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Gottesdienst am 04.07.2010
Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
ein Spötter sagte
zum Kirchenvater Hieronymus, der im 4. Jahrhundert gelebt hat: „Bei der
Hochzeit zu Kana hatte Jesus ungefähr 300 Liter Wasser in Wein verwandelt.
Haben die schon betrunkenen Gäste die ganzen 300 Liter ausgetrunken?“
Hieronymus erwiderte: „Nein, wir trinken heute noch davon.“
Jesus war bei der Hochzeit
zu Kana der inoffizielle Gastgeber, Jesus war bei vielen anderen Gelegenheiten
der, der selbst Gast war, aber zum Gastgeber wurde. Jesus lud seine Jünger
zum letzten Mahl vor seinem Tod ein. Er brach das Brot und gab dieser Handlung
eine Bedeutung. Wie das Brot gebrochen wurde, so gab Jesus sich selbst
hin für die Menschen. Wie Jesus den Wein austeilte, so gab er sein
Lebensblut, damit seine Jünger neues Leben hatten. Das Brot und der
Wein verbanden sich mit seinen Jüngern, ein Zeichen, wie Jesus sich
selbst mit ihnen verbinden wollte. Jesus sagte den Jüngern in diesem
letzten Mahl am Abend zu, dass sie mit Brot und Wein das Angebot der Versöhnung
mit Gott erhielten, dass ihre Vergangenheit bereinigt war, dass sie mit
der Kraft Jesu in die Zukunft gehen konnten und Heilung erfuhren.
Das Abendmahl, so
legte es Jesus fest, sollte seither Zeichen der sichtbaren Gegenwart Jesu
sein. Wer am Abendmahl teilnahm, sollte Jesus schmecken, sehen und fühlen.
Ganz ähnlich wie das
Abendmahl ist auch die Taufe ein sichtbares Zeichen von Jesus. Die Taufe
findet am Eingang der Gemeinde statt. Sie ist der Eintrittsritus in die
Gemeinde Jesu, wie immer sie sich konkret gestaltet. Das Abendmahl findet
im Zentrum der Gemeinde statt. Der Tisch des Herrn gewährt Stärkung
für unterwegs. Wer am Mahl des Herrn teilgenommen hat, geht anders
vom Tisch, als er gekommen ist. Jesus hat ihn verändert. Das hat Auswirkungen
für ihn selbst und für die ganze Gemeinde.
Ein anschauliches Beispiel
für ein Zusammenspiel von Abendmahl und Gemeinde gibt die Gemeinde
in Korinth. Paulus antwortet in seinem ersten Brief an die Gemeinde auf
Anfragen und reagiert auf Missstände. Es ist ihm wohl zu Ohren gekommen,
dass das Abendmahl in Korinth seine ursprüngliche Bestimmung als Zentrum
des Gemeindelebens mit Jesus als Gastgeber verloren hat. Abends sind die
Gemeindeleute in den Häusern von wohlhabenden Gemeindegliedern zusammen
gekommen, haben zuerst zusammen gegessen und am Ende das Mahl mit Brot
und Wein, verbunden mit Jesu Einsetzungsworten gefeiert. Die Reicheren
kamen früher von der Arbeit, brachten prächtige Speisen und Getränke
mit und fingen schon an, sich am Büffet zu bedienen. Als gegen später
die Ärmeren kamen, die länger arbeiten mussten, brachten sie
ihren bescheidenen Beitrag zum Büffet mit, vielleicht ein paar Zwiebeln.
Doch das Büffet war schon leergefegt, alle Lachsschnittchen gegessen.
Für die Armen, die sowieso den ganzen Tag geschuftet hatten, blieben
nur die eigenen Zwiebeln übrig. Während die Reichen voll und
betrunken waren, mussten die zu spät Gekommenen hungern. Zwar feierten
sie alle das Mahl des Herrn, brachen das Brot und reichten den Kelch mit
Jesu Worten herum, doch die Gemeinschaft, die Jesus mit diesem Mahl gestiftet
hatte, war längst am Gruppenegoismus zerbrochen. Nicht Jesus war Gastgeber,
sondern jede Gruppe feierte für sich. Nicht verändert gingen
die Teilnehmenden vom Tisch, sondern so, wie sie gekommen waren, die einen
sich selbst feiernd, die anderen unterdrückt und ausgebeutet.
1.Korinther 11,23-29
Paulus schreibt: Ich habe
von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus,
in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach's
und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut
zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem
Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut,
sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von
diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod
des Herrn, bis er kommt. Wer nun unwürdig von dem Brot isst
oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig sein am Leib und
Blut des Herrn. Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er
von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch. Denn wer so isst und trinkt,
dass er den Leib des Herrn nicht achtet, der isst und trinkt sich selber
zum Gericht.
Wir wollen nicht in die
gleiche Situation kommen wie die Korinther. Deshalb ist es wichtig, uns
vor Augen zu führen, was Abendmahl für die Gemeinde bedeutet:
Hungernde werden gesättigt
Jesus sagt von sich „Ich
bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, den wird nicht hungern, und
wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“
(Johannes 6)
Zu Jesus kommen und ihm vertrauen, bedeutet, sich an seinen Tisch begeben.
