Auf den Spuren von Jesus: Gerechtigkeit (Jesaja 42,1-9)
Gottesdienst am 10.12.2017 in Brombach

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,
vorletzte Woche kam ich von einer Tagung zurück, stand im Hauptbahnhof und wartete auf die S-Bahn. Eine Frau sprach mich an, sie wollte mir eine Obdachlosenzeitschrift verkaufen. Wie im Reflex antwortete ich ihr: Nein danke! Doch in den zehn Minuten meiner Wartezeit ließ mich diese kurze Begegnung nicht los. Ich hatte gerade zwei Tage in einem warmen Tagungszentrum verbracht, der Tisch war immer reichlich gedeckt, ich musste mich kaum bewegen, nichts tun für all den Luxus. Und nun waren mir 1,50€ zu viel? Ich hätte die Initiative der Menschen auf der Straße unterstützen können, stattdessen habe ich mich kalt abgewandt. Es war wie ein Geschenk Gottes, dass er mir eine zweite Chance gab. Die Frau drehte wieder bei mir ihre Runde. Sie erkannte mich offenbar nicht wieder, pries ihr Blatt mit der gleichen Freundlichkeit an, und ich konnte ihr die 1,50€ geben. 

Im Advent trudeln viele Spenden-Bettelbriefe bei uns ein. Wir können sie nicht alle bedienen. Manchmal spricht Gott sehr direkt mit uns wie mit mir an der Bahnsteigkante. Er erinnert uns an Jesus, der gekommen ist,den Armen das Evangelium zu verkünden,

  • den Gefangenen zu predigen,
  • den Blinden das Augenlicht wiederzugeben,
  • die Zerschlagenen in Freiheit zu entlassen,
  • ein Gnadenjahr für alle aufzurufen, dass alles wieder zurück auf Anfang gesetzt wird.
Jesus begegnet uns und lässt uns sensibel füreinander werden, dass wir offene Augen für die um uns bekommen, die seine Nähe brauchen.

Schon die Propheten legten Spuren, die zu Jesus führten. So auch der Prophet Jesaja, der während des Babylonischen Exils im 6. Jahrhundert vor Christus wirkte. Seine Worte sind in Jesaja 40-55 festgehalten. Jesaja kündete einen Knecht an, einen Bevollmächtigten, einen – so würden wir heute sagen – Delegierten Gottes. Der würde alles neu machen und das zerschlagene, gedemütigte Volk aufrichten.

Schon damals fragten sich die Menschen, wer wohl dieser Knecht sein könnte. Jesaja selbst? Oder das ganze Volk? Oder einer, der erst in Zukunft auftreten würde?

Die christliche Gemeinde las die Beschreibung des Gottesknechtes und deutete sie auf Jesus. Im Nachhinein konnten sie erkennen, wohin die Spuren, die Jesaja legte, führten:

Jesaja 42,1-9
Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen. Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er selbst wird nicht verlöschen und nicht zerbrechen, bis er auf Erden das Recht aufrichte; und die Inseln warten auf seine Weisung. So spricht Gott, der HERR, der die Himmel schafft und ausbreitet, der die Erde macht und ihr Gewächs, der dem Volk auf ihr den Atem gibt und Lebensodem denen, die auf ihr gehen: Ich, der HERR, habe dich gerufen in Gerechtigkeit und halte dich bei der Hand. Ich habe dich geschaffen und bestimmt zum Bund für das Volk, zum Licht der Heiden, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die da sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker. Ich, der HERR, das ist mein Name, ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen. Siehe, was ich früher verkündigt habe, ist gekommen. So verkündige ich auch Neues; ehe denn es sprosst, lasse ich's euch hören.

Wir lernen hier drei wichtige Aufträge Gottes kennen, die er seinem Delegierten gibt und die wir in Jesu Wirken und Verkünden wiedererkennen können.

Jesus ist Seelsorger
Das geknickte Rohr wird Jesus nicht zerbrechen, den Docht, der nur noch rot glimmt, nicht ausdrücken. Wunderschön wird Jesus charakterisiert. Er kümmert sich um uns. Mancher ist von Schicksalsschlägen, Lebensabbrüchen, schwerer Krankheit und Not geknickt. Manche glimmt nur noch, weil ihr die Luft zum Atmen fehlt, Angst, Sorge und Druck ihr auf der Seele liegt, sie keine Zukunft mehr sehen kann. Da spricht Jesus zu: „Jetzt kann dein Leben wieder neu anfangen, wenn du mir vertraust. Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

 ist behutsam, er schreit seine Rettung nicht ins Ohr, sondern schlägt leise, sanfte Töne an. Er schickt seine Leute, die aufrichten und trösten. Er schenkt eine neue Perspektive auf die eigene Situation. Er hält seine Hand unter die, die sich im freien Fall fühlen.

Er bietet sich denen an, die auf sein Anklopfen reagieren und ihm die Tür des Herzens öffnen. Ganz leicht geht dieses Tür-Öffnen, es besteht aus einem kurzen Satz: „Jesus komm in mein Leben und hilf mir!“ Wenn wir ihn nicht selbst formulieren können, hilft vielleicht ein Zettel am Badezimmerspiegel, der uns erinnert, wir wollen die Tür des Herzens öffnen. Wir wollen, dass Jesus mit uns geht.

