Jesus zu binden, in seinem Sinn zu leben und den Alltag mit seiner Hilfe getrost anzupacken, um Salz und Licht in der Welt zu sein. Gottes Geschichte ist auch für mein kleines Leben wichtig, dass ich meine Schienen auf ihn ausrichte, es bewusst tue und zu seiner Ehre lebe. Der Liederdichter Paul
Gerhard, der am 12.03.07 seinen 400. Geburtstag feierte, gibt mit seinem
berühmten Kirchenlied Anleitung dazu:
Das Lebensmotto steckt in der 2. Strophe: "Dem Herren musst du trauen, wenn dir´s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein." Statt auf meine Sorgen zu achten, sie zum Mittelpunkt meiner Gedanken und Planungen werden zu lassen, werde ich aufgefordert, meinen Blick zu Gott zu heben, der mich liebt. Ihn kann ich bitten, dass er mir das Ziel zeigt, das auch für mein Leben gilt. Die eigenen Sorgen lassen mich nur unaufhörliche Kreisverkehre bauen. Die 5. Strophe bringt die Spannung zu Ausdruck, der ich ausgesetzt bin: "Und ob gleich alle Teufel hier wollten widerstehn, so wird doch ohne Zweifel Gott nicht zurücke gehen; was er sich vorgenommen und was er haben will, das muss doch endlich kommen zu seinem Zweck und Ziel." Ganz klar wird mir zugesagt, dass Gott sich gegen alles Widergöttliche durchsetzen wird. Der Teufel kann seine Schienen zwar legen, aber den Zielort für diese Schienen bestimmt Gott. Jesus wird mir beistehen, wenn ich die Schienenführung nicht verstehe, er wird mich wie einst Lazarus aus der Kummerhöhle (Strophe 6) rufen. Es kann aus meiner Perspektive dauern, bis er mir hilft (Strophe 9) vielleicht vier Tage wie bei Lazarus, vielleicht 4 Jahre. Doch seine Hilfe kommt, oft da "wo du´s am mindsten glaubst" (Strophe 10). Seine Hilfe ist verbunden mit der Befreiung von Last, mit Vergebung, Heilung, mit einem wieder aufrechten Gang. Und statt von Last gebeugt in der Kummerhöhle zu sitzen, darf ich Palmzweige halten, die den Messias verkündigen, Jesus Christus, der auferstanden ist, um mich zu retten (Strophe 11). Gott kümmert sich um uns Menschen. Jesus Christus steht für das Erbarmen Gottes, der sich unserer wirren Schienenführungen angenommen hat, um sie auf sein Ziel hin zu lenken. Wir wissen mehr als Kaiphas und seine Kollegen damals. Wir wissen, worauf es ankommt: Jesus zu vertrauen, ihm unsere Wege anzubefehlen und voller Glauben neue Wege zu gehen, die auf sein Ziel hin führen. So ist die letzte Strophe des Liedes von Paul Gerhard eine Bitte um den Segen des Gottes, der sich in unsere Geschichte einmischt, weil er uns lieb hat: "Mach End, o Herr, mach Ende mit aller unsrer Not, stärk unsre Füß und Hände und lass bis in den Tod uns allzeit deiner Pflege und Treu empfohlen sein, so gehen unsre Wege gewiss zum Himmel ein." 1. Befiehl du deine Wege
und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege des, der den Himmel
lenkt! Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn, er wird auch
Wege finden, da dein Fuß gehen kann.
Cornelia
Trick
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