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Gottesdienst am 06.07.2014
in Brombach
Liebe Gemeinde, liebe Schwestern
und Brüder,
schon länger haben
meine Lieblingsschuhe ein Loch in der Sohle. Vor zwei Monaten habe ich
mir Nachfolgeschuhe gekauft, doch nun ist das Wetter so trocken geblieben,
dass ich mich von den alten, bequemen Schuhen einfach nicht trennen kann.
Mein erster Griff ist immer noch zu ihnen, während die neuen im Schuhregal
warten müssen.
Das Leben mit Jesus Christus
stellt eine Wende dar. Das alte Leben legen wir ab, das neue Leben ergreift
von uns Besitz und füllt uns aus. Halten wir allerdings unsere alten
Lebensmuster fest, werden sich keine neuen Wege auftun. Loszulassen ist
die Voraussetzung für ein Leben mit Jesus. Anschaulich wird das im
Brief an die Gemeinde in Ephesus beschrieben.
Epheser 4,17-18+20-24
Das aber sage ich euch im
Auftrag des Herrn mit allem Nachdruck: Ihr dürft nicht mehr wie die
Menschen leben, die Gott nicht kennen und deshalb von ihrem verkehrten
Denken in die Irre geführt werden. Ihr Verstand ist verdunkelt und
sie haben keinen Zugang mehr zum wahren Leben, zu Gott. Das kommt von ihrer
Unwissenheit und ihrem verhärteten Herzen. Ihr wisst, dass sich ein
solches Leben nicht mit dem verträgt, was ihr über Christus gelernt
habt. Ihr habt doch von ihm gehört, ihr seid über ihn unterrichtet
worden und habt an Jesus den Maßstab für euer eigenes Leben.
Legt also eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen
ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen
ihn ins Verderben. Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist,
der euch geschenkt ist. Zieht den neuen Menschen an, den Gott nach seinem
Bild geschaffen hat und der gerecht und heilig lebt aus der Wahrheit Gottes,
an der nichts trügerisch ist.
In der Gemeinde, an die
Paulus den Brief richtet, gibt es offenbar Leute, die zwar Christen wurden,
sich taufen ließen, die Gottesdienste besuchten, aber weiter in ihren
alten Schuhen liefen. Paulus behauptet nun, dass sie so nicht wachsen können,
an ihrer Bestimmung vorbei leben und nichts Neues lernen. Das Alte abzulegen
und dann erst das Neue anzuziehen, ist notwendig.
Drei Aspekte sind dabei
wichtig:
-
Wollen: Will ich meine Gewohnheiten,
meinen Lebensstil verändern? Merke ich, dass er mir nicht gut tut,
mich unruhig und unleidlich werden lässt, mich von Gott weg bringt?
-
Bemühen: Bin ich bereit,
in meinen Weg mit Jesus zu investieren? Das ist vergleichbar mit dem Spielen
eines Instruments. Um eine gute Klavierspielerin zu sein, müsste ich
regelmäßig üben. Das ist mir zu anstrengend, also lasse
ich es sein. Mein Spielniveau wird nie steigen, im Gegenteil, ich verlerne
das Spielen immer mehr. Ganz anders wäre es, wenn ich mich nur eine
halbe Stunde täglich ans Klavier setzen würde. Bemühen –
ist mir Jesus das wert?
-
Durchhalten: Der lange Weg
eines Lebens ist wie eine Bergtour zu einem hohen Gipfel. Der Weg ist herausfordernd
und anstrengend. Man braucht Motivation und Kraft, ausreichend Getränk
und gute Bergkameraden, um am Gipfel anzukommen. Haben wir jemand, der
mit uns den Glaubensweg geht, der mit uns in den Tiefen betet und auf den
Höhen Gott lobt? Lohnt sich das Ziel, um dranzubleiben und nicht auf
Abwege zu geraten? Und gibt es Stationen zum Rasten und Kraft Holen?
Paulus beschreibt den Übergang
vom alten ins neue Leben sehr anschaulich mit Kleidungsstücken, die
abgelegt werden, damit neue angezogen werden können. Das geschieht
nicht plötzlich und auf einmal, sondern ist ein Prozess. Ein paar
Aspekte dieser Veränderung möchte ich aufzeigen.
