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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Ich hoffe, nicht viele von uns befinden sich gerade in solch einer ernsten, verwirrenden Lebensphase. Aber die meisten werden es kennen, in voller Fahrt aus dem Verkehr gezogen zu werden, vor Mauern zu stehen, in denen keine Pforte ist. Eigene Pläne werden einem aus der Hand genommen, und immer wieder kriechen Zweifel an Gottes liebender Begleitung ins Herz. Paulus hatte in Korinth eine Gemeinde gegründet. Im lebendigen und pulsierenden Gemeindeleben zeigten sich schon bald Schatten. Gebietspäpste traten auf, die das Sagen haben wollten. Lobbys entstanden, die einander Konkurrenz machten. Der Auftrag Jesu, Salz und Licht für die Welt zu sein, rückte in den Hintergrund. Zwischen dem ersten und dem zweiten Brief an die Korinther spitzte sich die Lage zu. Nun wurde auch die Autorität des Paulus angegriffen. Den Briefwechsel und die Versöhnung sind uns im 2. Korintherbrief erhalten geblieben. Paulus beginnt ihn nicht mit einem Lob über den Glauben der Gemeinde, sondern mit seiner eigenen Geschichte. 2. Korinther 1,3-4 Gott erbarmt sich, diese Worte werden direkt ins Herz von Menschen gesprochen, die in Not sind. Gott sieht dich mit allem, was dich bedrückt und dir Sorge bereitet. Vielleicht ist es Krankheit, Beziehungsstress, Not am Arbeitsplatz, vielleicht drückt Kummer in der Gemeinde oder Bedrohung von außen. Gottes herausragende Eigenschaft, so beschreibt es Paulus, ist sein Erbarmen, abzulesen am Leben Jesu. Gott hat noch mehr Eigenschaften, von denen die Bibel spricht, aber Erbarmen steht im Zentrum. Vielleicht ist es so wie mit einem Auto. Ein Auto hat auch viele Eigenschaften – es gibt Schutz bei Regen, es hat Stauraum, es hat bequeme Sitze und eine tolle Optik. Aber was wäre das alles, wenn es nicht fahren könnte? Die herausragende Eigenschaft ist doch, dass es fahren kann. Wenn wir an Gott denken, soll uns als erstes einfallen, dass Gott sich erbarmt. Er beugt sich herunter zu den Witwen, den Waisen, den Fremden. Aber nicht nur zu den Verfolgten und wirtschaftlich Armen beugt er sich, sondern auch zu denen, die glaubensarm sind. Mag sein, dass wir nicht zu den wirtschaftlich Armen gehören, im Weltmaßstab gesehen, gehören wir sicher nicht zu ihnen. Aber bei den Glaubensarmen könnten wir sein. Glaubensarm heißt, wir haben kein Vertrauen, dass Gott unser Leben in der Hand hält. Wir haben keine Geschichten der Bibel von Gottes Barmherzigkeit im Kopf und im Herz. Wir haben keine Lust auf das Zusammensein mit ihm, anderes erscheint uns meistens attraktiver. Da sind wir einem Kind in einer Favela, das Klebstoff schnüffelt, ähnlicher, als wir denken. Das Gift im Klebstoff vernebelt das Gehirn und lässt die Gegenwart erträglicher erscheinen. Wir umgeben uns mit scheinbar Wertvollem, das uns aber immer wieder zwischen den Fingern zerrinnt. Gottes Erbarmen trifft uns, wo wir merken, dass Klebstoff für unser Herz nicht helfen kann. Jesus ist in der Not vorangegangen und bei uns. Er leidet mit uns, weil er Schmerzen, die äußerlichen und die innerlichen kennt. Aber er sitzt nicht nur neben uns und teilt den Schmerz, sondern hat selbst das Leid überwunden, den Ausweg geöffnet. Seine Auferstehung ins Leben macht Hoffnung, auch für uns wird es einen Weg in die Zukunft geben. Jesus ist das Orientierungslicht im Tunnel, er