Christus lernen (Epheser 4,17-18+20-24)
Gottesdienst am 06.07.2014 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,
schon länger haben meine Lieblingsschuhe ein Loch in der Sohle. Vor zwei Monaten habe ich mir Nachfolgeschuhe gekauft, doch nun ist das Wetter so trocken geblieben, dass ich mich von den alten, bequemen Schuhen einfach nicht trennen kann. Mein erster Griff ist immer noch zu ihnen, während die neuen im Schuhregal warten müssen.

Das Leben mit Jesus Christus stellt eine Wende dar. Das alte Leben legen wir ab, das neue Leben ergreift von uns Besitz und füllt uns aus. Halten wir allerdings unsere alten Lebensmuster fest, werden sich keine neuen Wege auftun. Loszulassen ist die Voraussetzung für ein Leben mit Jesus. Anschaulich wird das im Brief an die Gemeinde in Ephesus beschrieben.

Epheser 4,17-18+20-24

Das aber sage ich euch im Auftrag des Herrn mit allem Nachdruck: Ihr dürft nicht mehr wie die Menschen leben, die Gott nicht kennen und deshalb von ihrem verkehrten Denken in die Irre geführt werden. Ihr Verstand ist verdunkelt und sie haben keinen Zugang mehr zum wahren Leben, zu Gott. Das kommt von ihrer Unwissenheit und ihrem verhärteten Herzen. Ihr wisst, dass sich ein solches Leben nicht mit dem verträgt, was ihr über Christus gelernt habt. Ihr habt doch von ihm gehört, ihr seid über ihn unterrichtet worden und habt an Jesus den Maßstab für euer eigenes Leben. Legt also eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist. Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem Bild geschaffen hat und der gerecht und heilig lebt aus der Wahrheit Gottes, an der nichts trügerisch ist.

In der Gemeinde, an die Paulus den Brief richtet, gibt es offenbar Leute, die zwar Christen wurden, sich taufen ließen, die Gottesdienste besuchten, aber weiter in ihren alten Schuhen liefen. Paulus behauptet nun, dass sie so nicht wachsen können, an ihrer Bestimmung vorbei leben und nichts Neues lernen. Das Alte abzulegen und dann erst das Neue anzuziehen, ist notwendig.

Drei Aspekte sind dabei wichtig:

  • Wollen: Will ich meine Gewohnheiten, meinen Lebensstil verändern? Merke ich, dass er mir nicht gut tut, mich unruhig und unleidlich werden lässt, mich von Gott weg bringt?
  • Bemühen: Bin ich bereit, in meinen Weg mit Jesus zu investieren? Das ist vergleichbar mit dem Spielen eines Instruments. Um eine gute Klavierspielerin zu sein, müsste ich regelmäßig üben. Das ist mir zu anstrengend, also lasse ich es sein. Mein Spielniveau wird nie steigen, im Gegenteil, ich verlerne das Spielen immer mehr. Ganz anders wäre es, wenn ich mich nur eine halbe Stunde täglich ans Klavier setzen würde. Bemühen – ist mir Jesus das wert?
  • Durchhalten: Der lange Weg eines Lebens ist wie eine Bergtour zu einem hohen Gipfel. Der Weg ist herausfordernd und anstrengend. Man braucht Motivation und Kraft, ausreichend Getränk und gute Bergkameraden, um am Gipfel anzukommen. Haben wir jemand, der mit uns den Glaubensweg geht, der mit uns in den Tiefen betet und auf den Höhen Gott lobt? Lohnt sich das Ziel, um dranzubleiben und nicht auf Abwege zu geraten? Und gibt es Stationen zum Rasten und Kraft Holen?
Paulus beschreibt den Übergang vom alten ins neue Leben sehr anschaulich mit Kleidungsstücken, die abgelegt werden, damit neue angezogen werden können. Das geschieht nicht plötzlich und auf einmal, sondern ist ein Prozess. Ein paar Aspekte dieser Veränderung möchte ich aufzeigen.

