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Liebe Gemeinde,
Wir taufen heute Oscar und stellen ihn damit in Gottes Geschichte hinein. Er ist durch die Taufe mit Jesus verbunden, er wird getragen von Gott und hat ein klares Woher und Wohin – er kommt aus Gottes Hand und er geht in Gottes Herrlichkeit, dazwischen hält ihn der rote Faden seines Lebens. Als Eltern habt ihr für Oscar ein Merkwort aus der Bibel gewählt, das zu dem 1. roten Faden vor Jesu Geburt gehört. Ihr beschreibt mit dieser Wahl den großen Bogen der Geschichte Gottes, in die Oscar nun eingefügt wird: 1. Samuel 16,7 Der Prophet Samuel wurde von Gott beauftragt, einen neuen König für Israel zu salben. Für Samuel war es ein ungewöhnliches Vorhaben, denn der alte König Saul war noch im Amt. Doch Gott hatte ihm das Vertrauen entzogen, seine Tage waren gezählt. Um es nicht wie Putsch aussehen zu lassen, sollte der Prophet die Berufung des neuen Königs innerhalb einer Opfermahlfeier geschehen lassen. So ging Samuel nach Bethlehem und rief die Bewohner des Ortes und besonders Isai mit seiner Familie zur Feier ein, wie Gott es ihm befohlen hatte. Und wir merken, dass hier eine Herzgeschichte der Bibel erzählt wird: Bethlehem ist der Geburtsort von Jesus, des Retters der Welt. Als Samuel nach Bethlehem ging, begann ein wichtiger Wegabschnitt auf Gottes rotem Faden hin zu Jesus – der Vorfahr Jesu wurde zum König berufen am selben Ort, an dem Jesus später geboren werden sollte. Samuel kam also nach Bethlehem mit einer Kuh, die er dort opfern sollte. Die Familie Isais erschien, und Samuel ließ sich nacheinander dessen Söhne vorstellen. Der Erstgeborene Eliab trat vor Samuel. Samuel muss sofort die Ähnlichkeit mit dem amtierenden Saul bemerkt haben, ein stattlicher Mann, der aussah, als ob er der geborene König wäre. Fast hätte er schon seine Salbölflasche ausgepackt, doch Gottes Stimme korrigierte ihn: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an." Nein, er sollte nicht Eliab salben, noch den Zweitgeborenen, Dritten, Vierten, Fünften, Sechsten oder Siebten. Ratlos wandte der Prophet sich wieder an den Vater Isai, ob es denn noch einen Sohn gäbe. „Ja“, erwiderte der, „draußen auf dem Feld, da hütet der Kleine die Schafe.“ Samuel versteht die Welt nicht mehr. Ein Teenager soll König werden? Ein Schafhirte ist ausersehen, Gottes Volk nach seinem Willen zu regieren? Doch so war es. Als der Hütejunge herbei kommt, sagt Gottes Stimme Samuel: „Der ist es!“ Gott sieht anders Bei Gott ist es genau andersherum. Er interessiert sich nicht für die Fassaden, die äußere Ordnung und die gefegte Gasse vor dem Haus. Ihn interessiert zu allererst unser Innenleben, der Inhalt unserer Lebensschränke, die Inhalte unserer verkramten Erinnerungsschubladen. Er sieht auf uns mit diesem 2. Blick, weil er uns von Herzen lieb hat und sich deshalb nicht mit Äußerlichkeiten abspeisen lässt. Eigentlich ist das ein unangenehmes Gefühl, dass Gott uns bis ins Innerste sieht und kennt, dass es keine noch so versteckten Ecken gibt, in denen wir unseren Müll lagern können. Doch ist in Bethlehem etwas Wunderbares geschehen. Gott stellte uns Jesus zur Seite, um diese Ecken aufzuräumen, Verletzungen zu heilen und Schuld zu entsorgen. Wir müssen uns nicht mehr wie Kaninchen im Käfig fühlen, die von allen Seiten begutachtet werden, sondern uns dem Freund Jesus anvertrauen, der uns hilft, Ordnung in unser Leben zu bringen und darin zu halten. Manche sagen, dass sie dann lieber