Jesus ist Licht der ganzen Welt
Als ich vor ein paar Tagen durch Usingen fuhr, fiel mir wieder die üppige Weihnachtsbeleuchtung über der Hauptstraße auf. Geschäfte gibt es in der Straße gar nicht so viele, aber das Licht leuchtet und weist hin auf Weihnachten. Manche Stimmen meinen, dass sich die Städte solche Adventsdekoration ruhig sparen könnten, und sie bemängeln, dass es ja nicht um Weihnachten, sondern um Kommerz geht, dass viele angezogen werden, viel Geld auszugeben. Schauen wir auf die Worte vom Gottesknecht, wird klar, dass eine solche Deko zutiefst Jesus-gemäß ist. Jesus ist nicht nur zu uns Christen in die Wohnzimmer und Kirchen gekommen, sondern er ist für die ganze Welt Mensch geworden. Er will nicht nur unser Licht sein, sondern Licht der Welt. Weihnachtsdekoration in den Städten kann ein Hinweis darauf sein. Wenn Jesus kommt, dann soll es alle Welt erfahren. 

Allerdings ist Jesus nicht Deko, sondern sein Licht ist total nötig. Er ist eher die Grundbeleuchtung als eine zusätzliche Lichterkette. Vor ein paar Wochen hatten wir eine Sitzung bei jemand, der ganz nahe am Waldrand oberhalb von Dorfweil wohnt. Die Straße dorthin ist abends so finster, dass ich – auf dem Weg zum Auto – mein Handy zücken musste, um den Weg zu sehen. Da würde eine einzelne Lichterkette schon ganz viel bringen. Sie wäre ein Orientierungslicht im Dunkeln. Jesus will genau das sein.

Unsere Umgebung hat dieses Licht nötig. Ich denke an Leute in meinem Bekanntenkreis. Da ist die junge Frau, die nach einer Familienpause vor 5 Wochen wieder zu arbeiten begann. Sie fühlt sich gerade richtig überfordert. Alle zerren an ihr, und das erste Mitarbeitergespräch in der Firma steht schon an. Da denke ich an den Bekannten, dessen Ehe in Trümmern liegt. Er weiß nicht, wie es dazu gekommen ist, aber nun steht er allein mit seinen Kindern da und weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Da höre ich von jemand, der große Angst vor der Zukunft hat. Er igelt sich ein und stellt sich lauter Horrorszenarien vor.

Das sind nur drei Lebensschicksale, wir könnten die Reihe fortsetzen. Es sind Menschen wie du und ich, und auch wir haben sicher dunkle Stellen in unserer Seele, die, kommen sie uns ins Bewusstsein, uns den Schlaf rauben. Jesus wird nicht alle Probleme mit einem Schlag lösen, aber er gibt uns Licht. Er sagt zu, dass er einen guten Weg für uns hat. Er versichert uns, dass er an unserer Seite bleibt. Er gibt uns Menschen, Zeichen und Überraschungen am Weg, um uns seiner Liebe gewiss zu machen. 

Er kann auch uns die Taschenlampe in die Hand drücken und uns zusprechen: Du bist gefragt, los, zeig du deinem Freund, wie es für ihn hell werden kann.

Jesus bringt Gerechtigkeit
In der Waschanlage muss ich die Antenne vom Dach unseres Autos abschrauben, damit sie von den Bürsten nicht abgeknickt oder abgerissen wird. Manchmal vergesse ich, sie wieder anzudrehen, und wundere mich über den miesen Radioempfang. 

So ähnlich fühlt es sich an, wenn Gott in meinem Leben keine Rolle spielt. Ich habe keinen Empfang oder nur einen gestörten. Jesus schraubt die Antenne für den „Gottesfunk“ wieder an, er macht damit mein Leben vollständig und richtig, er bringt mich zurecht. Das meint, dass Jesus unsere Gerechtigkeit ist. Wir können diese Antenne nicht selbst anschrauben, weil wir keine passende haben. Wir brauchen Gottes Antenne, die uns nur Jesus geben kann. Und wie das Auto nichts anderes tun kann, als es an sich geschehen zu lassen, so können auch wir diese Montage nur geschehen lassen, Gottes Gerechtigkeit nur dankbar empfangen.

Die neue Antenne bewirkt viel. Sie schenkt den Empfang von Gottes Willen und führt dazu, dass wir die Kraft zur Versöhnung bekommen. Der erste Schritt wird möglich, einseitiges Vergeben gelingt, sogar die Liebe zu Feinden wird möglich.

Die neue Antenne bewirkt auch, dass wir Arme und Schwache um uns herum wahrnehmen. Wir werden zu denen, die Jesu Auftrag fortführen. Wir sorgen dafür, dass gebrochene Menschen nicht zerstört werden und glimmender Lebenswille nicht ausgelöscht wird. 

Wer Jesus als Seelsorger, Lichtstrahler und Reparaturprofi erlebt hat, der bekommt von Jesus die Lizenz, sich selbst für diese Welt einzubringen. Das wäre mal ein alternativer Adventskalender. Nicht jeden Tag ein Schokolädchen, sondern hinter den Türchen eine Lizenz Jesu, zu wem und was er uns heute ruft als seine Delegierten, die seinen Geist für diese Aufgaben bekommen.

Cornelia Trick


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