Die Grundlage des Lebens
Gottesdienst am 21.08.2011

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
für uns als Gemeinde ist heute ein großer Festtag. Eine junge Frau lässt sich taufen, vier Jugendliche und junge Erwachsene bestätigen ihre Taufe als Kinder mit der Aufnahme in die Kirchengliedschaft. Es ist Entscheidungstag, die jungen Menschen sagen Ja zu Jesus Christus, Ja zu einem Leben mit ihm in engster Lebensgemeinschaft, und diese Lebensgemeinschaft reicht über den Tod hinaus bis in Ewigkeit.

Das Ja zu Jesus Christus schafft eine feste Grundlage in eurem Leben. Eure Freunde, eure Familie, sie werden nie alles für euch sein, einer wird das Vorzeichen für eure Beziehungen vorgeben. Und auch für uns als Gemeinde ist heute ein wichtiger Tag. Unsere Familie erweitert sich. Wenn ein neues Geschwisterchen in einer Familie geboren wird, sind allerhand Veränderungen angesagt: es braucht ein Bett, vielleicht muss ein größeres Auto angeschafft werden, die Geschwister müssen sich arrangieren, dass da jemand Neues ihre Interaktionen verändert. Ihr sollt hier auch euren Platz haben. Ihr mischt uns auf, ihr habt Wichtiges in die Gemeinschaft einzubringen. Wir freuen uns auf euch und haben Verantwortung für euch.

Für diesen Tag habe ich ein Gleichnis Jesu ausgewählt, das Jesus seinen Jüngern auf dem Berg erzählt hat. Es ist der Schlusspunkt nach einer langen Rede und fasst den Inhalt bildhaft zusammen.

Matthäus 7,24-27

„Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war. Wer dagegen diese meine Worte hört und sich nicht nach ihnen richtet, wird am Ende wie ein Dummkopf dastehen, der sein Haus auf Sand baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten, der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, fiel es in sich zusammen, und alles lag in Trümmern.“ (Gute Nachricht)

Wer von uns will nicht klug sein und sein Lebenshaus anständig bauen. War Jesu Rede auf dem Berg damals in erster Linie für seine Jünger gedacht und später für die Gemeinde Jesu, so lädt Jesus mit diesem Gleichnis auch die zum Zuhören ein, die einfach nur mal unverbindlich vorbeischauen wollen. Denn egal, welchen Hintergrund wir haben, wir wollen doch wohl alle, dass unser Leben gut wird und unsere Kraft sinnvoll investiert ist.

Die ersten Steine unseres Lebenshauses haben die Eltern herbeigetragen. Sie haben uns mit ihrer Liebe empfangen und ins Leben eingeführt. Sicher haben auch die älteren Geschwister und Großeltern Steine herbei geschafft, um unser Lebenshaus wachsen zu lassen. Wir haben dann weitergebaut, Schule, Ausbildung, Beruf, Familie und Freundschaften und unser soziales Leben gestaltet. Unterschiedliche Häuser entstehen, keines gleicht dem anderen, vertreten sind Gartenhütten und Luxusvillen, bescheidene Holzhäuser und stabile Steinhäuser. Beim genauen Hinsehen haben die Häuser Gebrauchsspuren, Risse ziehen sich durch die Fassaden, hier und da ist der Putz abgebröckelt, Löcher sind zu sehen, aber auch zugespachtelte Schadstellen. So zeigen sich an unseren Lebenshäusern unsere Erfahrungen.

Doch welchen Nutzen haben die schönsten Wände und Dächer, wenn sie bei heftigem Sturm zum Einsturz gebracht werden? Was hilft eine wunderschön gemauerte Fassade, wenn das Fundament des Hauses nachlässig angelegt wurde und die Wände in den Böen nicht stützen kann?

Jesus: Achtet auf die Lebensgrundlage

Jesus dachte bei diesem Gleichnis wohl an die trockenen Flussbette seiner Umgebung. Sie konnten sich bei Regen in Sturzbäche verwandeln und alles mitreißen, was nicht fest verankert war. Um sicher zu bauen, musste man tief graben, um auf eine solide Felsschicht zu stoßen. Wer sich diese Mühe machte, musste Wind und Regen nicht fürchten, das Haus blieb stehen.
Jesus überträgt diese Alltagserfahrung auf unser Lebenshaus: 
  • Wir sind so beschäftig mit Mauerbau, dass wir keine Zeit für das Fundament aufbringen.
  • Wir haben schon so lange ohne einen Sturm gelebt, dass die Gefahr nicht mehr präsent ist.
  • Wir haben so viel in unsere Mauern investiert, dass wir nicht bereit sind, auf einem neuen Fundament wieder Mauern hochzuziehen.
Doch ohne feste Lebensgrundlage halten die Mauern unseres Lebens nicht stand. Es ist ein Schön-Wetter-Haus. Sobald Not, Tod, persönliche Probleme und globale Ängste auf uns einstürmen, helfen uns schöne Fassaden nicht mehr.

Jesus: Fundament sind „diese meine Worte“

Jesus bezieht sich hier auf seine Rede, die er seinen Jüngern auf dem Berg hielt. Es würde diesen Gottesdienst sprengen, mit Ihnen die Bergpredigt durchzugehen, doch sie verdichtet sich in einem Wort: Liebe. Sie handelt von Gottes Liebe zu uns Menschen, der seinen Sohn zu uns schickte, um uns zu suchen. Von Angesicht zu Angesicht spricht er zu: Ich bin deine Lebensgrundlage, ich will dein Bestes, ich bleibe bei dir bis in Ewigkeit. Diese Liebe Gottes ist ein tragfähiges und sicheres Fundament, wenn Gott sich mit uns verbündet, was kann uns da noch passieren?

