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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Lukas 17,5-6 Die Jünger bedrängten Jesus und baten ihn um einen stärkeren Glauben. Sie waren von Jesus herausgefordert worden, ihr Leben nach ihm auszurichten und fühlten sich von den Anforderungen überfordert. Um so zu leben, wie Jesus es von ihnen erwartete, brauchten sie mehr Vertrauen zu Jesus, als sie bis jetzt hatten. Jesus sprach sehr zentrale Punkte ihres Lebens an, die auch uns heute genauso betreffen. Jesus redete davon, niemand durch sein eigenes Verhalten dazu zu bringen, vom Glauben an Gott abzufallen. Das Böse in der Welt ist trotz Jesus weiterhin in der Welt präsent. Auch wer glaubt, macht die Erfahrung, dass das Böse nach ihm greift und versucht, ihn auf seine Seite zu ziehen. Doch dies betrifft nicht nur die eine Person, die vom Bösen angelockt wird, sondern zieht weite Kreise. Menschen, deren Glaube noch frisch und jung ist, werden durch diesen Christen irritiert und können im schlimmsten Fall ihren Glauben verlieren. Jesus schärfte den Jüngern ein, dass ihr Verhalten Auswirkungen für andere hatte und sie sich nicht leichtfertig der Macht des Bösen ausliefern sollten. Denn wer einen anderen vom Glauben wegzieht, muss die Verantwortung auf sich nehmen. Jesus sagte: "Es wäre besser für ihn, er würde mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen, als dass er auch nur einen dieser kleinen, unbedeutenden Menschen, die mir vertrauen, an Gott irre werden lässt." (Lukas 17,2) Hier spricht Jesu Wort sehr konkret zu uns. Unser Glaube und wie er unser Denken, Fühlen und Handeln bestimmt, ist nicht unsere Privatangelegenheit. Er hat Konsequenzen für andere. Unsere Lebensführung sollte Jesus durchscheinen lassen. Ein Chef, der andere regelmäßig klein macht, um sich selbst groß zu fühlen, deutet nicht auf Jesus hin. Und wenn ein Finanzbeamter die Steuererklärung eines Christen sieht, sollte er nicht vom Glauben abfallen. Viele Beispiele lassen sich nennen, wo es deutlich wird, wie das eigene Verhalten nicht nur auf mich selbst zurückfällt, sondern andere im Sog mitzieht. Jesus will nicht, dass wir mit einem Mühlstein um den Hals im Wasser ertrinken. Er liebt seine Kinder, die ihm gehören und an ihn glauben. Er möchte sie retten, bevor es zu spät ist. So ruft er den Jüngern und uns zu: "Gebt Acht auf euch selbst!" (Lukas 17,3) Er möchte, dass wir Menschen zu ihm einladen, nicht dass wir sie von ihm fort stoßen. Dafür gibt er uns Glauben, dass wir die Kraft haben, uns gegen das Böse zu stemmen und ihm keinen Raum in unserem Leben zu geben. Jesus geht noch einen Schritt weiter. Angenommen da ist jemand, der schuldig geworden ist. Er hatte ein Verhältnis hinter dem Rücken seiner Ehefrau. Leute aus seiner Gemeinde bekamen das mit. Sie fragten sich, wie sie mit diesem Mann weiter umgehen sollten. Konnten sie ihn weiter gewähren lassen? Durfte er ganz normal in der Gemeinde leben? Sollten sie ihm nahe legen auszutreten? Jesus gab auf diese Fragen eine klare und beherzigenswerte Antwort. Er sagte: Jemand muss von Bruder zu Bruder mit diesem Mann reden und ihn auf seine Sünde hinweisen. Wenn der Mann seine eigene Schuld erkennt, wird er umkehren und Gott um Vergebung bitten. Dann besteht kein Grund mehr, ihn aus der Gemeinschaft auszuschließen. Die Gemeinde hat die Aufgabe ihm zu vergeben. Die Jünger haben damals nachgefragt: Wie oft soll man ihm denn vergeben? Jesus sagte siebenmal, mehr, weit öfter als wir es von uns aus tun würden. Der Grund ist klar. Wenn Gott den Sünder annimmt und ihm vergibt, hat die Gemeinde kein Recht, Vergebung vorzuenthalten. Natürlich kommen dann gleich Einwände: Und wenn er seine Frau gleich wieder betrügt? Wer kann beurteilen, ob jemand seine Reue ernst meint oder sie nur heuchelt. Kann das nicht allein Gott beurteilen? Und sollen wir es ihm deshalb nicht überlassen? Wir werden nicht dafür bestraft werden, wenn wir einmal zu oft vergeben haben, dafür