ist die Leuchtspur am Boden, die uns zum Ausgang führt. Aber noch ist der Ausgang nicht sichtbar. Werden wir geheilt? Werden wir weiterleben können, aber mit Einschränkungen? Werden wir hier abgerufen und in Ewigkeit Heilung erfahren? Wird unser Leben hier auf der Erde immer mühsam bleiben, aber eben an der Hand Jesu? Schauen wir kurz auf den Propheten Elia. Er wurde vom König Ahab mit dem Tod bedroht und musste fliehen. Gott schickte ihn an einen Bach, wo weit und breit kein Mensch war. Dort wurde er von Raben versorgt und konnte aus diesem Bach trinken. Dieser Zustand hielt drei Jahre an. Drei Jahre war er aus dem Leben herausgenommen, konnte seine Berufung nicht leben, wusste nicht, ob der König schon hinter ihm her war, und ob die Raben ihn am nächsten Tag wieder versorgen würden. Elia hätte sich Gottes Erbarmen sicher auch anders vorgestellt, etwa, dass Ahab umkäme oder seine Meinung änderte. Stattdessen saß er in der Abstellkammer, isoliert und 100% auf Hilfe angewiesen. Wir können nur staunen, dass er diese Zeit durchgestanden hat. Offenbar, wenn man die weitere Geschichte seines Lebens verfolgt, wurde er in dieser Zeit auf seine zukünftigen Aufgaben vorbereitet. Die intensive Nähe zu Gott, der allein für sein Leben sorgte, ließ ihn Gottvertrauen lernen. Gott erbarmt sich über die Armen und die Glaubensarmen, also über uns alle. Er gibt uns Jesus als Wegbegleiter. Er ist mehr als die Raben für Elia. Er steht mit seinem Leben dafür ein, dass nichts uns von Gottes Liebe trennen kann. Er sagt uns zu, dass wir aus dem Leid erlöst werden, auch wenn es drei Jahre dauert. Er gibt uns eine Aufgabe. Die Barmherzigkeit Gottes sollen wir weitergeben, als Einzelne und als Gemeinde. Das können wir erst, wenn wir sie selbst erfahren haben. Die Passionszeit ist wie ein Kurzaufenthalt am Bach Krit bei Elia. Wir können uns Auszeiten gönnen, wo diese Frage uns beschäftigen kann: In welcher Hinsicht bin ich arm? Was ist mein Problem? Wo brauche ich Erbarmen, Trost, Mut? Ist unser Speicher an Gottesnähe gefüllt, können wir hinausgehen und das weitergeben, wie Elia es bei der Witwe zu Sarepta tat, nachdem seine Zeit am Bach beendet war. Elija machte sich auf den Weg und ging nach Sarepta. Als er ans Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. »Bring mir doch etwas Wasser!«, bat er sie. Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: »Bring auch etwas Brot mit!« Doch sie sagte: »So gewiss der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe keinen Bissen mehr, nur noch eine Hand voll Mehl im Topf und ein paar Tropfen Öl im Krug. Ich lese gerade ein paar Holzstücke auf und will mir und meinem Sohn die letzte Mahlzeit bereiten. Dann müssen wir sterben.« Elija erwiderte: »Geh heim und tu, was du vorhast. Aber backe zuerst für mich ein kleines Fladenbrot und bring es zu mir heraus. Den Rest kannst du dann für dich und deinen Sohn zubereiten. Hab keine Angst, denn der HERR, der Gott Israels, hat versprochen: 'Der Mehltopf wird nicht leer und das Öl im Krug versiegt nicht, bis ich es wieder regnen lasse.'« Die Frau ging und tat, was Elija ihr aufgetragen hatte. Und wirklich hatten die drei jeden Tag zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer und das Öl im Krug versiegte nicht, wie der HERR es durch Elija versprochen hatte. (1.Könige 17,10-15) Cornelia
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