Wir werden verändert
durch die Begegnung mit Jesus
Um Jesus kennenzulernen, sind
die Evangelien die beste Quelle. Die dort gesammelten Geschichten über
Jesus können wir in Fleisch und Blut aufnehmen. Manchmal denken wir
vielleicht, ach, die Geschichte kenne ich schon so lange, da steckt nichts
Neues mehr drin. Und dann merken wir, wie bei genauem Hinhören sich
wieder ein neuer Aspekt auftut, wir ermutigt oder ertappt werden und diese
Geschichte einen neuen Stellenwert in unserem Leben bekommt. Wenden wir
das Gelernte dann auf unseren Alltag an, wird schnell deutlich, was Jesus
zu unserem Stress, unseren Nöten, unserem Streit, unserer Müdigkeit
sagen würde.
Um nicht nur zu wollen,
sondern auch dabei zu bleiben und durchzuhalten, sind wie beim normalen
Lernen Faktoren wichtig: das geeignete Lernmaterial, die Ruhe zum Auffassen
und sich Setzen-Lassen und das Ziel, das zum Lernen motiviert. „Gott nahe
zu sein, ist mein Glück“, die Jahreslosung für 2014 ist ein gutes
Ziel, um die Begegnung mit Jesus immer wieder zu suchen.
Wir werden verändert
durch Probleme
Meine Kleider selbst nähen
zu können, hielt meine Mutter für eine wesentliche Fähigkeit,
die sie mir beibringen wollte. Die ersten Nähversuche waren ein Kampf.
Zu Beginn sah alles noch ganz einfach aus. Ein schöner Stoff und ein
passendes Schnittmuster ließen im Kopf das Bild des perfekten Kleides
entstehen. Doch bei der ersten Anprobe saß meistens noch nichts richtig.
Am liebsten hätte ich alles in den Müll geworfen und ein fertiges
Kleid gekauft. Aber da kam der Spruch meiner Mutter: „Meister, ich bin
fertig, wo kann ich trennen?“ Probleme waren also beim Nähen schon
im Programm inbegriffen. So trennte ich zig-Mal auf und hatte schließlich
doch ein Kleid, das dem Bild auf dem Schnittmuster sehr nahe kam. Hätte
ich bei der ersten Anprobe alles weggeschmissen, wäre mir die Freude
über das gelungene Kleidungsstück entgangen, und ich hätte
Kleidung bis heute nie so schätzen können.
Wenn in unserem Glaubensleben
Probleme kommen, fragen wir uns unwillkürlich: Warum ich? Was habe
ich Schlimmes getan? Wozu brauche ich Gott, wenn mir trotz Glauben so etwas
zustößt? Das Wegwerfen des Glaubens liegt nahe. Aber Probleme
gehören offensichtlich zum Glauben dazu. Josef wurde nach Ägypten
verkauft und kam da ins Gefängnis. Daniel landete in der Löwengrube.
Paulus erlitt dreimal Schiffbruch und jede Menge menschlicher Enttäuschungen.
Warum? Diese Schwierigkeiten lassen uns offenbar aufnahmebereit für
Gottes Hilfe werden. Sie geben Jesus die Chance, uns an die Hand zu nehmen
und zu tragen. Sie machen uns zu Veränderungen bereit, weil wir sonst
viel lieber in unseren alten Schuhen bleiben würden.
In Problemen wachsen können
wir im Beten. Beten wir um kleine Zeichen und Hinweise Gottes, dass er
nahe ist und uns liebt. Machen wir uns innerlich bereit zur Veränderung,
dass wir den Kurs korrigieren können. Vertrauen wir darauf, dass Gott
auch aus diesem Abgrund, der sich vor uns auftut, ein wesentliches Puzzleteil
unseres Lebens machen kann, das uns reifen lässt.
Der Psalmbeter drückt
sein Vertrauen in Problemen so aus (Psalm 34,19-20):
„Wenn
sie verzweifelt sind und keinen Mut mehr haben, dann ist er ihnen nahe
und hilft.
