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Gottesdienst am 19.09.2010
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
vor unserer Kirche ist
es erneut zu einem Wasserschaden gekommen. Infolge eines Rohrbruchs vor
2 Jahren wurde Erdreich ausgespült, sodass die Abwasserrohre keinen
Halt mehr im Erdreich hatten
und nun auch nachgegeben haben. Kiesel lagern sich in den Rohren ab, die
Ableitungen verstopfen, das Wasser staut sich zurück und steigt in
der Kirche hoch. Keine schöne Situation, die wir schnellstens verändern
müssen.
Als ich letzten Montag
2 Stunden mit unserem Hausausschuss-Vorsitzenden und Beauftragten von Baufirmen
vor der Kirche stand und mir unser heutiger Bibelabschnitt im Kopf herum
ging, war unser Kanalsystem für mich ein Bild, das mir Gottes Wort
erklärte. Das Kanalsystem unserer Kirche kann man mit dem Kreislauf
der Liebe Gottes vergleichen. Wenn das Kanalsystem intakt ist, kommt Gottes
Liebe bei den Menschen an, fließt durch sie hindurch und von ihnen
aus weiter in die Welt. Wir glauben, dass Jesus Christus uns rettet, und
wir sagen es anderen weiter. So beschreibt Paulus im Römerbrief den
Kreislauf der Liebe Gottes:
Römer 10,9-13
Wenn ihr also mit dem Mund
bekennt: »Jesus ist der Herr«, und im Herzen glaubt, dass Gott
ihn vom Tod auferweckt hat, werdet ihr gerettet. Wer mit dem Herzen glaubt,
wird von Gott als gerecht anerkannt; und wer mit dem Mund bekennt, wird
im letzten Gericht gerettet. So steht es ja in den Heiligen Schriften:
»Wer ihm glaubt und auf ihn vertraut, wird nicht zugrunde gehen.«
Das gilt ohne Unterschied für Juden und Nichtjuden. Sie alle haben
ein und denselben Herrn: Jesus Christus. Aus seinem Reichtum schenkt er
allen, die sich zu ihm als ihrem Herrn bekennen, ewiges Leben. Es heißt
ja auch: »Alle, die sich zum Herrn bekennen und seinen Namen anrufen,
werden gerettet.«
Mit dem Herzen glauben
Wenn Paulus hier vom Herzensglauben
spricht, dann meint er nicht nur ein Gefühl, sondern die ganze Person,
die an dem Glauben beteiligt ist. Mit dem Herzen zu glauben umfasst die
Gewissheit, dass Jesus für mich da ist, meine Tiefen vorausgegangen
ist, um mich aus ihnen zu retten. Herzensglaube weiß Fakten über
Gott und Jesus, eignet sich Kenntnisse an und lernt den Glauben wie eine
Sprache. Herzensglauben umfasst natürlich auch das Gefühl, dass
man sich wie in einen warmen Mantel gehüllt weiß, der einem
Sicherheit, Geborgenheit und Heimat schenkt.
Mit dem Herzen zu glauben
lässt Gottes Liebe in uns hineinfließen, uns ausfüllen
und verändert uns.
Doch das Kanalsystem kann
Störungen haben.
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Kies blockiert die Leitung,
die Steinchen verhindern, dass die Liebe Gottes im Herzen ankommt. In einer
Bibelstunde wurden langjährige Christen gefragt, ob sie denn wirklich
glaubten, dass Jesus für sie gestorben sei. Einige schauten betreten
zu Boden, nein, meinten sie, so ganz könnten sie das nicht glauben.
Für sie wäre Jesus wohl nicht gestorben, sie wären nicht
soviel wert, dass Gottes Sohn sich um sie mühen würde. Damit
sind die Bibelstundenbesucher wahrscheinlich nicht allein. Entsprechende
Sätze kursieren nicht nur bei ihnen im Kopf herum: Ich bin nur etwas
wert, wenn ich mich anstrenge und gute Noten bringe. Angst zu versagen,
kann solch ein Kies in der Herzensleitung sein, Angst nicht zu genügen
oder der Neid auf die, die scheinbar mühelos leben.