Wir werden verändert durch die Begegnung mit Jesus

Um Jesus kennenzulernen, sind die Evangelien die beste Quelle. Die dort gesammelten Geschichten über Jesus können wir in Fleisch und Blut aufnehmen. Manchmal denken wir vielleicht, ach, die Geschichte kenne ich schon so lange, da steckt nichts Neues mehr drin. Und dann merken wir, wie bei genauem Hinhören sich wieder ein neuer Aspekt auftut, wir ermutigt oder ertappt werden und diese Geschichte einen neuen Stellenwert in unserem Leben bekommt. Wenden wir das Gelernte dann auf unseren Alltag an, wird schnell deutlich, was Jesus zu unserem Stress, unseren Nöten, unserem Streit, unserer Müdigkeit sagen würde. 

Um nicht nur zu wollen, sondern auch dabei zu bleiben und durchzuhalten, sind wie beim normalen Lernen Faktoren wichtig: das geeignete Lernmaterial, die Ruhe zum Auffassen und sich Setzen-Lassen und das Ziel, das zum Lernen motiviert. „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“, die Jahreslosung für 2014 ist ein gutes Ziel, um die Begegnung mit Jesus immer wieder zu suchen.

Wir werden verändert durch Probleme

Meine Kleider selbst nähen zu können, hielt meine Mutter für eine wesentliche Fähigkeit, die sie mir beibringen wollte. Die ersten Nähversuche waren ein Kampf. Zu Beginn sah alles noch ganz einfach aus. Ein schöner Stoff und ein passendes Schnittmuster ließen im Kopf das Bild des perfekten Kleides entstehen. Doch bei der ersten Anprobe saß meistens noch nichts richtig. Am liebsten hätte ich alles in den Müll geworfen und ein fertiges Kleid gekauft. Aber da kam der Spruch meiner Mutter: „Meister, ich bin fertig, wo kann ich trennen?“ Probleme waren also beim Nähen schon im Programm inbegriffen. So trennte ich zig-Mal auf und hatte schließlich doch ein Kleid, das dem Bild auf dem Schnittmuster sehr nahe kam. Hätte ich bei der ersten Anprobe alles weggeschmissen, wäre mir die Freude über das gelungene Kleidungsstück entgangen, und ich hätte Kleidung bis heute nie so schätzen können.

Wenn in unserem Glaubensleben Probleme kommen, fragen wir uns unwillkürlich: Warum ich? Was habe ich Schlimmes getan? Wozu brauche ich Gott, wenn mir trotz Glauben so etwas zustößt? Das Wegwerfen des Glaubens liegt nahe. Aber Probleme gehören offensichtlich zum Glauben dazu. Josef wurde nach Ägypten verkauft und kam da ins Gefängnis. Daniel landete in der Löwengrube. Paulus erlitt dreimal Schiffbruch und jede Menge menschlicher Enttäuschungen. Warum? Diese Schwierigkeiten lassen uns offenbar aufnahmebereit für Gottes Hilfe werden. Sie geben Jesus die Chance, uns an die Hand zu nehmen und zu tragen. Sie machen uns zu Veränderungen bereit, weil wir sonst viel lieber in unseren alten Schuhen bleiben würden. 

In Problemen wachsen können wir im Beten. Beten wir um kleine Zeichen und Hinweise Gottes, dass er nahe ist und uns liebt. Machen wir uns innerlich bereit zur Veränderung, dass wir den Kurs korrigieren können. Vertrauen wir darauf, dass Gott auch aus diesem Abgrund, der sich vor uns auftut, ein wesentliches Puzzleteil unseres Lebens machen kann, das uns reifen lässt. 