muss sich der verantworten, der aus seiner Verfehlung nichts gelernt hat. Wir müssen uns nur dafür verantworten, wenn wir jemand aufgegeben haben, bevor Gott ihn aufgegeben hat. Die Jünger fühlten sich offensichtlich überfordert. Sie sollten ein transparentes Leben mit Jesus führen, das direkt auf Gott zeigte und niemand vom Glauben abbrachte. Sie sollten Sündern vergeben, die gerade noch vor dem Ertrinken in ihrer Schuld gerettet werden konnten. Wie sollten sie das schaffen? Da war es nicht verwunderlich, dass sie nach "mehr Glauben!" riefen. Verständlich ist das ja. Um ein christliches Leben zu führen, reicht nicht ein bisschen Sonntagsglauben. Der durchleuchtet nicht die Woche von Montag bis Samstag. Aber Jesus witterte hinter ihrer Frage offenbar das andere Extrem. Wer sich immer zu glaubensschwach fühlt, um die wichtigen Themen anzugreifen, wird nie endlich aufstehen, losgehen und den 10-Euro-Schein in Empfang nehmen. Er wird einfach sitzen bleiben und sich wundern, dass sein Leben sich nicht verändert. Ich hatte einen Studienkommilitonen, der sich sehr viel Wissen angeeignet hatte. Er hatte schon mehrere Examensvorbereitungsgruppen besucht und kannte sich in allen Prüfungsthemen bestens aus. Der einzige Haken war, dass er sich nie zum Examen anmeldete. Kurz vor dem Termin erfasste ihn immer die Panik, dass er nicht genug gelernt hatte und das Examen bestimmt nicht schaffen würde. Ich denke an das Paar, das Jahre lang auf Probe zusammen wohnte, bis sie eines Tages dann doch auseinander gingen. Sie hatten immer gewartet, dass ihre Liebe noch größer würde, um endlich zu heiraten, und dabei verpasst, ihre Liebe auf ein festes Fundament zu setzen und sie zu gestalten. Sie hatten Jahre ihres Lebens damit zugebracht, darüber zu reden, ob sie sich genug liebten, statt ihre Liebe zu investieren und wachsen zu lassen. Jesus hörte bei den Jüngern heraus, dass sie Angst hatten, sich ganz und völlig auf Jesus zu verlassen. Deshalb sagte er ihnen nicht einfach zu: Betet immer fleißig, dann werdet ihr immer mehr Glauben bekommen, sondern er führte sie zu einer neuen Sicht. Nicht die Größe des Glaubens entscheidet, ob ich als Christ nach seinem Willen leben kann, sondern Glaube, der unscheinbar wie ein Senfkorn ist, genügt, um in Jesu Sinne zu denken und zu handeln. Jesus wendet den Blick weg von unserer Nabelschau, wie groß oder klein unser Glaube ist. Er zeigt auf Gott, der selbst aus dem winzigen Wort "Ja" Großes wachsen lassen kann. So ist es auch nicht nötig, dass wir ein großes Bankkonto haben, um anderen Menschen die Liebe Jesu weiterzugeben. Der recht kleine 10-Euro-Schein kann in den Händen des jungen Mannes, von dem ich am Anfang erzählte, zu großem Segen für andere werden, wenn er ihn im Vertrauen auf Gott investiert. Jesus legt uns nahe, dass wir ihm vertrauen. Wir werden andere auf ihn hinweisen, wenn wir ihn unser Leben beeinflussen lassen. Andere sollen ihn erkennen, nicht unser eigenes Gestrampel, Gerenne und Getue. Andere sollen durch uns erfahren, dass Schuld vergeben werden kann und Jesus alles völlig neu macht. Dafür brauchen wir nicht viel Glauben, sondern nur Bereitschaft und Gehorsam, auf ihn zu hören. In einem großen See,
der für seine Strömungen bekannt war, stand ein Schild etliche
Meter vom Ufer entfernt:
Der Senfkornglaube vertraut diesem Schild. Gott bringt ans Ziel auch gegen den Augenschein. Auf die Durchsetzung der eigenen Pläne aus eigener Kraft sollte verzichtet werden, sie bringen nicht zum Ziel, sondern treiben nur weiter weg vom Ziel. Auch weit entfernt vom Ufer sorgt Gott sich darum, dass keine und keiner von uns verloren geht, weder mit einem Mühlstein um den Hals noch durch einen anderen, der das rettende Schild verdeckt. Glaube, der Bäume ausreißen kann, wird im persönlichen Leben aufräumen können und dafür sorgen, dass immer Platz ist für die, die ebenfalls bei sich aufgeräumt haben. Cornelia
Trick
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