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Liebe Ostergemeinde,
Oft werden wir gefragt: Ist die Auferstehung denn historisch belegt? Nach streng wissenschaftlichen Kriterien haben wir nur ein Osterzeugnis. Angstvolle, trauernde Frauen und Jünger begegneten kurz nach Jesu Tod dem Auferstandenen. Aus Leuten, die sich versteckt hielten und die Türen fest verschlossen aus Angst vor Verhaftungen wurden mutige, frohe, mitteilsame Missionare, die von dem Auferstandenen erzählten und viele Menschen mit ihrer Osterfreude ansteckten, die dann ihrerseits die gleichen Erfahrungen machten. Bis heute geschieht diese Veränderung bei jedem, der Jesus begegnet. Er spürt Jesu Gegenwart, wird im Herzen froh, will Jesus nahe sein und weiß sich bei ihm geborgen. Wer diese Ostererfahrung gemacht hat, ist mit Christus verbunden, blüht, wächst und reift, um Früchte an andere weiterzugeben und für die Welt in Gottes Auftrag unterwegs zu sein. Ostern ist somit ein
Nach der Sabbatruhe gehen Maria von Magdala und Maria, die Mutter von Jakobus und Josef, am Sonntagmorgen ans Grab Jesu. Der Evangelist Matthäus setzt seinen Schwerpunkt auf Gottes Handeln. Ein großes Erdbeben erschüttert die Gräber schon wieder wie schon am Karfreitag. Ein Engel kommt vom Himmel, er selbst wälzt den Stein vom Grab. Der Engel setzt sich auf den Stein, er hat die Farbe des Himmels und ist Bote von Gott. Die Reaktion der Wachen wundert nicht. Sie bekommen Angst und fallen in Ohnmacht. Was bedeuten diese groben Pinselstriche des Matthäus? Ostern ist ein Synonym für den Frühling. Der Frühling kommt jedes Jahr wieder, die Bäume schlagen nach ihrer inneren Uhr aus, die Sonne wird stärken und lockt die Blumen aus der Erde. Ostern hingegen ist einmal geschehen und nicht mit innerweltlichen Vorgängen zu vergleichen. Sie alle hinken. Gott griff von außen auf unser System ein. Diese Leerstelle, die wir nicht begreifen können, wird im Osterbericht sichtbar. Das Wie der Auferstehung Jesu wird nicht berichtet. Wir können es glauben oder nicht. Wir können in die Rolle der Frauen schlüpfen oder in die der Wachen. Es ist unsere Entscheidung, ob wir Gott dieses Wunder zutrauen oder nicht. Der Engel sitzt auf dem Grabstein. Er ist sozusagen Hausbesetzer des Todeshauses. In den bildlichen Darstellungen steht der Engel meistens vor dem leeren Grab. Er ist Bote Gottes und verkündet mit Autorität im Stehen. Warum berichtet Matthäus vom Sitzen des Engels? Ich werde an zwei Ringer erinnert, die miteinander auf der Matte kämpfen. Sie ringen sich nieder, bis einer auf dem anderen sitzt, die Hände hebt und signalisiert: ich habe den Kampf gewonnen. Der Engel ist Repräsentant Gottes und verkündet den Sieg Jesu über den Tod. Sie haben miteinander gerungen. So schnell wollte ihn der Tod nicht freigeben. Aber Gottes Kraft war stärker, der Tod hatte keine Chance. Seither sitzt dieser Engel auf unseren Grabsteinen. Er verkündet, dass unsere Grabsteine nur vorläufige Zeichen sind. Der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern Gott selbst. Wie gut, wenn wir im Leben schon mit ihm verbunden sind und auf den setzen, der am Ende siegen wird. Die Wachen sind objektive Beobachter der Szene. Sie bewahren den Ist-Zustand. Von Gott her werden sie ausgeschaltet. Gottes Auferstehungskraft ist größer als menschliche Armeen. Er überrascht auch heute und weist menschliche Macht in ihre Grenzen. Die Verfolgten dürfen hoffen. Gott ist Herr auch über die Straflager in Nordkorea. Für uns fast nicht nachvollziehbar kommen unter der schweren Verfolgung in Nordkorea viele Menschen zum Glauben. Ein Zitat eines nordkoreanischen Pastors belegt das: „Gott sorgt seit Jahrzehnten für unsere wachsende Kirche und beschützt sie. Schon oft haben wir alle möglichen Wunder erlebt, und Gott ist weiterhin am Werk.