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Das Rohr ist gebrochen, der
Kontakt zu Gottes Liebe abgebrochen. Beim Ehemaligentreffen meines Jugendkreises
nach 10 Jahren erzählten einige, wie sie auf ihre positiven Erfahrungen
im Jugendkreis aufbauten, sich an ihrem Wohnort einer Gemeinde anschlossen
und dort bis heute aktiv mitarbeiten. Doch andere sagten, dass sie leider
keinen Anschluss an diese Jugendkreiszeit gefunden haben. Am Studienort
trafen sie keine Christen, eine Gemeinde bot sich ihnen auch nicht an,
und irgendwie waren sie sowieso davon ausgegangen, dass nun ein neuer Lebensabschnitt
mit neuen Prioritäten anfing. Im Gespräch mit den weiterhin Aktiven
meinten sie, dass sie nun doch so etwas wie Sehnsucht nach alten Zeiten
spürten, aber es war nach 10 Jahren wohl zu spät, das Rohr war
gebrochen.
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Das Rohr ist von innen durch
Ablagerungen verstopft. Das kennen wir ja hier von unseren Kaffeemaschinen.
Ohne regelmäßige Entkalkung wird bald kein Wasser mehr durch
die engen Rohre fließen, die Maschine pustet und puffert, das Kaffeepulver
wird in alle Richtungen verspritzt, aber kein Tropfen kommt mehr aus der
Maschine, bis sie schließlich durchbrennt. Unser Herzdurchfluss wird
enger durch unseren ganz normalen Alltag. Hetze, Stress, keine Zeit für
Reinigung unseres Herzens, und immer mehr Verletzungen, Enttäuschungen,
Bitterkeit und eigene Schuld häufen sich an. Wir werden unempfindlich
gegenüber Jesus, erkennen seine Handschrift in unserem Leben nicht
mehr.
Mit dem Herzen zu glauben,
erfordert immer wieder eine gründliche Kanalsanierung.
Wir können aufräumen
mit falschen Texten in unserem Herzen. Stattdessen können wir die
richtigen Texte sprechen: Ich bin Kind Gottes, der Größte stellt
sich zu mir!
Wir können auch abgerissene
Rohre wieder flicken. Ein Sehnsuchtsgebet kann den Anfang setzen: Gott,
ich sehne mich nach dir, heile du unsere Beziehung, fang wieder mit mir
an! Er wird doch nichts lieber tun, als auf dieses Gebet auf seine Weise
zu antworten.
Wir müssen das Rohr
regelmäßig reinigen. Gebet und eine Auszeit für Gott helfen
uns dabei. Gönnen wir uns Zeit mit Jesus, verbringen wir sie zu seinen
Füßen. Es wir keine verlorene Zeit sein, sondern Nährboden
für Kraft und Zuversicht.
Mit dem Mund bekennen
Doch es reicht nicht, nur
den Zulauf zu unserem Herzen freizulegen. Wenn ich mit meinem Gott allein
bleibe, ist das wie eine heimliche Liebschaft, der das öffentliche
Ja fehlt. Was kann uns von diesem öffentlichen Ja und Bekenntnis abhalten?
Haben wir Angst vor Entdeckung? Ist unsere Umwelt so desinteressiert, dass
wir nie bekennen müssen? Ist uns unsere Umgebung egal, Hauptsache,
wir sind gerettet?