Wer dem HERRN treu bleibt,
geht durch viele Nöte, aber aus allen befreit ihn der HERR.“
Verändert werden durch
Versuchungen
Versuchungen sind wie Kreuzungen,
an denen nicht klar ist, wo die einzelnen Abzweigungen lang führen.
Sie fordern in ganz besonderer Weise unser Orientierungsvermögen heraus,
und das wächst, wenn wir es trainieren.
Wir werden z.B. versucht,
unehrlich zu sein. Beim Einkauf blieb ein Artikel unentdeckt im Einkaufswagen
liegen. Wir merken es erst beim Einpacken ins Auto. Was machen wir? Die
Butter zurückbringen und zahlen? Oder stillschweigend einpacken? Oder
mit schlechtem Gewissen einpacken? Ein kurzer Blick nach oben würde
reichen – was würde Jesus tun? Wenn der Artikel teurer und die Versuchung,
ihn mitgehen zu lassen, größer ist, können wir auch beten
„Herr, halte mich jetzt fest und auf deinem Weg“. Und wenn die Versuchung
so stark ist, dass wir ihr einfach nicht widerstehen können, hilft
es, einen Mitwisser zu haben, der uns in der Fürbitte unterstützt.
Wir werden versucht, untreu
zu werden. Was würde Jesus tun? Hat er überhaupt eine Ahnung
von den Schwierigkeiten einer langen Beziehung und den Reizen eines Neuanfangs?
Gönnen wir uns ein kurzes Innehalten, werden wir Klarheit bekommen.
Egal, wie wir es drehen und wenden, Jesus würde nicht zur Untreue
ermutigen, sondern von uns erwarten, dass wir die bestehende Beziehung
klären und ehrlich und offen miteinander umgehen. Er würde uns
ermutigen, uns Hilfe zu holen und gibt uns die Kraft, der Versuchung zu
widerstehen.
Wenn uns was Tolles gelungen
ist, werden wir vielleicht versucht, stolz auf uns unsere Leistung zu sein.
Das führt zu Überheblichkeit und Bitterkeit, wenn andere diese
Leistung nicht bringen können. Eine Bekannte von mir erzählte
mir, wie sehr sie Leute in ihrer Umgebung aufregten, die einfach keine
Leistung brachten und scheinbar nur sie arbeiten ließen. Das änderte
sich, nachdem ein Freund ihr sagte: „Du hast dir doch dein Können
auch nicht selbst erarbeitet, es ist dir von Gott geschenkt worden, sei
nicht so hart zu deinen Mitmenschen. Sei Gott dankbar für dein Können,
aber nicht überheblich.“ Sie erkannte, wie ihr Stolz sie blind machte
für die anderen. Ein neues Miteinander wurde möglich.
Veränderung braucht
Zeit und Lernklima
Geflügel wird so gezüchtet,
dass es in möglichst kurzer Zeit schlachtfertig ist. Man spart auf
diese Weise Platz und Futter, kann in kürzerer Zeit mehr Geflügel
auf den Markt bringen. Was auf der Strecke bleibt, ist die Qualität.
Christen sind keine Hühner oder Puten, die im Schnellverfahren reifen
sollen. Jeder Schritt ist nötig, um das Qualitätssiegel des Heiligen
Geistes zu bekommen. Was wir uns ohne Jesus Christus angeeignet haben,
dürfen wir ablegen. Neues eignen wir uns an durch Lernen, Wiederholen
und Anpassen an unseren Alltag.
Haben wir ein gutes Lernklima?
In der Gemeinde sind wir eine solche Lerngruppe. Wir können uns helfen
durch „Abhören“ und geistliche Freundschaften. Vorbilder in der Gemeinde
motivieren, und als Ziel haben wir das ganze Jahr hindurch die Jahreslosung
im Altarraum der Kirche vor Augen „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“.
Es lohnt sich, von Jesus
Christus zu lernen. Wollen, Bemühen und Durchhalten sind wichtige
Eigenschaften, um bei der Gipfeltour nicht aufzugeben. Es wäre schade,
wenn wir wegen unserer „alten Schuhe“ scheitern würden.
Cornelia
Trick
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