Der Psalmbeter drückt sein Vertrauen in Problemen so aus (Psalm 34,19-20):
Wenn sie verzweifelt sind und keinen Mut mehr haben, dann ist er ihnen nahe und hilft.
Wer dem HERRN treu bleibt, geht durch viele Nöte, aber aus allen befreit ihn der HERR.“

Verändert werden durch Versuchungen

Versuchungen sind wie Kreuzungen, an denen nicht klar ist, wo die einzelnen Abzweigungen lang führen. Sie fordern in ganz besonderer Weise unser Orientierungsvermögen heraus, und das wächst, wenn wir es trainieren. 

Wir werden z.B. versucht, unehrlich zu sein. Beim Einkauf blieb ein Artikel unentdeckt im Einkaufswagen liegen. Wir merken es erst beim Einpacken ins Auto. Was machen wir? Die Butter zurückbringen und zahlen? Oder stillschweigend einpacken? Oder mit schlechtem Gewissen einpacken? Ein kurzer Blick nach oben würde reichen – was würde Jesus tun? Wenn der Artikel teurer und die Versuchung, ihn mitgehen zu lassen, größer ist, können wir auch beten „Herr, halte mich jetzt fest und auf deinem Weg“. Und wenn die Versuchung so stark ist, dass wir ihr einfach nicht widerstehen können, hilft es, einen Mitwisser zu haben, der uns in der Fürbitte unterstützt.

Wir werden versucht, untreu zu werden. Was würde Jesus tun? Hat er überhaupt eine Ahnung von den Schwierigkeiten einer langen Beziehung und den Reizen eines Neuanfangs? Gönnen wir uns ein kurzes Innehalten, werden wir Klarheit bekommen. Egal, wie wir es drehen und wenden, Jesus würde nicht zur Untreue ermutigen, sondern von uns erwarten, dass wir die bestehende Beziehung klären und ehrlich und offen miteinander umgehen. Er würde uns ermutigen, uns Hilfe zu holen und gibt uns die Kraft, der Versuchung zu widerstehen.

Wenn uns was Tolles gelungen ist, werden wir vielleicht versucht, stolz auf uns unsere Leistung zu sein. Das führt zu Überheblichkeit und Bitterkeit, wenn andere diese Leistung nicht bringen können. Eine Bekannte von mir erzählte mir, wie sehr sie Leute in ihrer Umgebung aufregten, die einfach keine Leistung brachten und scheinbar nur sie arbeiten ließen. Das änderte sich, nachdem ein Freund  ihr sagte: „Du hast dir doch dein Können auch nicht selbst erarbeitet, es ist dir von Gott geschenkt worden, sei nicht so hart zu deinen Mitmenschen. Sei Gott dankbar für dein Können, aber nicht überheblich.“ Sie erkannte, wie ihr Stolz sie blind machte für die anderen. Ein neues Miteinander wurde möglich.

Veränderung braucht Zeit und Lernklima

Geflügel wird so gezüchtet, dass es in möglichst kurzer Zeit schlachtfertig ist. Man spart auf diese Weise Platz und Futter, kann in kürzerer Zeit mehr Geflügel auf den Markt bringen. Was auf der Strecke bleibt, ist die Qualität. Christen sind keine Hühner oder Puten, die im Schnellverfahren reifen sollen. Jeder Schritt ist nötig, um das Qualitätssiegel des Heiligen Geistes zu bekommen. Was wir uns ohne Jesus Christus angeeignet haben, dürfen wir ablegen. Neues eignen wir uns an durch Lernen, Wiederholen und Anpassen an unseren Alltag.

Haben wir ein gutes Lernklima? In der Gemeinde sind wir eine solche Lerngruppe. Wir können uns helfen durch „Abhören“ und geistliche Freundschaften. Vorbilder in der Gemeinde motivieren, und als Ziel haben wir das ganze Jahr hindurch die Jahreslosung im Altarraum der Kirche vor Augen „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“. 

Es lohnt sich, von Jesus Christus zu lernen. Wollen, Bemühen und Durchhalten sind wichtige Eigenschaften, um bei der Gipfeltour nicht aufzugeben. Es wäre schade, wenn wir wegen unserer „alten Schuhe“ scheitern würden.

Cornelia Trick


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