Glaube hilft (Lukas 17,1-6)
Gottesdienst am 08.09.2013 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
wie ärgerlich ist das. Ich will mit meinem Handy telefonieren, und schon wieder ist der Akku leer. Ein guter Freund riet mir, das Handy einfach länger aufzuladen, es über Nacht in der Steckdose zu lassen, auch wenn das grüne Lämpchen längst blinkt. Am nächsten Morgen wunderte ich mich. Der Akku war kalt. Und länger wurde die Laufzeit auch nicht. Offenbar wurde die Stromzufuhr zum Akku bei voller Aufladung abgeschaltet.

Mit unserem Glauben an Jesus Christus ist es manchmal ganz ähnlich. Es kommt eine schwierige Lebenssituation, und wir bräuchten dringend den festen Glauben, dass Jesus die Dinge in der Hand hat. Aber wieder ist der Akku leer. Statt Gewissheit plagen uns Zweifel. Statt Gottvertrauen wächst in uns Verzweiflung. Wir denken, wenn wir den Glauben länger aufladen, wird er stärker. Wir hören Predigten, lassen uns von anderen Christen Mut zusprechen, lesen christliche Bücher, und doch bleibt das Gefühl, dass wir nicht wirklich gestärkt werden. Unser Akku scheint abgeschaltet zu sein.

Ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium gibt eine Lehrstunde Jesu wieder, in der Jesus seine Jünger auf die Zeit nach Ostern vorbereitet.

Jesus beschreibt eine Gemeindesituation, er nennt Bedrohungen von außen und von innen. Davor, so gibt er es seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen weiter, schützt nicht mehr Glaube, sondern ein Glaube, so klein wie ein Senfkorn.

Lukas 17,1-6

Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass keine Verführungen kommen; aber weh dem, durch den sie kommen! Es wäre besser für ihn, dass man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als dass er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt. Hütet euch!
Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben. Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Bedrohung von außen

Jesus beschreibt die Gemeinde. Es gibt „Kleine“. Vielleicht sind es die Anfänger im Glauben, die erste zaghafte Schritte gehen. Sie wollen ausprobieren, ob Jesus wirklich ihr Herz erfüllt, sie Gottes Kraft im Alltag erfahren. Sie orientieren sich noch stark an Vorbildern des Glaubens, die sie anleiten und ihnen Appetit auf mehr machen. Vielleicht sind mit Kleinen auch Kinder und Jugendliche gemeint, die ebenfalls erste zaghafte Schritte des Glaubens gehen. Sie müssen ihren eigenen Weg finden und brauchen dazu Anleiter, die ihnen liebevoll, ehrlich und authentisch zur Seite stehen. Vielleicht können wir alle jederzeit bei den Kleinen sein, wenn sich in unserem Leben Drastisches ereignet, eine ärzliche Diagnose über uns einbricht, der Lebenspartner die Liebe aufkündigt oder wir selbst gegen Wände rennen.

Da sind auf der anderen Seite Verführer. Sie missbrauchen ihre Vorbildposition und leiten in die Irre. In der jungen Gemeinde Korinth waren es Leute, die meinten, als Christen seien sie schon erlöst, da spielte die Lebensführung keine Rolle mehr. Sie führten einen ausschweifenden Lebenswandel, bestimmt kein Vorbild für die Kleinen. Verführung kann viele Gesichter haben. Man kann sich an Klatsch und Tratsch beteiligen und hinten rum einander schlecht machen. Kein gutes Zeichen für die Liebe Christi in der Gemeinde. Man kann lieblos miteinander umgehen, den anderen nur als Mittel zum Zweck sehen, nur dem Achtung entgegen bringen, der viel leistet oder einen hohen gesellschaftlichen Status hat. Man kann die eigenen Interessen verfolgen und sie als Gemeindeinteressen tarnen. Manches ließe sich hinzufügen.

Dieses Verhalten führt dazu, dass Anfänger im Glauben, Heranwachsende und Angefochtene irritiert werden. Wenn Jesus seine Leute nicht mehr beeinflusst, wie wird er dann das eigene Leben beeinflussen können? Wenn Jesu Gemeinde nicht seine Liebe widerspiegelt, gibt es diese Liebe überhaupt? Ein solch Enttäuschter, eine derart Enttäuschte wendet sich von der Gemeinde und von Jesus ab. Sie ist nun fast immun gegen den christlichen Glauben. Wenn ihr wieder einmal jemand etwas von Jesus erzählt, tauchen sofort die alten Geschichten in ihr auf. Ganz anders als jemand, der noch nie von Jesus gehört hat, ist sie ja bestens über den Glauben informiert. Aber in die Steckdose der Liebe Gottes steckt sie ihr Handy nicht mehr. 

Jesus sagt: Hütet euch! Vertreibt niemand von Jesus! Das ist nur möglich, wenn ihr mit Jesus eng  verbunden seid und er durch euch wirken kann.