Wir dürfen mit Hunger und Durst zu ihm kommen. Sind wir uns bewusst,
in welchen Bereichen wir Mangel haben, wo uns der Hunger plagt und wir
Jesu Lebensbrot brauchen? Vielleicht ist es der Hunger nach Lebenssinn
gepaart mit der Frage „Wie soll es mit mir weitergehen?“ Vielleicht ist
es der Hunger nach Entlastung. So viel liegt auf den Schultern, dass wir
uns mühselig und beladen fühlen. Oder der Hunger nach Anerkennung
wird spürbar, weil niemand uns in den Arm nimmt, uns ermutigt, uns
zuspricht, dass wir für ihn oder sie wichtig sind. Auch nach Trost
können wir hungrig sein. Die innere Leere ist groß und die Tränen
fließen, die Zukunft wirkt dunkel und zieht nach unten. Mit solchen
Hungerattacken sind wir genau richtig am Tisch des Herrn. Doch wir sollten
Zeit mitbringen, etwas von ihm erwarten, alles nehmen, was er uns gibt
und nicht auswählen wie am kalten Büffet. Denn sonst könnten
wir das Wichtigste liegen lassen.
Die Geladenen kommen in
die Heimat
Der verlorene Sohn kehrte
nach seinen schmerzvollen und erniedrigenden Erfahrungen zurück ins
Elternhaus. Der Vater nahm ihn in die Arme und befahl, ein gemästetes
Kalb zu schlachten, ein großes Fest auszurichten und die Rückkehr
des Sohnes ins Elternhaus zu feiern (Lukas
15). Abendmahl ist ein solches Fest, wo Verlorene zurück zum
Vater kommen, der sie erwartet. Was in der Zeit der Trennung vom Vater
falsch gelaufen ist, will er vergeben. Er schenkt dem Sohn ein neues Kleid
und einen Siegelring, der ihm die alten Rechte zurückgibt. Der Vater
fängt neu mit ihm an. So geschieht es beim Abendmahl. Unser Vater
fängt neu mit uns an. Wir nehmen Brot und Wein als Zeichen von Jesu
Tod an unserer Stelle zu uns, Jesus verbindet sein Leben und seinen Tod
mit uns. Der Vater erkennt seinen Sohn in uns und nimmt uns wieder an,
schenkt uns einen kompletten Neustart ohne Punkte aus den verlorenen Lebensphasen.
Dieser Neustart weitet das Herz für den Bruder und die Schwester,
für die gemeinsamen Herausforderungen und für die leeren Plätze
am Tisch des Herrn, die doch auch noch besetzt werden wollen.
Am Tisch des Herrn gibt
es Wegzehrung
Als das Volk Israel durch
die Wüste zog und wieder einmal jammerte, nicht genug zu essen zu
haben, ließ Gott jeden Morgen Manna auf die Erde fallen. Das Manna
gab es nur für einen Tag, am anderen Tag war es schon verfault. Man
musste vertrauen, dass Gott auch am nächsten Tag wieder Manna regnen
ließ. So gibt uns Jesus Brot und Wein. Wir können es nicht horten,
uns heute einen ganzen Sack davon mitnehmen. Es reicht gerade immer für
die nächste kleine Wegstrecke. Aber für diese Wegstrecke gibt
es Kraft, die Gewissheit, dass Jesus bei uns ist, und die Bereitschaft,
andere auf dem Weg mitzunehmen.
Das Abendmahl ist aber
besonders die Wegzehrung für das Leben hin zur Ewigkeit. Um diese
Wanderschaft nach dem Willen Gottes und mit seinem Heiligen Geist zu bestehen,
braucht es die immer neue Vergewisserung, dass Jesus der gleiche Gastgeber
ist wie der, der im ewigen Leben die Tafel eröffnen wird.
Die reichen Korinther hatten
vor lauter Feiern und Freude am Zusammensein den Gastgeber vergessen oder
ihn zum Kellner degradiert. Sichtbar wurde es daran, dass sie nicht verändert
wurden, keinen neuen Blick auf die Armen unter ihnen bekommen hatten und
sie behandelten wie immer.
Wo Jesus Gastgeber ist,
werden die Teilnehmenden andere, sie bekommen offene Herzen, sie öffnen
ihre Türen und decken ihre Tische vor allem für die, die Hunger
haben und Jesus ganz nötig brauchen. So sind wir hier gefragt, wie
wir Abendmahl feiern. Kommen wir mit unserem wirklichen und ehrlichen Hunger
zum Mahl? Erwarten wir, dass Jesus ihn stillt? Und lassen wir uns von Jesus
zusagen, dass wir bei ihm zu Hause sind? Dann wird es gut sein, das Mahl
als Wegzehrung zu nehmen, wenn wir uns füreinander öffnen, teilen
und die Lasten des anderen und der anderen mittragen.
1. Voll Freude komme ich
zu Gott: erlöst, befreit, geliebt. Ich rufe in Erinnerung, dass sein
Tod Leben gibt.
2. Von fern und nahe kommen
sie, die Christen, Jung und Alt, und neu gewinnt der Liebe Geist in Christi
Leib Gestalt.
3. Das Brot zu teilen
lehrt er uns, wenn Stolz die Einheit hemmt. Die Liebe Christi macht uns
eins, vertraut wird, wer noch fremd.
4. Der Herr ist mitten
unter uns, er ist uns niemals fern. Im Mahl der Freundschaft finden wir
die Gegenwart des Herrn.
5. Verbunden durch das
Mahl, doch frei, auf eignen Weg gestellt, so leben wir zu seinem Ruhm als
sein Volk in der Welt.
T: Brian Arthur
Wren (England) 1968 ("I come with joy to meet my Lord"). Dt: Lothar Pöll
2000
Cornelia
Trick
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