Danke ... und wie es weitergeht
Familiengottesdienst zum Erntedankfest am 03.10.2004

Lukas 8,41-42+49-55

Da trat ein Mann namens Jairus auf Jesus zu. Er war der Synagogenvorsteher am Ort. Er warf sich vor Jesus nieder und bat ihn, doch in sein Haus zu kommen; seine etwa zwölfjährige Tochter, sein einziges Kind, lag nämlich im Sterben. 
Kurze Zeit später kam ein Bote aus dem Haus des Synagogenvorstehers und sagte zu Jairus: "Deine Tochter ist gestorben. Bemühe den Lehrer nicht weiter!" Jesus hörte es und sagte zu Jairus: "Hab keine Angst! Fass nur Vertrauen, dann wird sie gerettet!" Als er zum Haus kam, ließ er nur Petrus, Johannes und Jakobus mit hineingehen und dazu den Vater des Kindes und die Mutter. Drinnen weinten alle und trauerten um das Mädchen. Jesus sagte: "Weint nicht! Es ist nicht tot, es schläft nur. "Da lachten sie ihn aus, denn sie wussten, es war tot. Aber Jesus nahm es bei der Hand und rief: "Mädchen, steh auf!" Da kehrte wieder Leben in das Mädchen zurück und es stand sofort auf; und Jesus ließ ihm etwas zu essen geben.

Szene A
Ehepaar JairusJairus sitzt mit seiner Frau beim Frühstück. Beim Lesen der Zeitung fällt Jairus das Datum ins Auge - die Rettung seiner Tochter ist genau ein Jahr her. Er spricht kurz mit seiner Frau über das Ereignis vor einem Jahr. Doch beide wenden sich schnell wieder ihrem Alltag zu, Jairus liest die Zeitung, seine Frau schimpft auf die Nachbarn und die unordentliche Tochter.

Szene B
Ehepaar JairusJairus sitzt mit seiner Frau beim Frühstück. Sie erinnern sich an den Jahrestag der Rettung ihrer Tochter. Sie beschließen, ein ganz großes Fest zu feiern und alle Verwandten, Nachbarn und Freunde dazu einzuladen. Jairus Frau stürzt sich ins Kuchenbacken, Jairus stellt die Liste der Gäste zusammen. Sie freuen sich sichtbar.

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
nicht nur die Tochter des Jairus bekam ein großes Geschenk am Tag ihrer Rettung überreicht. Auch wir erhalten große Geschenke mit sehr persönlichem Inhalt. Einem wurde nach langer Krankheit Genesung geschenkt. Ein Lastwagenfahrer konnte sich letzte Woche auf der A3 aus seinem brennenden Fahrzeug flüchten, bevor ihm etwas passierte. Eine Frau findet die verlorengegangene Liebe wieder und erlebt eine neue Verbundenheit mit ihrem Mann. Eine Jugendliche findet zum Glauben an Jesus und spürt seine Wegbegleitung. Und wir alle bekommen Geschenke, die Frieden heißen, Wohlstand, genug zu essen und zu trinken, demokratische Rechte und Freiheit. Heute am Gedenktag der Vereinigung von Ost- und Westdeutschland haben wir auch dieses besondere Geschenk in unseren Händen. Diese liebevoll verpackten Präsente sind die Wunder in unserem Leben, die unseren Blick über unsere eigenen Möglichkeiten und Kräfte erheben. Es sind Zeichen, dass Gott am Wirken ist und seine Gegenwart mitten in unser persönliches Leben hineinreicht.

Geschenke sollen Freude machen. Sie haben den Sinn, den Beschenkten oder die Beschenkte an den Schenkenden zu erinnern. Sie vermitteln: Der Schenkende hat dich lieb. Er ist in besonderer Weise mit dir verbunden. Gott gibt durch Geschenke des Lebens zu verstehen: Du bist mir nicht egal, ich sehne mich nach dir und denke an dich.

Wie gehen wir nun mit dem Geschenk um?