Bedrohung von innen

Die Gemeinschaft der Gemeinde wird durch Unversöhnlichkeit bedroht. Je näher wir uns kommen, je größer ist die Gefahr, einander zu verletzen. Bewusst oder unbewusst geschieht das oft. Ein achtloses Vorbeilaufen, eine abgeschlagene Bitte, die dringend war, ein versäumtes Danke, ein hitziger Zornesausbruch … jeder von uns wird da etwas nennen können, das ihm in den letzten Wochen passiert ist oder das er erlitten hat. Bleibt die Verletzung bestehen, ist es wie mit körperlichen Wunden, die nicht heilen. Sie entzünden sich, fangen an zu eitern, werden immer größer und infizieren auch gesundes Gewebe. Manchmal hilft dann nur noch Amputation.

So nennt Jesus die Vergebung als zentrale Haltung im Miteinander der Gemeinde. 7-mal täglich soll sie geübt werden, was bedeutet, dass auch Wiederholungstätern vergeben werden soll. In drei Schritten verläuft der Heilungsprozess, den Jesus hier entfaltet:

Die Zurechtweisung steht am Anfang. Sie ist mit einem Stopp-Schild auf der Straße zu vergleichen. Da tritt jemand dem Verursacher in den Weg und hilft ihm, seine Verfehlung zu erkennen.  Dieses In-den-Weg-Treten ist Seelsorge, es drückt sich aus in Zuhören, Begleiten und Anleiten. Nicht mit dem Holzhammer wird Heilung eingeleitet, sondern mit der sorgfältigen und einfühlsamen Reinigung der Wunden. Im Idealfall sieht der, der dem oder der anderen einen Schmerz zugefügt hat, sein Fehlverhalten ein, er bereut und will nichts lieber, als den Vorfall ungeschehen zu machen. Er ist bereit für Jesu Vergebung. Jesus spricht ihm zu, seine Schuld zu übernehmen. Er macht ihn frei, um Vergebung zu bitten und einen Neuanfang mit dem anderen zu wagen. Er ermutigt ihn, selbst Vergebung zu gewähren und die Wunden im eigenen Herzen von Jesus heilen zu lassen. 

Wir feiern heute Abendmahl. Jesus kann uns die Person zeigen, der wir die Hand geben sollen, von der uns ein Graben trennt und die Wunde eitert. Das Abendmahl gibt uns den Impuls, Jesu Angebot anzunehmen und es weiterzugeben: Er ist der Friede.

Jesus legt uns beide Themen, die Warnung vor dem eigenen irreführenden Vorbild und die Warnung vor eiternden, unvergebenen Geschichten, ans Herz. Gemeinde kann nur leben und wachsen mit geheilten Beziehungen. Sie kann nur Zeugnis seiner Liebe sein, wenn sie selbst diese Liebe lebt.

Glaube hilft

Die Jünger hörten Jesu Worte. Doch sie empfanden ihre eigene Kraftlosigkeit. Sie erkannten, dass sie für die „Kleinen“ kein gutes Vorbild waren und scheiterten wohl auch mehrmals täglich an dem Anspruch von heilen Beziehungen. Deshalb ist ihr Ruf nach mehr und stärkerem Glauben sehr verständlich. Sie wollten ihren Akku länger aufladen.

Jesu Antwort überrascht. Du brauchst nicht mehr Glauben, sondern einen Senfkornglauben. Senfkornglaube ist so klein, dass du ihn kaum sehen kannst. Er besteht aus zwei Buchstaben: JA. Nur ein Ja zu Jesus ist nötig. Es drückt aus, dass du dir helfen lässt, dass du Jesus machen lässt und nicht alles selbst in den Händen haben willst.

Im Bild des Handys gesprochen: Jesus wird durch dich wirken, nicht indem du dein Handy ewig in der Steckdose lässt, sondern indem du es gebrauchst und telefonierst. Er erweist seine Kraft im täglichen Gebrauch, beim Arbeiten, Ausruhen, in den Auseinandersetzungen, Herausforderungen, Krisen. Nur wenn wir das Senfkorn in die Erde legen, wird es sich entwickeln, nur wenn wir mit Jesus unseren Alltag anpacken, wird unser Glaube gestärkt. Wir merken dann, er ist wirklich da, er verändert, er gibt uns Kraft, er schenkt uns seine Nähe, wo wir es nicht vermuten.

Es gibt nicht mehr oder weniger Glaube. Glaube ist immer ganz. Er erwartet alles von Gott, lässt ihn in die dunklen Kammern des Herzens hinein und geht mutig los in der Gewissheit, dass Gott mit einem ist.

Beim Abendmahl sind wir heute mit offenen Händen. Wir empfangen Brot des Lebens:

  • Du bist gewollt und geliebt von deinem Vater im Himmel.
  • Deine Probleme interessieren ihn, es sind immer auch seine Probleme.
  • Er will dir Kraft schenken, sie zu meistern.
  • Er will dir Mut geben, um Vergebung zu bitten und zu vergeben.
  • Er will dich sensibel machen, nach seinem Willen zu leben und eben nicht andere zu verwirren.
Wir empfangen den Wein:
  • als Zeichen, dass alles neu wird.
  • Jesus vergibt dir. Die Konsequenzen deines Versagens hat er getragen. 
  • Auch in deinem Leben macht er alles neu.
Du gehst anders nach Hause, als du gekommen bist – mit weißer Weste, erlöst, befreit, geliebt.
Cornelia Trick


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