Paulus ist wichtig, dass
beides zusammen gehört, die Liebe im Herzen und das öffentliche
Ja dazu. So geht das Evangelium weiter in alle Welt. Wir brauchen das nicht
gleich plakativ zu verstehen. In der B-Ebene des Hauptbahnhofs steht immer
wieder eine Gruppe von Christen, die mit Gitarre christliche Lieder von
vorgestern singen. Die Gruppe fordert meinen Respekt, aber neugierig auf
den Glauben macht sie mich nicht. Ich bedauere sie eher. Was kann aber
Bekenntnis für uns heute und hier bedeuten?
Drei Bekenntnis-Felder
sind mir deutlich geworden:
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Bekenntnis zur Gemeinde Jesu.
Zu einer Gemeinde zu gehören, gibt für unsere Umgebung ein Signal.
Glaube hat etwas mit Gemeinschaft zu tun. Christen erwarten etwas von dieser
Gemeinschaft. Christen werden durch diese Gemeinschaft verändert,
denn sie gehen Sonntag morgens anders aus dem Haus, als sie mittags wiederkommen.
Unsere Mitmenschen sehen, dass Jesus uns wichtig ist, weil uns die Gemeinschaft
der Jesus-Nachfolgenden wichtig ist.
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Bekenntnis zu den Schwachen.
Christen werden besonders da wahrgenommen, wo sie sich für Schwache,
Benachteiligte und Menschen ohne Stimme einsetzen. Früher gründeten
Christen Krankenhäuser, Kinderheime und engagierten sich für
Behinderte. Diese Aufgaben hat der Sozialstaat in vielen Bereichen übernommen.
So wird unsere Phantasie weiter gefordert. Welches sind die Baustellen
für uns heute? Wo wird unsere Stimme gebraucht? Für wen können
wir im Namen Jesu eintreten?
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Bekenntnis durch Einmischen.
Die wichtigste Botschaft, die Jesus uns gibt, ist Versöhnung mit Gott
und daraus folgend Versöhnung untereinander. Wir haben uns einzumischen,
wenn wir mit Menschen zusammen sind, die von Bitterkeit und Unversöhnlichkeit
gezeichnet sind. Wir haben ihnen einen Ausweg aufzuzeichnen, den Jesus
vorgibt. Es ist eine Form des Bekennens, ihnen in ihrer Lebenssituation
Gottes Vergebung und seine Kraft zu Vergeben zuzusprechen.
Die Kanalfirmen garantieren
uns, dass ihre Reparaturen zu einem 100%-igen Erfolg führen werden.
Diese Garantie gibt uns Gott nicht. Im Gegenteil. Paulus sagt ein paar
Verse weiter: „Doch nicht alle sind dem Ruf
der guten Nachricht gefolgt“ (Vers
16). Den Erfolg haben wir nicht in der Hand. Dass die Liebe Gottes in
den Herzen unserer Mitmenschen ankommt, ist allein Gottes Sache und deren
Entscheidung. Doch auch im Misserfolg haben wir nur eine Adresse für
unser Klagen: Jesus. Er wird uns zuhören und uns trösten. Er
wird uns neue Wege aufzeigen. Vielleicht sollen wir uns ja von denen abwenden,
die wir schon jahrelang versuchen zu erreichen, und uns denen zuwenden,
die auf den Hecken und Zäunen sitzen. Lassen wir Gottes Geist und
unserer Phantasie Raum, dass wir bereit werden, unser Bekenntnis in die
Richtung zu sprechen, in der Gott es haben will.
„Wenn
ihr also mit dem Mund bekennt: »Jesus ist der Herr«, und im
Herzen glaubt, dass Gott ihn vom Tod auferweckt hat, werdet ihr gerettet.“
Im Abendmahl können
wir unser Kanalsystem reinigen und reparieren lassen. Wir sind eingeladen,
unsere Liebeserklärung an Jesus Christus neu zu sprechen. Wir dürfen
das Abendmahl mitnehmen nach Hause und in unseren Alltag. Von der Liebe,
die Jesus uns jetzt schmecken und sehen lässt, können wir leben
und austeilen.
Cornelia
Trick
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