Eine Möglichkeit ist, das Papier ganz schnell aufzureißen, die Schachtel zu öffnen und den Inhalt kurz zu mustern. Wer schon viel hat, der wird das Geschenk vielleicht gar nicht schätzen und brauchen. Er verkramt es und hat es bald vergessen. Manch einer wird das Geschenk vielleicht auch eine Weile aufheben, die Jahrestage feiern. Doch mit der Zeit verblasst das Geschenk und wird nur noch zu einem Ausstellungsstück unter vielen. Und die ganz Eifrigen entsorgen das Geschenk sofort. Sie finden es vielleicht kitschig, antiquiert, unnütz und interessieren sich nicht dafür.

Übertragen wir das auf das Geschenk des Lebens, das Jairus Tochter bekommen hatte, so tut es weh, sich vorzustellen, dass die Familie diese wunderbare Rettung aus dem Tod vergisst, bagatellisiert oder für unnötig und überzogen erklärt. Wir erwarten stattdessen, dass die Rettung das Familienleben total umgekrempelt hat.

Doch wie sieht es mit unseren Geschenken aus? Hat uns eine erfahrene Rettung umgekrempelt? Hat uns als Land die Vereinigung bleibend froh und dankbar gestimmt? Kann man uns heute abspüren, dass wir Beschenkte sind, die durch ihre Geschenke verändert wurden?

Die Heilung, ja Totenauferweckung damals lehrt mich, wieder neu auf das Geschenkte zu achten und dahinter Gott selbst wahrzunehmen, der mir in Jesus dieses Geschenk überreicht hat. Ich möchte den Jahrestag meiner großen und kleinen Rettungen nicht vergessen. Ich möchte das Leben, das Gott mir jeden Tag neu schenkt, wertschätzen wie einen lang ersehnten Urlaubstag am Strand oder in den Bergen. Ich möchte meinen Dank dafür zum Ausdruck bringen, indem ich das geschenkte Leben investiere, um anderen Menschen und dieser Welt Licht zu bringen, Freude zu geben und sie nach Gottes Willen zu gestalten.

Die Worte Jesu, die er zu Jairus sagte, sind Worte auch für mich: "Hab keine Angst! Fass nur Vertrauen." Gott hat mir geschenkt, dass ich mit ihm in einer bleibenden Verbindung stehe. Da kann ich meine Ängste überwinden und die nächsten Schritte im Vertrauen auf Gottes Begleitung gehen. Er lässt mich nicht los. Er steht zu mir. Ihm liegt daran, dass auch ich gerettet werde und ein Leben mit ihm führe.

Jahrestage sind Feiertage. Wir sollten uns Zeit nehmen, um dem Geschenk in unserem Leben auf die Spur zu kommen. Worin hat Gott mir seine Liebe überdeutlich gezeigt? In welcher Verpackung überreichte er mir seinen Liebesbrief und wie kann ich heute darauf antworten?

Ich persönlich lerne aus der Jesusbegegnung, dass ich mein geschenktes Leben für Jesus einsetzen will. Das gestaltet sich vielfältig. Ich möchte in den Zweifeln und Anfragen dieser Tage Mut und Zuversicht zum Ausdruck bringen, die von Gott kommen. Ich möchte meinen Kindern tragfähige Liebe entgegen bringen, auf die sie sich verlassen können, so wie ich mich auf Jesus verlassen kann. Ich möchte der Berufung in meinem Leben nachspüren und das Leben so gestalten, wie Gott es gemeint hat. Und wir als Bürger dieses Landes mit seinen Themen wie Arbeitslosigkeit, Schulden und Umwälzungen im Gesundheitssystem können aktiv mitwirken, dass das Geschenk der Vereinigung in der Vitrine nicht verbleicht und vertrocknet, sondern den Impuls gibt, das Gute zu sehen und zu unterstützen, die Lasten gemeinsam zu tragen und eine Vision im Herzen zu tragen, dass Gott sich nach jedem und jeder in diesem Land sehnt und wir dazu beitragen können, dass er oder sie ihn kennen lernt und auf seine Liebe antwortet.

Cornelia Trick


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