“ (Gebetsheft April OpenDoors) Matthäus 28,5-8 Österliche Seelsorge Der Engel holt die Frauen ab. „Fürchtet euch nicht!“ spricht er ihnen zu und holt sie aus ihrer Erstarrung. Er knüpft an die Zeit mit Jesus an. Alles hatte doch Jesus vorhergesagt. Ostern bringt nicht etwas völlig Neues. Von Gott her ist die Auferstehung Jesu Fortsetzung seines roten Fadens durch die Geschichte mit seinem Volk und seinen Menschen. Für die Frauen allerdings ist es ein Neubeginn. Ein Toter lebt! Der Engel gibt den Frauen einen Auftrag. Sie sollen den Jüngern sagen, dass Jesus lebt und ihnen in Galiläa begegnen wird. Galiläa ist nicht nur der Herkunftsort der Jünger und Beginn ihrer Zeit mit Jesus, sondern mit Galiläa verband man auch Erinnerungen an die Geschichte Israels. Der Prophet Jesaja sprach vom „Galiläa der Heiden“. Nach der Eroberung durch Assyrien waren viele Heiden im 8. Jahrhundert vor Christus angesiedelt worden, um die Einheimischen zu verdrängen. Wenn Jesus seine Jünger nach Galiläa bestellt, so steht das für ihre zukünftige Aufgabe. Sie werden Galiläa-Missionare sein, den Heiden die Gute Nachricht von Jesus erzählen. Matthäus greift hier schon dem Missionsbefehl Jesu im nächsten Kapitel voraus. Der Engel lehrt uns österliche
Seelsorge. Verzweifelte abholen, ihnen zusprechen: Fürchte dich nicht!,
sie erinnern an Jesu Leben, das auch ihr Leben bedeuten kann, so können
wir in der Begegnung Mut machen. Jesus, der Auferstandene geht voran auf
neuen Wegen nach Galiläa. Der Auftrag liegt in der Zukunft.
Matthäus 28,9-10 Jesus selbst Nun ist es nicht mehr ein Hören aus 2. Hand, sondern Jesus selbst, der den Frauen begegnet. Sie hören die Erkennungsmelodie Gottes: Fürchtet euch nicht! Wo diese Melodie erklingt, begegnet uns auch heute Gott. Bei ihm brauchen wir uns nicht zu fürchten, was immer uns gerade widerfährt. Jesus wiederholt den Auftrag an die Frauen. Eine kleine Nuance nehmen wir wahr. Er spricht nicht von seinen Jüngern, sondern von seinen Brüdern. Die Jünger hatten ihn verlassen. Keiner von ihnen war am Grab. Aber dennoch sind sie seine Brüder. Bevor sie ihn um Vergebung bitten konnten, hat er ihnen schon längst vergeben. Er liebt seine Nachfolger und Nachfolgerinnen auch mit ihrem Versagen. Das können wir heute Morgen wieder neu hören. Wir sind Jesu Schwestern und Brüder, er vergibt, wo wir ihn überhört, verraten, ignoriert haben. Seine Liebe überwindet unsere Schwäche. Die Frauen fallen vor Jesus nieder. Das ist die Standortbestimmung für Jünger und Jüngerinnen Jesu. Hören sollen wir auf ihn, seine Nähe dürfen wir genießen, seine Aufträge dürfen wir empfangen. Wir müssen dabei nicht strammstehen wie Untergebene beim Militär. Wir dürfen Zeit mit Jesus verbringen, Vertrauen gewinnen, bevor die Aufträge kommen. Wir sind so verschiedene Osterchristen wie die Blüten an unserem Kreuz. Ostern ist Erinnerung. Jesus lebt seit damals am Grab von Josef von Arimathäa. Ostern ist Ermutigung: Fürchte dich nicht! Ostern ist Ermächtigung. Wir sind bevollmächtigt, die Gute Nachricht in unser „Galiläa“ zu tragen. Cornelia
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