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Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
Mit unserem Glauben an Jesus Christus ist es manchmal ganz ähnlich. Es kommt eine schwierige Lebenssituation, und wir bräuchten dringend den festen Glauben, dass Jesus die Dinge in der Hand hat. Aber wieder ist der Akku leer. Statt Gewissheit plagen uns Zweifel. Statt Gottvertrauen wächst in uns Verzweiflung. Wir denken, wenn wir den Glauben länger aufladen, wird er stärker. Wir hören Predigten, lassen uns von anderen Christen Mut zusprechen, lesen christliche Bücher, und doch bleibt das Gefühl, dass wir nicht wirklich gestärkt werden. Unser Akku scheint abgeschaltet zu sein. Ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium gibt eine Lehrstunde Jesu wieder, in der Jesus seine Jünger auf die Zeit nach Ostern vorbereitet. Jesus beschreibt eine Gemeindesituation, er nennt Bedrohungen von außen und von innen. Davor, so gibt er es seinen Nachfolgern und Nachfolgerinnen weiter, schützt nicht mehr Glaube, sondern ein Glaube, so klein wie ein Senfkorn. Lukas 17,1-6 Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben. Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Bedrohung von außen Da sind auf der anderen Seite Verführer. Sie missbrauchen ihre Vorbildposition und leiten in die Irre. In der jungen Gemeinde Korinth waren es Leute, die meinten, als Christen seien sie schon erlöst, da spielte die Lebensführung keine Rolle mehr. Sie führten einen ausschweifenden Lebenswandel, bestimmt kein Vorbild für die Kleinen. Verführung kann viele Gesichter haben. Man kann sich an Klatsch und Tratsch beteiligen und hinten rum einander schlecht machen. Kein gutes Zeichen für die Liebe Christi in der Gemeinde. Man kann lieblos miteinander umgehen, den anderen nur als Mittel zum Zweck sehen, nur dem Achtung entgegen bringen, der viel leistet oder einen hohen gesellschaftlichen Status hat. Man kann die eigenen Interessen verfolgen und sie als Gemeindeinteressen tarnen. Manches ließe sich hinzufügen. Dieses Verhalten führt dazu, dass Anfänger im Glauben, Heranwachsende und Angefochtene irritiert werden. Wenn Jesus seine Leute nicht mehr beeinflusst, wie wird er dann das eigene Leben beeinflussen können? Wenn Jesu Gemeinde nicht seine Liebe widerspiegelt, gibt es diese Liebe überhaupt? Ein solch Enttäuschter, eine derart Enttäuschte wendet sich von der Gemeinde und von Jesus ab. Sie ist nun fast immun gegen den christlichen Glauben. Wenn ihr wieder einmal jemand etwas von Jesus erzählt, tauchen sofort die alten Geschichten in ihr auf. Ganz anders als jemand, der noch nie von Jesus gehört hat, ist sie ja bestens über den Glauben informiert. Aber in die Steckdose der Liebe Gottes steckt sie ihr Handy nicht mehr. Jesus sagt: Hütet euch! Vertreibt niemand von Jesus! Das ist nur möglich, wenn ihr mit Jesus eng verbunden seid und er durch euch wirken kann. Bedrohung von innen So nennt Jesus die Vergebung als zentrale Haltung im Miteinander der Gemeinde. 7-mal täglich soll sie geübt werden, was bedeutet, dass auch Wiederholungstätern vergeben werden soll. In drei Schritten verläuft der Heilungsprozess, den Jesus hier entfaltet: Die Zurechtweisung steht am Anfang. Sie ist mit einem Stopp-Schild auf der Straße zu vergleichen. Da tritt jemand dem Verursacher in den Weg und hilft ihm, seine Verfehlung zu erkennen. Dieses In-den-Weg-Treten ist Seelsorge, es drückt sich aus in Zuhören, Begleiten und Anleiten. Nicht mit dem Holzhammer wird Heilung eingeleitet, sondern mit der sorgfältigen und einfühlsamen Reinigung der Wunden. Im Idealfall sieht der, der dem oder der anderen einen Schmerz zugefügt hat, sein Fehlverhalten ein, er bereut und will nichts lieber, als den Vorfall ungeschehen zu machen. Er ist bereit für Jesu Vergebung. Jesus spricht ihm zu, seine Schuld zu übernehmen. Er macht ihn frei, um Vergebung zu bitten und einen Neuanfang mit dem anderen zu wagen. Er ermutigt ihn, selbst Vergebung zu gewähren und die Wunden im eigenen Herzen von Jesus heilen zu lassen. Wir feiern heute Abendmahl. Jesus kann uns die Person zeigen, der wir die Hand geben sollen, von der uns ein Graben trennt und die Wunde eitert. Das Abendmahl gibt uns den Impuls, Jesu Angebot anzunehmen und es weiterzugeben: Er ist der Friede. Jesus legt uns beide Themen, die Warnung vor dem eigenen irreführenden Vorbild und die Warnung vor eiternden, unvergebenen Geschichten, ans Herz. Gemeinde kann nur leben und wachsen mit geheilten Beziehungen. Sie kann nur Zeugnis seiner Liebe sein, wenn sie selbst diese Liebe lebt. Glaube hilft Jesu Antwort überrascht. Du brauchst nicht mehr Glauben, sondern einen Senfkornglauben. Senfkornglaube ist so klein, dass du ihn kaum sehen kannst. Er besteht aus zwei Buchstaben: JA. Nur ein Ja zu Jesus ist nötig. Es drückt aus, dass du dir helfen lässt, dass du Jesus machen lässt und nicht alles selbst in den Händen haben willst. Im Bild des Handys gesprochen: Jesus wird durch dich wirken, nicht indem du dein Handy ewig in der Steckdose lässt, sondern indem du es gebrauchst und telefonierst. Er erweist seine Kraft im täglichen Gebrauch, beim Arbeiten, Ausruhen, in den Auseinandersetzungen, Herausforderungen, Krisen. Nur wenn wir das Senfkorn in die Erde legen, wird es sich entwickeln, nur wenn wir mit Jesus unseren Alltag anpacken, wird unser Glaube gestärkt. Wir merken dann, er ist wirklich da, er verändert, er gibt uns Kraft, er schenkt uns seine Nähe, wo wir es nicht vermuten. Es gibt nicht mehr oder weniger Glaube. Glaube ist immer ganz. Er erwartet alles von Gott, lässt ihn in die dunklen Kammern des Herzens hinein und geht mutig los in der Gewissheit, dass Gott mit einem ist. Beim Abendmahl sind wir heute mit offenen Händen. Wir empfangen Brot des Lebens:
Cornelia
Trick
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