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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Der 1. Johannesbrief liefert uns die Stichworte dafür: Glauben und Lieben. 1.Johannes 5,1-4
Gott wartet auf Antwort
Er zwingt uns nicht in eine Beziehung, die Pfeile auf der Graphik sind erst einmal einseitig in Richtung der Menschen. Aber Gott wartet auf Antwort, unsere Reaktion auf seine Liebe, unser freiwilliges Ja. Ist der Pfeil auch in die andere Richtung gerichtet, wird Gott uns so führen und formen können, wie er uns gedacht hat. Ein Vater beschrieb es so. Er hatte ein uneheliches Kind, das er nie gesehen hatte und dessen Mutter ihm den Zugang verweigerte. Der Vater schrieb jahrelang Briefe an sein Kind, die beim Jugendamt hinterlegt wurden. Als seine Tochter 18 Jahre alt war, durfte sie auf eigenen Wunsch hin ihre Akte beim Jugendamt einsehen und fand dort die Briefe des Vaters, den sie bis dahin nicht gekannt hatte. Sie konnte ihm in diesen Briefen bis ins Innerste seines Herzens schauen, und der neue Kontakt zu ihm veränderte ihrer beider Leben nachhaltig. Die Tochter erfuhr Heilung von manchen seelischen Wunden und hatte nun einen starken Vater an der Seite, der ihr half, durch manch unwegsames Gelände hindurch zu kommen. Es ist keine einfache Geschichte der beiden, aber eine heilsame und von Gottes Geist bewegte. Diese Erfahrung beschreibt für mich, wie Gott sich uns zuwendet. Er schreibt uns viele „Briefe“. Er hat Jesus in diese Welt gestellt, dass wir an ihm seine Liebe entziffern können. Er hat uns die Bibel gegeben, in der wir von Gottes Zuwendung lesen. Er hat uns Menschen in den Weg gestellt, die auf ihn hinweisen und in seinem Sinne lieben. Es ist an uns, seine „Briefe“ zu lesen und den Kontakt zu ihm aufzunehmen. Mehr als ein bewusstes „Ja, ich will“ ist nicht nötig, ein kurzes Gebet, das den Himmel für uns öffnet. Doch ohne dieses „Ja, ich will“ werden wir Gottes Liebe nur theoretisch zur Kenntnis nehmen, als ob wir im Fernsehen einer anderen Familie zuschauen, die eigentlich nichts mit uns zu tun hat. Das „Ja, ich will“ schaltet den Anschluss zu Gott frei und macht die Grenze zwischen Himmel und Erde für uns durchlässig. Gottes Kind liebt Vater
und Geschwister
Manchen fällt es schwer, diese Schutzzonen aufzusuchen. Sie haben Angst, sich lieben zu lassen. Wer weiß, ob Gott sie wirklich umarmt oder sie abweist, wie sie das im Leben so oft erlebt haben. Deshalb sind Zeiten der Not ganz besondere Chancen für Gott, seine Liebe zu zeigen und in die Arme zu nehmen, auch Menschen, die eigentlich denken, alles allein schaffen zu müssen. Die Liebe zu Gott fließt über, das warme Herz erwärmt sozusagen die Umgebung. Für die Christen, an die der 1. Johannesbrief gerichtet ist, war das ein Problem. Die Liebe reichte nicht für alle, vor allem nicht für die, die besonders arm und bedürftig waren. Deshalb thematisiert der Brief besonders die Liebe zu den Glaubensgeschwistern in der Gemeinde. Sie sind die erste Umgebung, die die Wärme des Herzens spüren sollte. Wenn sie fehlt, kann es mit der Liebe zu Gott auch nicht weit her sein. Wir leiden in unserer Gemeinde nicht an einer solchen offensichtlichen Lieblosigkeit, wie sie dort wohl herrschte. Aber die Worte des Johannes geben auch uns Anlass zu schauen, wie wir es mit der Liebe innerhalb der Gemeinde halten. Sehen wir die, die heute um uns herum sitzen? Nehmen wir sie wahr? Wissen wir, was sie gerade bewegt und was ihnen Freude und Sorge bereitet? Meistens ist es ja so, dass wir nur die sehen, die zu uns gehören, mit denen wir ein gemeinsames Thema haben oder die wir mögen, weil sie uns ähnlich sind. Jede und jeder von uns hat blinde Flecken, ob wir es wollen oder nicht. Ob wir aber genau die in den Blick bekommen, die wir natürlicherweise übersehen würden oder die uns sogar nerven, ist das Prüfsiegel der Liebe zu Gott. Eine einfache Hilfe wäre: wir schauen uns die Bankreihe vor uns an. Wer sitzt da, den wir bisher nicht so im Blick hatten? Trauen wir uns, ihn anzusprechen, ihn einfach zu fragen, wie es ihm geht und was er in der Woche erlebt hat. Wir werden staunen, was wir alles noch nicht wussten. Der 1. Johannesbrief nahm nicht die in den Blick, die noch gar nicht zur Gemeinde Jesu gehören. Denn wenn die Binnen-Liebe nicht stimmt, wird auch nichts aus den Kirchenmauern nach außen dringen. Hier liegt heute unser Augenmerk viel stärker. Die Bibel, die unsere Mitmenschen lesen, ist unser Leben und unsere Liebe zu ihnen. Genau wie wir sind sie von Gott geliebt, nur ihr Ja steht aus. Wie Jesus können wir auf sie zugehen, wo sie sind. Wir müssen sie nicht in die Kirche holen, um ihnen mit Liebe zu begegnen. Jesus ging zum Gelähmten an den Teich Bethesda, der niemand hatte und ganz allein war. Er ging zum Blinden an den Teich Siloah, der aus der Gemeinschaft des Ortes ausgestoßen war und wie ein schwerer Sünder behandelt wurde. Er begann ein Gespräch mit der Frau am Brunnen, die viele Probleme hatte. Denken wir an unseren Alltag, werden uns manche Menschen auffallen, die wie damals am Rand stehen und unsere Aufmerksamkeit brauchen, die sich nach einem warmen Herzen sehnen. Wir müssen nichts anderes machen, als von der Wärme und Liebe abzugeben. Wir sind damit Türöffner für Jesus. Er wird diesen Menschen begegnen zu seiner Zeit, das können wir nicht machen. Dass er der ist, der zu sich einlädt, entlastet uns und gibt uns beim Lieben Gelassenheit. Eine Gemeinde, die in Liebe verbunden ist, hat eine starke Kraft, in diese Welt zu wirken. Miteinander wird sie darum beten, dass Menschen in ihrer Umgebung an die Kraft und Liebe Gottes angeschlossen werden und sie für ihr eigenes Leben annehmen können mit einem „Ja, ich will“. Das meint Johannes, wenn er von Glauben als Sieg spricht. Der Glaube, der sich im Lieben ausdrückt, wird alle Widrigkeiten dieser Welt bestehen können. Mahatma Ghandi, ein Hindu, wurde von christlichen Missionaren besucht. Sie wollten von ihm wissen, wie sie den christlichen Glauben in Indien besser voranbringen könnten. Er riet ihnen: „Denken Sie an das Geheimnis der Rose. Sie tut gar nichts, aber sie duftet und wird deshalb von allen geliebt. Duften Sie, meine Herren!“ Cornelia
Trick
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