Diese Worte zu hören, meint, sie zu Herzen zu nehmen, sie zu bewegen, sie immer wieder neu durchzubuchstabieren. Es bedeutet, zaghaft die Hand Jesu zu ergreifen, ihn zu bitten, sich deutlich zu zeigen, den Lebensweg zu begleiten. 

Jesus: Fundament ist, „sich nach diesen Worten zu richten“

Das Lebenshaus auf dem Fundament zu verankern, ist mehr, als von dieser Möglichkeit theoretisch zu wissen. In der Bergpredigt wird als Zentrum der Beziehung zwischen Gott und Mensch das Gebet genannt. Sich auf dem Fundament verankern, bedeutet, vertrauensvoll zum Vater im Himmel zu beten, mit ihm in Jesu Namen zu reden und von ihm zu hören, wie es weitergehen soll. Gebet ist keine religiöse Pflichtübung, sondern Ausdruck einer lebendigen Beziehung. Jesus fordert uns auf, ihm einige Minuten am Tag für das Zwiegespräch mit ihm zur Verfügung zu stellen. Er möchte die Chance haben, mit uns in Kontakt zu sein. Für jeden und jede von uns sehen diese Minuten unterschiedlich aus. Eine setzt sich an einen ruhigen Ort, lässt ihre Gedanken frei und liest ein Bibelwort, um Jesus zum Gespräch zu bitten. Einer schreibt ein Gebetstagebuch, eine andere telefoniert jeden Tag mit ihrer Freundin, sie sprechen über ihre Erkenntnisse aus der Bibel, sie übertragen sie auf ihr Leben, sie beten gemeinsam. Und so lassen sich noch viele Pfade aufzeigen, auf denen wir ganz individuell den Zugang in die Zeit mit Jesus finden. Es ist Arbeit am Fundament unseres Lebens, nicht Fassadenverschönerung. Wir sollten nicht zögern, diese Minuten regelmäßig zu reservieren.

Aus dem Zwiegespräch mit Jesus wächst unsere Lebensrichtung. Er ist der Bauherr unseres Lebens, nicht wir. Er gibt die Vorgaben, in welche Richtung wir bauen sollten. Er lässt uns lernen, dass es in unserem Leben nicht darum gehen kann, dass wir Recht haben, dass unsere Interessen vertreten werden, dass unsere Sorgen im Mittelpunkt stehen. Sondern Jesus lehrt uns mit seinen Augen zu sehen. Der Bauherr bestimmt das weitere Vorgehen. Statt „Ich will“ heißt es jetzt „Was du willst“. Wir werden auf seine Kraft aufmerksam, die er uns schenken will, und damit frei von mancher Sorge um uns selbst. Wir werden frei zu geben, zu lieben, zu begleiten. Wir werden bereit für unbequeme Wege, um anderer willen zu verzichten. Wir werden fähig zu vergeben und uns vergeben zu lassen.

Taufe und Aufnahme heute

Ihr habt euch mit den Fragen zur Taufe und Aufnahme auseinandergesetzt. Sie fragen im Zentrum: Wollt ihr euer Lebenshaus auf Jesus Christus gründen? Die Entscheidung, die ihr heute fällt, hat Auswirkungen bis in die Ewigkeit jenseits eures biologischen Todes. Stürme werden in eurem Leben kommen, kein Mensch ist davon ausgenommen. Aber euer Haus ist fest verankert, nichts kann euch aus Gottes Händen reißen. Manche Mauer eures Hauses wird euch im Nachhinein vielleicht nicht gefallen, vielleicht bleibt mancher Abschnitt des Hauses auch Baustelle, vielleicht stürzen die Mauern auch irgendwann teilweise ein. Aber das soll euch nicht bekümmern. Wichtig sind nicht die Fassaden, wichtig ist eure Grundlage. Wenn die fest ist, seid ihr nie am Ende, es gibt immer einen Weg in die Zukunft.

In Irland staunen wir immer wieder über die weit verstreut liegenden Häuser. Wir lernten vor ein paar Wochen, dass die Zersiedelung der Landschaft große Probleme im Wasserbereich bereitet, Kanalisation ist sehr aufwändig, die Wasserrohre marode und schwer zu ersetzen. Jesus hat uns in einer Gemeinde zusammen gestellt, weil er um die Probleme einer zersiedelten Landschaft weiß. Ein Christ allein hat es schwer, an Jesus dranzubleiben. Zu leicht ist er von allen möglichen anderen Themen abgelenkt, investiert in seine Fassaden und spart mit der Zeit am falschen Ende. In der Gemeinde sind wir Baugemeinschaft. Wir helfen einander, in die Fundamente zu investieren, wir üben uns ein, nicht die eigene Meinung durchzusetzen, sondern auf Jesus zu hören. Wir gewähren uns Hilfe, Sicherheit und Schutz, und wir sind gemeinsam Licht und Orientierungspunkt für unsere Umgebung. Mit eurer Taufe und Aufnahme gehört ihr jetzt dazu, und wir sind gespannt auf euer Bauen. Wir wollen euch dabei helfen und bitten euch, auch uns zu helfen, wo wir den wachen Blick für unsere Fundamente verloren haben.

Und die, die einfach nur mal interessiert dieser Bauanleitung Jesu zugehört haben, ermutigen wir, einmal die eigenen Grundlagen des Lebens zu prüfen. Es kann lebensverändernd sein.

„Wer diese meine Worte hört und sich nach ihnen richtet, wird am Ende dastehen wie ein kluger Mann, der sein Haus auf felsigen Grund baute. Als dann die Regenflut kam, die Flüsse über die Ufer traten und der Sturm tobte und an dem Haus rüttelte, stürzte es nicht ein, weil es auf Fels gebaut war.“

Cornelia Trick


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