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Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
Heute Morgen sieht die Situation anders aus. Wir haben uns die Türen aufgehalten, und als Antwort darauf ertönten vielfältige Dankesworte. Warum der Unterschied? Wer uns die Tür aufhält, tut es für uns. Tür-Aufhalten ist eine Beziehungsangelegenheit. Wer die Tür aufhält, drückt aus, dass der andere, die andere ihm wichtig ist. Ihm oder ihr will er etwas Gutes tun. Erntedank zu feiern setzt voraus, dass wir den Geber aller Gaben kennen und eine Beziehung zu ihm haben. Wie man einem automatischen Türöffner nicht Danke sagt, so auch nicht einem anonymen Schicksal, das man nicht kennt, das sich nicht persönlich zeigt und vollkommen unberechenbar ist. Eine Ermutigung des Paulus an die Gemeinde in Philippi bringt uns verschiedene Aspekte des Danke-Sagens nahe. Philipper 4,6 Grundlage für ein getrostes und zuversichtliches Leben ist der Dank für das, was wir schon empfangen haben. Wir werden aufgefordert, uns zu erinnern, in frühere Zeiten zurückzublicken und die Geschenke einzusammeln, die auf unserem Lebensweg liegen. Erntedank – wem danken
wir?
Wie gut, zu unserem Geber aller Gaben eine Beziehung zu haben. Unser Dank richtet sich nicht an eine anonyme Adresse, sondern an den, der uns in Jesus Christus sein Gesicht gezeigt hat. Jesus will unser Leben, er will, dass wir keinen Mangel leiden, er gibt uns alles, was wir brauchen, so steht es in der Bibel. Er zeigt uns einen Weg, der in immer engere Beziehung zu ihm führt und uns immer stärker auf seine Hilfe vertrauen lässt. Die Ernte ist nur ein Zeichen seiner Liebe, die er uns vielfältig zukommen lässt. Und selbst wenn wir keine Erntegaben zu bringen hätten, weil große Katastrophen über uns hinein gebrochen sind, würde doch etwas hier vorne sinnbildlich liegen, die Zeichen seiner Treue, für andere klein und unscheinbar, für uns groß und deutlich. Denn Jesus lässt uns niemals los und trägt uns durch bis in die Ewigkeit. Er hält uns die Tür zu einem neuen Leben auf, in dem niemand mehr hungrig sein wird, weil Gott ihn nährt. Wie anders, wenn der Geber aller Gaben unbekannt bleibt. Müssen wir uns dann nicht letztendlich selbst feiern? Dass wir so viel geschafft haben? Dass wir so viel Geld verdient haben, um uns alles Lebensnotwendige zu leisten? Oder müssten wir an uns selbst verzweifeln, wenn wir nichts Sichtbares geschafft haben? Unsere Saat nicht aufgegangen ist, die Früchte unserer Bemühungen verfault sind? Alle Türen geschlossen blieben, weil der Mechanismus versagte? Von der Geschichte her ist klar, warum wir einmal im Jahr unseren Dank besonders an der Ernte festmachen. Wir waren eine agrarische Gesellschaft, unser Wohl und Wehe hing Hunderte von Jahren an der Ernte, wir waren Teil von Gottes Schöpfung und auf sie angewiesen. Doch seit der Industrialisierung rückt die Bedeutung der Ernte im Herbst immer mehr in den Hintergrund. Früchte des Feldes kaufen wir das ganze Jahr von allen Erdteilen der Welt. Warum also heute noch Erntedank? Ich meine, dass uns unser Angewiesensein auf Gott und seine Güte immer noch am deutlichsten in der Schöpfung wird. Wir haben das Wetter nicht im Griff. Wir haben die Schädlingen nur begrenzt unter Kontrolle. Wir können normalerweise beim Wachsen und Gedeihen nur zuschauen. Wir erkennen in der Natur unsere Abhängigkeit von Gott so deutlich wie selten. Und es macht einen großen Unterschied, ob wir uns von Gott abhängig wissen, der uns in Jesus seine ganze Liebe zugesagt hat – egal was passiert, oder von einem undefinierbaren Schicksal, das mit uns macht, was es will, und dem wir schutzlos ausgeliefert sind. Erntedank – wofür
danken wir?
Wir danken heute unserem Gott auch für andere Saat, die im übertragenen Sinne aufgegangen ist, für Projekte, die gelungen sind, für Gespräche, die gefruchtet haben, für Beziehungen, die gestärkt und tragfähiger wurden. Wir danken auch für die Vergebung, die wir empfangen durften oder für die wir bereit wurden, und die zu neuem Wachstum geführt hat. Wir danken Gott für Bewahrungen und Heilung, für Situationen, in denen wir am Boden lagen und wieder aufstehen durften, für konkrete Weichenstellungen, die uns in eine neue Richtung gehen ließen. Wir danken Gott für die Freiheit, unseren Glauben zu leben, für Jesus zu werben, unseren christlichen Glauben in der öffentlichen Diskussion einzubringen und in unserem Gemeindeleben vom Staat unterstützt und gefördert zu werden. Wir danken Gott vor allem für das eine Saatkorn, Jesus, der mit seinem Tod in die Erde gepflanzt wurde, um viel Frucht zu bringen. Er ist das Brot und Wasser des Lebens, er ist der Weinstock, an dem wir wachsen können. Danken – und weiter?
Paulus ermutigt uns, unsere Sorgen und Anliegen Gott zu bringen. Wir können mit Jesus reden, sie ihm mitgeben, und er wird sich darum zusammen mit unserem himmlischen Vater kümmern. Weil wir uns erinnert haben an alle guten Dinge, die Gott uns geschenkt hat, bekommen wir Mut, ihm auch die aktuellen Sorgen anzubefehlen. Dafür gibt es verschiedene Hilfen.
„Dann wird der Friede Gottes, der alles menschliche Begreifen weit übersteigt, euer Denken und Wollen im Guten bewahren, geborgen in der Gemeinschaft mit Jesus Christus.“ (Philipper 4,7) Wir sind geborgen in Gottes Hand, weil Jesus für uns ist. Unsere Welt ist in Gottes Hand geborgen, was auch geschieht. Im Frieden, den Gott uns durch Jesus schenkt, können wir befreit leben und in unserer Umgebung diese Friedens-Saat säen. Das Gedeihen liegt in Gottes Hand, doch auf ihn ist Verlass. Cornelia
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