nicht an Gott glauben wollen. Sie finden es einfacher, zu leben ohne den Einen, der in ihre Schubladen schaut. Sie brauchen keinen Jesus zum Aufräumen, weil sie das lieber selbst tun wollen. Doch ist das nicht ein Trugschluss? Können wir ohne Hilfe Ordnung ins Leben bringen? Wir stecken zuhause gerade in einer Renovierungsphase, es muss ausgemistet werden. Wenn es keine Müllsäcke und keinen Sperrmüll gäbe, wäre das schlicht weg unmöglich. Wir würden alles nur umschichten, aber keine Luft zum Atmen mehr haben. Wir können ohne Gott und Jesus leben, klar. Aber wir werden unseren Müll nicht los. Es ist niemand da, der uns Schuld abnimmt, der Verletzungen heilt, der uns Mut macht, alte Geschichten abzustreifen und neu anzufangen. Es ist niemand da, der uns herausfordert, aus dem Schatten zu treten wie der Hütejunge David, und Verantwortung zu übernehmen. Wir bleiben dann einfach, wie wir sind. Gott sieht anders. Er schaut durch unsere Fassaden hindurch. Das ist Rettung pur. Gott sieht an Als David vor Samuel stand, öffnete er sein Herz für Gott. Er ließ Gottes Kraft und Liebe in sich hinein und wurde zu einem König nach Gottes Herzen. Er vertraute Gott und ließ sich von ihm führen. Das ging nicht ohne Irrwege und Sackgassen ab. Wer die Geschichte Davids kennt, weiß um die dunklen Kapitel in seiner Lebensgeschichte. Aber was ihn unterschied von vielen anderen Menschen seiner Zeit war, dass er sensibel für Gott war wie die Sonnenblume für die Sonne. Als ihm gute Freunde sagten, dass er völligen Mist gebaut hatte, kehrte er um, bereute aus tiefem Herzen und bat Gott um Vergebung. Er fuhr nicht wie ein Geisterfahrer immer weiter in die falsche Richtung bis zum Zusammenstoß, sondern fand den Weg zurück und wagte einen neuen Anfang. Dass Gott uns ansieht, ist lebensnotwendig. Nur so können wir uns auf Gott ausrichten und unser Leben nach seinem Willen gestalten. Gott sieht uns an in Jesus Christus. Vorhin hörten wir in der Lesung von Jesus, wie er die Kinder zu sich kommen ließ trotz Protesten seiner Mitarbeiter. Das ist Gottes Ansehen. Jesus sieht die Kinder und ihre Mütter an, er weiß, dass sie Segen, Ermutigung und Kraft Gottes brauchen. Trotz Widerstand ebnet er ihnen den Weg zum himmlischen Vater. Gott sieht das Taufkind an Gott sieht uns an Oscars Taufe erinnert uns , dass auch wir auf diesen roten Faden Gottes gehören. Manche von uns sind schon lange dabei. Vielleicht ist gerade auf einem langen Weg das Ausmisten mit Jesus wieder mal nötig, dass Gott mit seiner Liebe auch in die dunklen Kramecken hinein kann. Manche von uns sind noch nicht solange mit dem roten Faden verbunden. Sie mögen ermutigt sein, Jesus zu vertrauen, der das Beste für sie will und sie weiterführen wird durch dieses Leben ins ewige Leben. Manche haben den Schritt vor sich. Sie fragen sich vielleicht, ob sie ohne Gott nicht bequemer durchs Leben kommen. Wer liebt schon Aufräumen! Aber ihnen sei gesagt, dass man am Müll ersticken kann und das kein schöner Tod ist. Also warum nicht schon rechtzeitig diesem Gott vertrauen, der uns nicht nach Äußerlichkeiten beurteilt, sondern nach unserer Offenheit für ihn? „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ Das gilt Oscar und uns,
denen mit Vorzeige-Biographie, aber auch gerade denen, die ihre Kratzer
im Lebenslauf haben. Gott sieht uns an und will uns in seine Richtung ziehen,
hin zu Leben, Freude, Hoffnung und Liebe.
Cornelia
Trick
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